Nachhaltig anziehen! 7 Fakten zu ökologischer Mode

Sweatshops gibt es nicht nur in Asien. Diese Fakten über die Produktion von Kleidung helfen, um richtig einzukaufen.

DIE SITUATION:

Bis in die 70er-Jahre gab es eine relativ stabile Bekleidungsindustrie in Deutschland, ab dann wurde die Produktion massiv in Billiglohnländer wie China, Indien oder Bangladesch ausgelagert. Dort wird oft unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert. Vor fünf Jahren stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ein, 1130 Textilarbeiter starben, mehr als 1500 wurden zum Teil schwer verletzt. Wirklich geändert hat sich seitdem nichts. Es sind vor allem die Bekleidungsunternehmen aus den reichen Industrienationen, die den Zulieferbetrieben mit extrem knappen Lieferfristen und niedrigen Abnahmepreisen das Leben schwer machen.

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Das Entwicklungsministerium initiierte zwar nach dem Bangladesch-Unglück das "Bündnis für nachhaltige Textilien" – ein Zusammenschluss unter anderem aus Industrie und Entwicklungsorganisationen, der sich für Verbesserungen in der Textilproduktion einsetzen soll –, doch davon haben die Betroffenen bisher nichts gemerkt. Die Krux: Alles ist freiwillig.

Zu den sozialen Problemen kommen ökologische. Baumwolle beispielsweise wird in Monokulturen angebaut, dabei werden massiv Pestizide eingesetzt und riesige Mengen Wasser verbraucht. Konventionell produzierte Baumwolle ist meistens gentechnisch verändert. Greenpeace kritisiert außerdem seit Jahren, dass unsere Kleidung voll mit umwelt- und gesundheitsgefährdenden Chemikalien ist, die in den Produktionsländern die Flüsse und das Trinkwasser vergiften.

WAS MUSS PASSIEREN?

Gute Nachrichten gibt es zumindest aufseiten der Verbraucher: Die Anzahl der bewussten Konsumenten nimmt zu, ebenso die Anzahl an Geschäften mit ethischer Kleidung. Aber: Es muss ganz klare gesetzliche Regelungen geben, welche Umwelt- und Sozialkriterien bei der Produktion von Kleidung erfüllt werden müssen, damit sie in Deutschland verkauft werden dürfen. Dies muss auch glaubwürdig kontrolliert werden. Die bisherigen Aktivitäten haben nichts gebracht, sogar im Gegenteil: "Trotz diverser Siegel und Sozialprogramme ist der Arbeitsdruck für die Näherinnen sogar noch stärker geworden", sagt Maik Pflaum, Referent für Entwicklungspolitik der Christlichen Initiative Romero und in der "Kampagne für Saubere Kleidung" aktiv. Umso mehr sollten wir als Konsumentinnen achtsam und wachsam sein.

1. Für einen Mindestlohn kämpfen

Auf www.ci-romero.de/ccc kannst du gezielt Petitionen unterstützen, die sich für die Rechte der Näherinnen in Billiglohnländern einsetzen. "Die Arbeiterinnen verdienen oft nur die Hälfte oder noch weniger von dem, was sie zum Leben brauchen", sagt Maik Pflaum von der "Kampagne für Saubere Kleidung".

2. Von "Made in Europe" nicht blenden lassen

Auch in Europa gibt es Sweatshops, also Fabriken, in denen Menschen zu Niedrigstlöhnen schuften. Betroffen sind vor allem Ungarn, Serbien oder die Ukraine. Nach einem Bericht der "Kampagne für Saubere Kleidung" verdienen Näherinnen in der Ukraine den Mindestlohn von 89 Euro im Monat, ein existenzsichernder Verdienst müsste fünfmal so hoch sein. "Made in Europe" auf dem Etikett bedeutet also nicht, dass alles gut ist. Besser: Bei den eigenen Lieblingsmarken über Mail oder die sozialen Medien nachfragen, wie in dem Unternehmen die Einhaltung der Arbeitsrechte sichergestellt wird.

