Auf der Suche nach Verlorenem - das Label Abury

Andrea Kolb ist die Frau in unserer Orientmodestrecke in BRIGITTE 9/2012. In ihrem Hotel Ana Yela in Marrakesch sind die Fotos entstanden. Und mit ihrem Accessoire-Label Abury unterstützt Andrea Kolb soziale Projekte - darüber wollten wir mehr wissen.

Andrea Kolb in einer Nähschule in Marokko.

BRIGITTE.de: Was genau steckt denn hinter der Marke Abury?

Andrea Kolb: Es ist ein "Social Business"-Projekt, das wir im Juni 2011 gelauncht haben. Wir versuchen, kulturelle Vielfalt und kulturelle Werte zu erhalten. In diesem Fall geht es konkret um Kunsthandwerk. Wir geben den Menschen, die hier leben, die Möglichkeit in ihrem traditionellen Umfeld mit ihrem Wissen und Können Geld zu verdienen - und damit ihre Identität zu leben und ihre Kultur zu erhalten. Zusätzlich geben wir 50 Prozent der Gewinne wieder zurück in die Community, zum Beispiel für Bildungsprojekte oder Brunnenbau.

BRIGITTE.de: Ist Ihnen die Idee dazu hier in Marokko gekommen?

Andrea Kolb: Ja, aber das ist nur unser Startpunkt. Wir wollen jedes Jahr eine neue Kultur mit ins Portfolio aufnehmen, so dass wir irgendwann eine Abury-Kollektion mit Preziosen aus aller Welt anbieten können.

BRIGITTE.de: Mit welchen Produkten haben Sie Ihr Projekt gestartet?

Andrea Kolb: Hier in Marokko haben wir das alte Handwerk, Ledertaschen zu besticken, wiederbelebt – eine Zunft, die kurz vor dem Aussterben war. Zuerst haben wir alte Berbertaschen, die noch von Männern und Frauen in den Dörfern von Hand hergestellt wurden, gesammelt und verkauft. Aus diesen Erlösen haben wir Nähschulen in zwei Dörfern gegründet – und dort bilden wir die nächste Generation Stickerinnen aus, die wieder neue Taschen produzieren.

Eine der iPad-Hüllen von Abury.

BRIGITTE.de: Sind das alte Taschen, die neu aufgearbeitet werden?

Andrea Kolb: Nein, das sind neue Designs. Wir nehmen die traditionellen Muster und bringen sie gemeinsam mit Kunsthandwerkern und modernen Designern aus aller Welt auf neue Formen. Wir haben jetzt zum Beispiel iPad-Taschen entwickelt, die 100 Prozent handgefertigt sind und mit den alten Mustern bestickt werden. So ist es auch bei der Clutch oder bei der iPhone-Hülle. Wir nehmen die Formen aus dem modernen Alltag und die Art der Herstellung und die Muster aus dieser traditionellen Welt.

BRIGITTE.de: Wie kam es zum Niedergang des alten Handwerks?

Andrea Kolb: Man hatte versucht, Kunsthandwerk maschinell umzusetzen, andere Fäden benutzt, anderes Leder, es waren nur noch ein paar Handgriffe. Die Feinheit, Individualität und die Authentizität gingen verloren. Und damit auch die Lebensgrundlage der Leute, die das vorher von Hand gemacht hatten. Aus dem Kunsthandwerk wurde Massenproduktion. Dabei ist vieles verloren gegangen. Und vor allem hat die junge Generation keinen Anreiz mehr, das alte Handwerk zu lernen. Damit gehen auch die Tradition und die Geschichte verloren. Das ist es, was wir mit "Abury" in der ganzen Welt suchen: was uns verloren gegangen ist - Authentizität, Individualismus, Einzelstücke. Wir wollen den Leuten vermitteln: "Wenn ihr an eurer Kultur festhaltet und mit uns zusammenarbeitet, dann könnt ihr damit euren Lebensunterhalt verdienen, geichzeitig eure Community unterstützen und das sogar ganz gut".

Näherinnen in Marokko.

BRIGITTE.de: Ist es als Frau leicht, in einem Land wie Marokko als Ratgeberin und Geschäftsfrau ernst genommen zu werden?

Andrea Kolb: Ich habe sogar das Gefühl, dass es ganz gut ist, dass ich eine Frau bin. Frauen werden oft als vertrauenswürdiger und seriöser angesehen als Männer. Ein Jahr lang bin ich alle sechs Wochen in eines der Dörfer gefahren und habe mit den Männern gesprochen. Da ging es vor allem darum, Vertrauen aufzubauen und zu zeigen, dass ich die Kultur respektiere, gemeinsam etwas aufbauen möchte und nicht einfach westliche Ideen und Lebensweisen verbreiten will. Die Männer wollten erst sicher gehen, dass ich ihre Frauen nicht ausnutzen möchte, und dass mein Projekt eine Herzenssache von mir ist. Dann erst durfte ich mit den Frauen in Verhandlungen treten. Frauen verwalten hier oft das Geld im Haushalt.

BRIGITTE.de: A propos - wie laufen denn die Geschäfte?

Andrea Kolb: Wir wachsen und bauen den Markt in Deutschland aus. Aber wir schauen auch darüber hinaus, zum Beispiel in die USA - angeregt durch Donna Karan, die in Berlin im "Departmentstore206 Cabinet" zwei unserer Taschen gekauft hat. Ich bin daraufhin mit ihrer Foundation "Urban Zen" in Kontakt gekommen. Nach drei Monaten habe ich tatsächlich einen Termin bei ihr bekommen. Ich bin nach New York geflogen, das war sehr spannend. Unsere Sachen passen sehr gut in ihre Foundation, die sich auch intensiv um "Cultural Preservation" kümmert. Wir entwickeln jetzt gerade eine Kooperation...

BRIGITTE.de: Und wie könnte die aussehen?

Andrea Kolb: Unsere Produkte werden über "Urban Zen" angeboten. Die machen somit auch gleich etwas PR für uns – und umgekehrt. Das Sahnehäubchen wäre, wenn Donna Karan etwas für uns designen würde. Aber das steht noch in den Sternen.

Weitere Informationen auf www.abury.net.

Fotos: PR
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