VG-Wort Pixel

Transsexuellengesetz Es muss sich endlich etwas ändern!

Trans: Frau mit Flagge
© Daphne Channa Horn / Shutterstock
Das veraltete Transsexuellengesetz ist für viele Betroffene eine Hürde. Doch die Versuche, es abzuschaffen, scheiterten bislang. Die Gegenstimmen sind zu laut.

Wollen in Deutschland Menschen ihr "juristisches Geschlecht" ändern lassen, ist das ein komplizierter Prozess. Das Problem sind vor allem die notwendigen Gutachten, die von trans Personen als diskriminierend und entwürdigend empfunden werden. Zum Beispiel werden Fragen zur sexuellen Orientierung, dem Familienverhältnis und dem Sexualverhalten gestellt. "Es ist vorgekommen, dass gefragt wurde, wie oft man masturbiert oder ob man eine:n Partner:in hat", ärgert sich Anne-Mette Gerdsen, Beraterin für trans- und intersexuelle Menschen in Schleswig-Holstein. "Viel besser wäre es, wenn es gar kein Gutachten gäbe. Denn was hat mein Sexualverhalten damit zu tun, ob ich ein Mann oder eine Frau bin?"

Teure Odyssee mit Hürden

Das Transsexuellengesetz in Deutschland ist nämlich vor allem eins: ziemlich veraltet. Seit 40 Jahren besteht es schon. "Zwar wurden bereits verfassungswidrige Paragrafen gestrichen, wie zum Beispiel, dass man sich zuvor geschlechtsunfähig machen musste und auch die Pflicht, sich scheiden zu lassen. Dennoch bleiben die Gutachten sowie ein richterlicher Beschluss erhalten", erklärt Anne-Mette Gerdsen. Kurz: Wie du auf dem Papier heißt und welches Geschlecht vermerkt ist, wird fremdbestimmt. Zudem ist das Verfahren ziemlich teuer – mehr als 1000 Euro kostet es meist.  Das kann auch für den Staat kostspielig werden; denn es gibt die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen, wenn gewisse Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Dabei: die allerwenigsten Gutachten fallen negativ aus. Letztendlich wären sie nicht notwendig gewesen.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Die Möglichkeit endlich anzukommen

Für die Betroffenen ist die Änderung ihres Geschlechtseintrags und Namens ein wichtiger Meilenstein. "Viele sagen, dass sie dadurch erst richtig angekommen sind, dass jetzt alles stimmt. Es ist vergleichbar mit anderen großen Angelegenheiten im Laufe des Lebens wie Partnerschaften oder ein Kind zu bekommen", erklärt Anne-Mette Gerdsen. 

Einspruch von einigen Seiten

Wieso muss man es dann so kompliziert und bürokratisch machen? Eine Reform wäre dringend notwendig. Doch einige Gegner stellen sich quer. Darunter Politiker und christliche Parteien – aber auch Frauengruppen. "Sie befürchten, dass Menschen ihr Geschlechtseintrag ändern wollen, um in Frauen-Schutzräume einzudringen. Man habe auch Angst, dass `geborene Männer` Frauenförderungen nutzen wollen", erklärt Anne-Mette Gerdsen. Sie könne diese Angst nicht nachvollziehen. 

Zum Vergleich: "In Dänemark gehen die Betroffenen zum Amt und werden vermerkt. Nach einem halben Jahr müssen sie erneut kommen, um zu bestätigen, dass sie die Änderung immer noch möchten und das war´s", erklärt Anne-Mette Gerdsen. Ihr sei kein Fall bekannt, in dem die niedrige bürokratische Hürde in Dänemark für andere Zwecke missbraucht wurden. Sie würde sich wünschen, dass auch in Deutschland der Prozess endlich für trans Personen erleichtert wird. 

Debatte im Bundestag

Damit ist sie nicht alleine: Auch die Grünen und die FDP haben erst kürzlich einen Antrag gestellt, der den Prozess mit einem Gang zum Standesamt und einer mündlichen Absichtserklärung für trans Personen erheblich erleichtern soll. Doch die Anträge wurden abgelehnt. CDU/CSU ist dagegen, die SPD möchte eine andere Lösung. Die AFD spricht von einem "genderpolitischen Wahnsinn". 

Trotzdem gibt Anne-Mette Gerdsen die Hoffnung nicht auf. Für eine bessere Zukunft für trans Personen wünscht sie sich allgemein mehr Verständnis füreinander. Denn schließlich wollen trans Menschen auch nur ihr Leben leben – nicht nur toleriert, sondern akzeptiert in ihrem für sie richtigen Geschlecht.

Verwendete Quelle: Interview

Anne-Mette Gerdsen ist in den Vereinen "Intergeschlechtliche Menschen e.V." und  "Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V." tätig . Hier können Betroffene Unterstützung und Angebote für Beratungen finden.


Mehr zum Thema