3. Große Textilkonzerne verbrennen oder schreddern Neu–Kleidung. Aber: Es geht auch anders!

Ein Drittel der produzierten Kleidung wird nie verkauft oder getragen. Einige bekannte Marken haben aus Imagegründen wenig Interesse daran, ihre Produkte an Kleiderkammern zu geben oder in Billigläden zu verramschen. Aber was ist die Lösung? Im Geschäft nachfragen, was mit unverkaufter Kleidung gemacht wird. Außerdem: echte Recyclingkreisläufe aufbauen. Statt Putzlappen oder Dämmmaterial sollte aus dem T-Shirt auch wieder ein neues T-Shirt werden. Im kostenlosen "Fair Fashion Guide" gibt es viele Inspirationen rund um nachhaltige Mode: www.femnet-ev.de/fairfashionguide.

4. Alte Klamotten nicht einfach in den Container werfen

Es gibt deutlich mehr Altkleider, als soziale Einrichtungen hierzulande benötigen. Laut Fairwertung, einem Zusammenschluss gemeinnütziger Altkleidersammler, spenden wir jedes Jahr eine Million Tonnen. Das Problem: Es gibt "gute Container", bei denen die Erlöse sozialen Zwecken zugutekommen; viele sind aber auch illegal aufgestellt und werden rein kommerziell genutzt. Wer sichergehen will, gibt die Kleidung im Sozialkaufhaus oder in der Kleiderkammer ab.

5. Nicht auf Greenwashing reinfallen

Sowohl beim staatlich initiierten "Bündnis für nachhaltige Textilien" als auch bei der Detox-Kampagne von Greenpeace finden sich auch die Unternehmen, deren billige Wegwerfmode mit für die Missstände in der Textilindustrie verantwortlich gemacht wird. Ob ein Kleidungsstück wirklich fair und ökologisch produziert wurde, zeigen verlässliche Siegel wie IVN Best, Fear Wear Foundation oder GOTS (Globale Organic Textile Standard). Mehr Infos zu den Siegeln im "Weg weiser durch das Label-Labyrinth" (2 Euro, bei www.ci-romero.de).

6. Fair shoppen – aber richtig

Umwelt- und sozialverträgliche Kleidung findet man nicht beim Bummel durch die Fußgängerzone. Ökomode ist noch immer eine Nische, ihr Marktanteil wird auf weniger als ein Prozent geschätzt. Selbst das vergleichsweise weitverbreitete GOTS-Label ziert gerade mal fünf von 10.000 Kleidungsstücken. Kirsten Brodde, Textilexpertin bei Greenpeace, rät, in einen grünen Concept-Store zu gehen. "Dort haben die Inhaber recherchiert, welche Marken wirklich fair produzieren, und wir können bedenkenlos alles vom Bügel nehmen." Alternativen sind grüne Online-Shops wie DearGoods.com, Glore.de, Grundstoff.net oder Gruenewiese-shop.de.

7. Mit Upcycling starten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Nutzungsphase von Kleidung zu verlängern: erstens Kleidertauschpartys oder Secondhand-Events wie Vinokilo, bei denen man Vintage-Stücke zum Kilopreis kaufen kann. Zweitens Upcycling, das aus alter Kleidung neue entstehen lässt. Ideen liefern Upcycling-Workshops, Nähkurse (z. B. sekundär-schick.de/angebote  oder imkeklattenhoff.de/naehkurse), Maker-Faire-Messen (maker-faire.de) oder von Designerinnen betriebene Veränderungsateliers wie "Bis es mir vom Leibe fällt" in Berlin oder das "Nähwerk" in Braunschweig. Es geht sogar ohne Nähkenntnisse, wie Martina Glomb, ehemalige Chefdesignerin bei Vivienne Westwood und Leiterin des Studiengangs Modedesign an der Hochschule Hannover, sagt. Denn: Upcycling fängt beim Reparieren an. Ihre Tipps: aus einem langärmeligen Shirt mit kaputten Ärmeln ein T-Shirt schneiden oder das Loch in der Jeans mit buntem Garn umhäkeln.

Gut zu wissen: 

60 neue Kleidungsstücke kauft jeder von uns im Durchschnitt pro Jahr – und trägt sie insgesamt viermal

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BRIGITTE-Spezial 2/2018

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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