Danke, Rafi! Deine Abfuhr hat mich nachhaltig geprägt ...

Manche Körbe empfindet man als Kränkung, manche als Enttäuschung – doch unsere Autorin hat gerade einen bekommen, der ihr die Augen geöffnet hat ...

Ich will mal ganz ehrlich sein: Bei Rafi hatte ich ein gutes Gefühl. Wir haben uns über eine Dating-App kennengelernt. Im Gegensatz zu all meinen sonstigen Erfahrungen, die ich mit dieser App gemacht habe und die meine Lust auf Online-Dating eigentlich eher gegen Null tendieren lassen, empfand ich den Austausch mit ihm als sehr angenehm, entspannt, interessant und irgendwie vertraut.

Rafi hat nicht genervt

Ein Beispiel: Er hat nicht immer sofort geantwortet, sobald ich ihm geschrieben habe, sich aber nett entschuldigt, wenn er mal zwei Tage nichts hören ließ. Finde ich genau richtig in der Kennenlernphase! Für mich gibt's kaum etwas Stressigeres und Unsympathischeres als ständige Erreichbarkeit. Zudem erwarte ich von einer (noch) unverbindlichen Bekanntschaft keine prompte Rückmeldung – hat sie von mir schließlich auch nicht zu erwarten. Sein Entschuldigen zeugt andererseits von Respekt, Höflichkeit und Zuverlässigkeit. Punktlandung, Rafi!

Rafi war einfühlsam

Inhaltlich war unser Austausch wiederum so gut, dass ich regelrecht erstaunt war: Er ist ungewöhnlich einfühlsam auf mich eingegangen und hat dabei immer auch etwas von sich geteilt. Sowas hatte ich mit einem Menschen, den ich nur aus dem Netz kannte, nie zuvor erlebt. Es war, als würden wir uns die Bälle passgenau zuspielen und mit jedem Ballwechsel ein Stück mehr aufeinander zugehen – meine bisherigen Mitspieler haben mir die Bälle meist eher ins Gesicht geschmissen oder überhaupt nicht zurückgeworfen, wenn ihr versteht ... 

Rafi war ein solides erstes Date

Jedenfalls war nach einer Weile absolut klar: Den Mann will ich treffen! Also verabredeten wir uns auf einen Kaffee und was soll ich sagen? Der Nachmittag mit ihm bestätigte mein Gefühl: Toller Typ, könnte mehr draus werden. Wir haben uns super unterhalten und dabei stellte sich heraus, dass wir in vielen Dingen ähnliche Einstellungen haben. Es war wirklich harmonisch und für ein erstes Treffen vergleichsweise offen, vertraut und intensiv. Zugegeben, die Funken sprühten jetzt nicht, aber dafür ist ein Kaffee-Spaziergang-Date ja auch nicht der optimale Rahmen.

Rafi ließ mich nicht lange warten ...

Nach der Verabredung mit Rafi war ich auf dem Trip: Können wir ruhig mal weiter verfolgen, einer zweiten Verabredung steht jedenfalls meinerseits nichts im Wege. Doch am Morgen nach unserem Kennenlernen schickte er mir eine Nachricht, in der er mich wissen ließ, dass er es sehr nett fand, aber mir auf keinen Fall falsche Hoffnungen machen wolle – er sei lediglich an einer Freundschaft interessiert! 

Als ich das las, war ich zwar überrascht – aber witziger Weise auch wahnsinnig erleichtert! Noch hatte ich ja keine Gefühle entwickelt oder Schmetterlinge im Bauch, daher hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen. Beziehungsweise wurde sie vielleicht einfach von Dankbarkeit überschattet: Dafür, dass mich Rafi mit so einer klaren, frühzeitigen Ansage davor bewahrt hat, mir jene "falschen Hoffnungen" und Gedanken zu machen oder mich in etwas hineinzusteigern, das gar nichts ist.

Dank Rafi habe ich etwas verstanden 

Ich muss es ihm lassen – in erster Linie hat mir Rafi mit seinem wundervollen Korb zu einer wichtigen Erkenntnis verholfen: Wir sollten ehrlicher miteinander sein! So oft führen falsche Freundlichkeit, Angst, jemanden vor den Kopf zu stoßen, und übertriebene Vorsicht zu Wischi-Waschi-Aussagen, mit denen niemand etwas anfangen kann. Oder noch schlimmer: Zu Phänomenen wie Ghosting, Benching und Breadcrumbing.

Doch so etwas tut den Betroffenen meist viel mehr weh als jeder eindeutige Korb, selbst wenn Gefühle involviert sind. Schließlich können wir auf Fakten und klare Ansagen reagieren, uns damit arrangieren und abfinden. Werden wir dagegen hingehalten und im Dunkeln gelassen, dreht sich das Gedankenkarussell weiter und weiter, wir fragen uns, was ist, was sein könnte und ob der andere wohl auch gerade an uns denkt ...

Daher kann ich abschließend und mit voller Überzeugung sagen: Auch wenn's eine kurze Beziehung war zwischen Rafi und mir (Freunde habe ich nämlich genug), hat sie mich bereichert und nachhaltig geprägt. Wenn mir nämlich künftig mal jemand zu schnell antwortet oder den Ball ins Gesicht klatscht, werde auch ich mich nicht einfach mit einem netten Lächeln aus der Affäre ziehen, sondern ihm klipp und klar sagen, dass es so nicht geht – und jetzt rede ich nicht mehr nur vom Dating ...

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