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Wokefishing Würdest du auf diese Aufreißer-Masche reinfallen?

Wokefishing: Paar vor einer Mauer
© Rawpixel.com / Shutterstock
Du flirtest gern und lernst mit Freuden neue Leute kennen? Dann pass auf, dass du dabei nicht auf Wokefishing reinfällst – oder würdest du die Masche gleich durchschauen?

Wer verliebt ist, setzt in der Regel alle möglichen Hebel in Bewegung, um die Person, die für die Schmetterlinge im Bauch verantwortlich ist, von sich zu überzeugen. Schick anziehen, witzig sein, an den Haaren spielen – man tut eben, was man meint zu müssen, und da kann auch schon mal ein bisschen geflunkert werden: "Du bist mit dem Rucksack durch Australien getourt? Wow, das wäre auch was für mich!", mag wohl selbst einem Luxus-Freak, für den Spontaneität und Abenteuer Fremdwörter sind, über die Lippen kommen – wenn es in seiner Körpermitte nur genügend kribbelt.

Das sogenannte Dating-Phänomen Wokefishing weist zu dem Beschriebenen zwar Ähnlichkeiten auf, doch es unterscheidet sich auch von diesem "dem Schwarm unbedingt gefallen wollen". Wer nämlich Wokefishing betreibt, ist in der Regel gar nicht wirklich verliebt, sondern soll damit eine eiskalte Strategie mit nur einer Absicht verfolgen: Die Zielperson rumkriegen.

Was ist Wokefishing?

Der Begriff "Wokefishing" ist inspiriert vom sogenannten "Catfishing", jener Masche, bei der eine Person ein Fake-Profil erstellt, um ein Date klarzumachen, und wurde von der "Vice"-Autorin Serena Smith in Umlauf gebracht. Ähnlich wie beim Catfishing werden beim Wokefishing falsche Tatsachen vorgespielt, allerdings wird dabei sehr gezielt und begrenzt gelogen: In Bezug auf die eigenen Werte und politischen Ansichten.

Das Wort "woke" (wörtlich übersetzt "wach") wird im Englischen verwendet, um eine gewisse politische Achtsamkeit auszudrücken, und wird oft auch im Zusammenhang mit der "Black Lives Matter" Bewegung gebraucht. Die Aufforderung "stay woke" ruft etwa dazu auf, reflektiert und aufmerksam zu sein gegenüber sich selbst und anderen, um soziale Ungerechtigkeit zu erkennen und abzuschaffen.

Zurück zum Dating-Phänomen: Gibt zum Beispiel jemand, der jede Woche einen BigMäc isst, vor, Veganer zu sein und sich umweltbewusst zu ernähren, um eine andere Person, der Nachhaltigkeit und Tierwohl wirklich wichtig sind, zu verführen, ist das Wokefishing. Behauptet ein Mensch mit ähnlicher Absicht, er sei Feminist, obwohl er eigentlich findet, Frauen sollten nicht arbeiten gehen, ist er ebenso ein Wokefish. Kurz und schlecht: Ein Wokefish tut so, als wäre er politisch/ sozial engagiert, um sich ein Date zu "angeln" – wenn ihm in Wahrheit Gleichberechtigung, Tierwohl und Co. am Allerwertesten vorbeigehen. 

Würdest du auf Wokefishing reinfallen?

Ob Wokefishing ein massenhaft auftretendes Phänomen wie Ghosting wird und wir von nun an bei jeder neuen Bekanntschaft damit rechnen müssen, ist fraglich. Schließlich ist es einerseits eine Masche, die vor allem online ziehen dürfte – denn spätestens bei einem intensiven Gespräch, bei dem man sich in die Augen schaut, dürfte es für den Wokefish schwer werden, sich überzeugend zu verstellen. Andererseits gibt es vielleicht gar nicht mal sooo viele Menschen, die sich von jemandem aufgrund dessen politischer Ansichten rumkriegen lassen (um welche Kurve auch immer ...). Sicherlich macht es eine Person sympathischer und rundet das Bild positiv ab, wenn sie reflektiert und an einer Weltverbesserung interessiert ist. Aber spielt Politik beim Kennenlernen und Verlieben wirklich eine hinreichend große Rolle, um mit dem richtigen Köder andere zum Anbeißen zu bringen? 

Fakt ist: Wer Wokefishing betreibt, ist ganz offensichtlich unsicher, nicht besonders erfolgreich beim Dating, wenn er er selbst ist, und ein ziemliches A***, da ihm die Gefühle anderer augenscheinlich egal sind. Und um all das mit einer vorgetäuschten politischen Einstellung zu kaschieren, muss man schon ein wirklich guter Schauspieler sein ...

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