Die schönste Sache der Welt

Sie macht Spaß, glücklich und ja: wir lieben sie! Mode ist einfach die schönste Sache der Welt. In unserer neuen Kolumne erklärt unsere Mode-Assistentin Annika die neuesten Trends, stöbert nach kuriosen Fundstücken und erzählt vom ganz normalen Redaktionswahnsinn. Diesmal: Meine erste Fotoreise

Es ist halb acht morgens und ich sitze im Taxi auf dem Weg zum Flughafen. Es ist der Beginn meiner ersten Fotoreise. Nein, stopp, meiner Zweiten. Vor einem Jahr bin ich während meines Studiums mal für zwei Tage mit nach Stuttgart auf eine Produktion gefahren. Damals sollte es eigentlich nach Paris gehen, doch eine Woche vorher wurde aus dem angekündigten Ziel plötzlich Stuttgart.

Peinliche Pünktlichkeit wird belohnt

Das kann mir bei dieser Reise nicht passieren, denn mein E-Ticket liegt ausgedruckt in meiner Tasche, das Taxi ist bestellt und ich habe sicherheitshalber eine Stunde eingeplant, um zum Flughafen zu kommen. Sicher ist sicher. Um halb neun wollen wir uns am Flughafen treffen. Ich lächele den Taxifahrer an und sage ihm, dass wir keine Eile haben. Eine Minute später fällt plötzlich die Elektronik im ganzen Wagen aus. Nichts geht mehr, doch mein Zeitplan hat auch solche Notfälle einkalkuliert.

Ich werde einem anderen Taxi übergeben und sitze trotz allem um fünf nach acht am Check in- Schalter. Um zehn nach acht klingelt mein Telefon, der Kurier fragt wo ich sei, er steht genau neben mir. Im Gepäck hat er unsere drei Riesenkoffer mitsamt der gesammelten Kleidung für die Produktion. Witzig Freundchen, abgemachter Zeitpunkt für die Übergabe war halb neun. Meine peinliche Pünktlichkeit hat sich an diesem Morgen also schon doppelt bezahlt gemacht!

Sonne pur und Gran Canaria Alaaf!

Dass ich kein alter Hase in Sachen Fotoreisen bin, wird zum ersten Mal klar, als ich im Gegensatz zu allen anderen einen Fensterplatz im Flugzeug wünsche. Alte Hasen haben die Aussicht über den Wolken natürlich schon hundert Mal erlebt und genießen lieber den Vorzug, die Beine zwischendurch durchstrecken zu können. Nach fünf Stunden Flug landen wir auf Gran Canaria. Die Sonne strahlt uns entgegen und ich kann mein Glück kaum fassen. Je näher wir unserem Hotel in Las Palmas kommen, desto mehr fällt uns etwas auf: Menschen in Kostümen! Gran Canaria Alaaf! Der einwöchige Karneval hat heute begonnen!

Mein Zimmer lässt mein Herz für alle Hotelzimmer dieser Welt wieder einmal höher schlagen. Es liegt im 19ten Stock und hat Blick aufs Meer....und auf das Stadion in dem der Karneval stattfindet. Dort wird zu Lifemusik gefeiert und um punkt zwölf geht genau vor meinem Balkon ein Feuerwerk in die Luft. Die Party dauert bis fünf Uhr morgens. Dementsprechend gerädert sind wir am nächsten Morgen. Ich habe anscheinend noch am besten von allen geschlafen. Da auch für die nächsten Nächte keine Besserung in Sicht scheint stehen auf unserer Einkaufsliste Oropax ganz oben.

Weite Dünenlandschaften...

Riesendünen, Luxus und ein spanischer Hotelbesitzer

Heute ist Location- und Besorgungstag. Arno der Visagist und Martina das Model werden erst im Laufe des Tages eintreffen. Susie, meine Chefin, kennt die Insel wie ihre Westentasche. Sie hat die meisten Locations schon im Kopf, was eine Menge Zeit spart. Und auch Ole, der Fotograf, ist mit Gran Canaria und der spanischen Sprache sehr vertraut.

Zuerst besichtigen wir die wunderschönen Riesendünen aus echtem Saharasand im fürchterlich hässlichen Touristenort Playa del Ingles. Hier werden wir morgen die Bademode fotografieren. Leider haben wir keine Zeit über die Dünen hinweg bis zum Meer zu laufen, wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier. Auch wenn man das manchmal zu vergessen scheint, dass man gerade arbeitet.

Unser nächstes Ziel ist eine Luxusappartmentanlage. Von der Straße aus eher unscheinbar, doch von innen eine kleine Oase. Auf der Mole, die vor dem Hotelstrand eine kleine Bucht vom Meer abtrennt, ist unser Luxusthema geplant. Es dauert eine Zeit bis Susie die Verwaltung der Anlage von unseren guten Absichten überzeugt hat, doch ihre Hartnäckigkeit zeigt schließlich Wirkung und wir erhalten auch hier die Genehmigung in den nächsten Tagen zu fotografieren.

Es folgt eine Besichtigung des Aboriginedorfes, der Altstadt, verschiedener Gebäudefassaden sowie die Suche eines kleinen, original spanischen Hotels, an das Susie sich erinnert, von dem sie jedoch leider nicht mehr genau weiß, wo es ist. Doch letztendlich haben wir auch dies gefunden. Leider ist Vladimir, der Inhaber nicht im Haus und Paco, sein kauziger Bruder, spricht nicht gerne Englisch und möchte die Entscheidung seinem Bruder überlassen. Es bleibt also spannend ob wir die Wäsche hier fotografieren können, doch das Zimmer wäre so perfekt, dass es eigentlich kaum möglich ist eine gleichwertige Alternative zu finden. Susie ist wie immer optimistisch.

