Handgemachte Tücher, die Geschichten erzählen

In ihrer Stuttgarter Manufaktur stellt Lenka Kühnertová handgemachte Tücher und Schals her, deren Motive Geschichten erzählen.

BRIGITTE: Was ist das Besondere an Ihren Tüchern?

So findet ihr die perfekte Brille für eure Gesichtsform

Lenka Kühnertová: Meine Arbeit hat zwei besondere Merkmale: die Art und Weise, wie ich die Produkte herstelle, und die inhaltlichen Aspekte. Ich drucke im Siebdruck, entwerfe und erstelle alle Schablonen selbst, mische die Farbpigmente selbst an und drucke alles von Hand. Deshalb ist jede Kollektion limitiert. Bei meinen Tüchern geht es nicht um Trends – sie sollen zeitlos sein. Was die inhaltlichen Aspekte betrifft, versuche ich, ein Zusammenspiel aus Material und Motiv zu kreieren. Meine Tücher erzählen immer eine Geschichte.

Was für Geschichten sind das?


Für jede Kollektion suche ich mir ein Thema. Angefangen hat es mit dem japanischen Schriftsteller Haruki Murakami und seinem Buch "Mister Aufziehvogel". Beim Lesen liefen in meinem Kopf Bilder ab. Zu diesen Bildern habe ich Farbwelten und Illustrationen gestaltet, und diese habe ich auf Stoffe gedruckt. Stoffe deshalb, weil das Material für mich eine Rolle für die Narration spielt: Jeder Stoff, jedes Gewebe, erweckt bestimmte Emotionen. Bei jedem meiner Entwürfe wähle ich das Material passend zum Motiv und zur Geschichte, meist arbeite ich mit Baumwolle, Seide oder Wolle. Zum Beispiel gibt es von Murakami eine Geschichte, die "Die Gasse" heißt. Das Tuch dazu ist sehr lang und schmal – die Inhalte spiegeln sich also in den Tüchern wider.

Welche anderen Themen haben Sie inspiriert?


Für meine zweite Kollektion habe ich ein kulturgeografisches Thema gewählt, dabei ging es um die Burjaten, eine Volksminderheit in Russland. Ich habe die Lebensweisen, Themen und Geschichten dieser Volksgruppe recherchiert und daraus Motive entwickelt. Meine dritte Kollektion handelte von Erzählungen des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal.

Wie viele Stücke umfasst jeweils eine Kollektion?


Im Moment gibt es zehn verschiedene Modelle in einer Auflage von zehn bis zwanzig Stück. Und so limitiert soll meine Kollektion auch bleiben, weil ich ja weiterhin alles von Hand herstellen möchte.

Können Sie davon leben, wenn Ihre Kollektionen so klein sind?


Ja. Da bei mir alles Handarbeit und von hoher Qualität ist, sind meine Schals ein bisschen hochpreisiger. Ich denke, es gibt immer mehr Menschen, die nicht bloß konsumieren, sondern sich auch ein paar Gedanken machen wollen. Meine Kunden haben Interesse daran, mich und meine Manufaktur kennenzulernen. Es macht mir auch Spaß, mit ihnen über die Geschichten hinter den Tüchern zu sprechen und zu sehen, wie die Tücher die Fantasie der Menschen anregen.

Wie kamen Sie auf die Idee, so zu arbeiten?


Ich habe eine Grafikdesignausbildung an der Akademie der Künste in Stuttgart gemacht. Während meines Studiums hatte ich die Möglichkeit, ein Gastsemester im Textildesign zu machen. Das hat mich so gefesselt, dass ich danach viele Projekte im Textildesign umgesetzt habe. Außerdem war ich in einer "Konzeptklasse", wo wir immer zunächst Inhalte entwickelt haben und und dann die visuelle Umsetzung. So kam es, dass ich heute im Textildesign arbeite und dabei immer auch nach Inhalten suche.

Manufaktur Kühnertová

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