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Die schönste Sache der Welt


Sie macht Spaß, glücklich und ja: wir lieben sie! Mode ist einfach die schönste Sache der Welt. In unserer neuen Kolumne erklärt unsere Mode-Assistentin Annika die neuesten Trends, stöbert nach kuriosen Fundstücken und erzählt vom ganz normalen Redaktionswahnsinn. Diesmal: Shoppen mit Mutti -
Die schönste Sache der Welt
© Clipart

Es ist mein Geburtstagsmorgen, ich lasse die Augen noch ein wenig geschlossen und denke zwanzig Jahre zurück. Damals war so ein Geburtstagsmorgen noch ein richtiger Geburtstagsmorgen, man war schon Wochen vorher aufgeregt... und bekam Geschenke. Dann versuche ich mir meine Zukunft in zehn Jahren vorzustellen, oder auch in zwanzig, mit selbstgemalten Bildern und einem schönen dicken Klunker auf dem Frühstückstablett, das mir mein imaginärer Ehemann mit den Kindern ans Bett bringt.

Zurzeit ist wahrscheinlich die blödeste Geburtstagszeit im ganzen Leben. Kein Mann, keine Kinder, keine Eltern vor Ort. An diesem Tag im Jahr macht mich meine geliebte Unabhängigkeit ein klein wenig selbstmitleidig. Ein bisschen habe ich vorgesorgt: Von dem Geburtstagsgeld meiner Omi habe ich mir bereits im Vorfeld einen Kaschmirpulli gekauft und brav eingewickelt in Seidenpapier in seiner Tüte gelassen. Auch wenn' s schwer fiel.

Zum Achten gabs noch einen anständigen Geburtstags-Tisch
Zum Achten gabs noch einen anständigen Geburtstags-Tisch

Kurze Zeit habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt ihn mir selber in Geschenkpapier einzupacken und mir einen Blumenstrauß zu kaufen, mir vor dem Zubettgehen ein Frühstückstablett mit Blumen, dem Geschenk und meinem Geburtstagskuchen, der schon seit einer halben Woche in meinem Kühlschrank steht, vorzubereiten und mir von meinem Mitbewohner zu wünschen, dass er damit nach dem Weckerklingeln in mein Schlafzimmer kommt und 'Happy Birthday' singt. Dieser unromantische Plan scheiterte einzig und allein an meiner eigenen Faulheit. Also darf ich mich eigentlich auch nicht beschweren.

Von meiner Familie habe ich mir verschiedene Handwerksdienste in meiner Wohnung gewünscht, doch meine Mutter möchte mir gerne noch etwas Handfestes schenken. Deshalb haben wir uns für die folgende Woche zum Shoppingwochenende in Hamburg verabredet.

Statt mehr Kerzen, gabs bei mir mit zunehmendem Alter weniger. Mit 17 war ich bei einer angelangt, da hätte ich mir eigentlich schon denken können, dass es mit 27 nicht mal mehr die Blumen gibt!
Statt mehr Kerzen, gabs bei mir mit zunehmendem Alter weniger. Mit 17 war ich bei einer angelangt, da hätte ich mir eigentlich schon denken können, dass es mit 27 nicht mal mehr die Blumen gibt!

Ich habe die Jahre nicht gezählt, die seit unserem letzten gemeinsamen Einkaufsbummel ins Land gegangen sind. Doch ich erinnere mich, dass ich keine gute 'Kampf auf Krampf-Shopperin' bin. Das heißt übersetzt, dass ich einen Blackout bekomme, wenn ich mir innerhalb kurzer Zeit auf fremder Leute Kosten etwas Schönes aussuchen soll. Ich suche und suche nach dem perfekten Teil, und ehe ich mich versehe, schließen die Geschäfte und ich gehe leer aus. Hinterher ärger ich mich dann über meine verpassten Chancen.

Beispiel: Meine Mutter und ich gehen in ein Bettwäschegeschäft. Sie lädt mich auf ein wunderschönes Set im Wert von 150 Euro ein. Doch anstatt zuzugreifen, lehne ich dankend ab - mit der Begründung, dass sich so edle Bettwäsche bei mir nicht lohnt, da ich keine Lust habe sie zu bügeln! Ich denke mir, das Geld investiere ich besser in etwas, das ich wirklich gebrauchen kann. Zum Beispiel eine Lederhandtasche. Doch natürlich finde ich keine einzige Handtasche, die mir gefällt und auch alle Pullis, Röcke und Hosen sind irgendwie nicht das Richtige. Bei der teuren Sonnenbrille mache ich im letzten Moment einen Rückzieher. Denn wenn man so eine teure Sonnenbrille verliert, ist es einfach viel zu ärgerlich. Und die Bikerstiefel von Comptoire des Cottonniers, mit denen ich schon seit langem geliebäugelt habe, gibt es natürlich nicht mehr in meiner Größe.

Meine Maßnahmen: Ich werde mir nun immer nachträglich - wenn ich dann  endlich alle Geschenke beisammen habe - meinen eigenen Gabentisch  decken. Leider war in dieses Jahr der Kuchen zu diesem Zeitpunkt schon aufgegessen.
Meine Maßnahmen: Ich werde mir nun immer nachträglich - wenn ich dann endlich alle Geschenke beisammen habe - meinen eigenen Gabentisch decken. Leider war in dieses Jahr der Kuchen zu diesem Zeitpunkt schon aufgegessen.

Ich sehe meine Felle mal wieder davon schwimmen. Dabei hatte ich eigentlich einen so guten Plan: Nämlich jedes Teil, das mir auch nur annähernd gefällt, zurücklegen zu lassen oder direkt zu kaufen. Hinterher wollte ich einfach nur das Tollste behalten und alles andere wieder zurück zu bringen - oder gar nicht erst abzuholen. Doch so weit komme ich gar nicht erst, denn mir gefällt einfach nichts!

Nächster Punkt: Meine Mutter und ich sind kein konstruktives Shoppingteam. Unsere Geschmäcker liegen seit einigen Jahren meilenweit auseinander, weshalb wir uns gegenseitig verunsichern. Ich weiß nicht genau, in welchen Klamotten sie mich gerne sehen würde. Dafür weiß ich, dass sie sich fragt, wie ich an einen Job in der Modebranche geraten bin, was die Locken in meiner Frisur zu suchen haben, warum man freiwillig auf blonde Strähnchen verzichtet, und wie man sich so blass auf die Straße trauen kann. Umgekehrt liegt es außerhalb meines Vorstellungsbereiches, wie man so viel Geld für so viele gleiche Pullover und Blusen ausgeben kann, wenn man dafür die tollsten, extravagantesten Stücke erstehen könnte!

Das Geburtstags-Outfit: Pulli von Omi, Hose von Mami.
Das Geburtstags-Outfit: Pulli von Omi, Hose von Mami.

Nach geschlagenen acht Stunden Hardcoreshopping im Hamburger Nieselregen finden wir schließlich doch unser Happyend in Form eines Strenesse-Kleides für meine Mutter und einer Geburtstags-Marlenehose von Stefanel für Lucky-me! Und letztendlich können wir uns sogar gegenseitig unsere ehrlichen Komplimente aussprechen!

Mein Fazit: Ich freunde mich langsam mit dem Gedanken an, dass meine Mama und ich uns geschmacksmäßig auseinander gelebt haben, gebe das Streben den Eltern zu gefallen endgültig auf, so wie man es schon in der fünften Klasse tun sollte, und sage: Shopping mit Mutti? Jederzeit gerne wieder!

Text und Bilder Annika Schmeding

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