REBAJAS, REBAJAS, REBAJAS!

Wir fahren zu Ikea, um Requisiten zu besorgen und in den Supermarkt, um unser Frühstück für die nächsten Tage einzukaufen, denn um sechs Uhr morgens ist in unserem Hotel (obwohl es sich Businesshotel nennt), der Speisesaal noch fest verschlossen. Nachdem wir alles geplant und besorgt haben, bleibt uns noch eine Stunde Shopping. Hier höre ich zum ersten Mal mein neues Lieblingswort: REBAJAS - Schlussverkauf.

Für alle die es noch nicht wissen: auf Gran Canaria gibt es keine Mehrwertsteuer, weswegen alles sowieso schon viel billiger ist, und wenn dann noch REBAJAS dazukommen, ich sag's euch, da muss man einfach vom Shoppingfieber gepackt werden! Auch wenn man die Sachen eigentlich später verzollen müsste, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Egal, das habe ich einfach nicht gehört.

Kaffeesucht und dreiste Spanner

...und Las Palmas - das ist Gran Canaria

Als wir gegen sieben Uhr am nächsten Morgen die Riesendünen am anderen Ende der Insel erreichen, wollen wir alle nur eins. Kaffee! Nur das Model möchte eine vornehme Tasse Tee. Mit unserer orangenen Thermoskanne stapfe ich los, um das nächste Hotel anzuschnorren, erfolglos. Ich laufe und laufe bis ich zu einem kleinen Café komme. Ein ganz reizender alter Spanier füllt mir meine Thermoskanne mit dampfendem Kaffee und gibt mir eine kleine silberne Kanne mit Tee mit auf den Weg. Ich muss ihm versprechen, dass ich sie zurückbringe. Stolz wie Oskar versuche ich Tee und Kaffee heil zum Bus zu überführen, keine leichte Sache, und ich finde ich habe eine Medaille für meinen besonderen Einsatz verdient.

Die nächsten Stunden verbringen wir bei strahlendem Sonnenschein in den Dünen, zum Arbeiten versteht sich! Langsam erwachen die Touristen von Playa del Inglés und werden auf uns aufmerksam. Es ist ja allgemein bekannt, dass der gemeine Massentourist keinerlei Schamgefühl besitzt... Aber so dreist muss man doch erstmal sein, dass man sich mit seiner Videokamera an den Rand eines Fototeams stellt, um ganz plump das arme Bademodenmodel zu filmen - obwohl die eigene Frau genau neben einem steht. "Hoho, da hat man doch gleich wieder 'ne kleine Anekdote für zuhause zu erzählen": grunzt uns begeistert einer der Spanner zu, als wir ihn höflich auffordern, das Filmen doch bitte zu unterlassen.

Am Nachmittag fotografieren wir einen Teil des Luxusthemas, alles läuft gut und wir bekommen das Ok am nächsten Tag in dem kleinen spanischen Hotel zu fotografieren.

In der Nacht werden wir ausnahmsweise mal vom Lärm verschont, auch der Gran Canarier scheint zwischendurch mal eine Mütze voll Schlaf zu brauchen.

Just ask Paco!

Am nächsten Morgen geht es wieder früh los. Zunächst an unserem alten Standort. Mittags fahren wir in das besagte kleine Hotel. Unser Model hat nach zwei Tagen Bademodenshooting jegliche Scham abgelegt und läuft inzwischen, lediglich mit einem poobedeckenden Hängerchen und einem Slip bekleidet, durch die belebten Straßen von Las Palmas. Sehr zur Freude von Hotelbesitzerbruder Paco, dessen anfängliche Zweifel und Englischprobleme sich prompt in Luft auflösen. If you need anything, spricht er zu uns, just ask my brother Vladimir! If YOU need anything, dabei zeigt er auf das Model und schaut ihr ganz tief in Augen, just ask Paco!

Das Zimmer, das wir uns ausgesucht haben, ist unglaublich romantisch, mit Holzdielen, 4 Meter hohen Decken, einer Flügeltür die auf den mit Blumen geschmückten Balkon direkt über einem kleinen Platz führt. Die Möbel sehen antik aus, aus dunklem Holz. Es gibt ein großes Bett, Nachttische und einen Waschtisch und in jeder Ecke hängen Heiligenbilder in Goldrahmen. Über dem Bett baumelt ein Kristalllüster. Genauso habe ich mir immer das Zimmer einer südländischen Schönheit, erzkatholisch aber ein bisschen versaut, vorgestellt.

Nach einem weiteren erfolgreichen Arbeitstag und einem leckeren Essen beim Japaner erwartet mich unter meinem Fenster die brasilianische Karnevalsnacht mit Trillerpfeifen und Trommeln. Als ich um zwölf auf meinem Bett sitze und, angeduselt von meinem neuen Lieblingsgetränk Sake, die Kleidung für den nächsten Tag bügele, kommt mir kurzzeitig der Gedanke wegen Ruhestörung die Polizei zu rufen. Ich verwerfe ihn jedoch bald wieder, setze meine Kopfhörer auf und lasse mich von John Sinclair in den Schlaf gruseln.

Und das gibt es beim nächsten Mal

Das war der erste Teil meines Reiseberichtes und bald erfahrt ihr, was wir sonst noch auf Gran Canaria erlebt haben und was eigentlich die Aufgaben einer Moderedakteurin und ihrer Assistenz bei so einer Fotoreise sind.

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