Ökomode: Grüner wird's nicht!

Gut designte Ökomode wandelt sich vom Nischenprodukt einer kleinen Trendgemeinde zum Verkaufschlager für alle. BYM-Autorin Anne Petersen erklärt, worauf ihr beim Kauf achten müsst und stellt die besten Ökolabels vor.

Seit Jahren hat die Textilbranche keinen so großen Trend mehr erlebt wie die plötzlich entbrannte Liebe der Konsumenten zur Ökomode. Im kleineren Kreis der besonders Modebewussten galt nachhaltige Mode schon länger als schick. Seit sogar Ketten wie H&M oder C&A Biobaumwolle anbieten, kann jeder Umweltschutz und Shopping verbinden.

Kleiner Haken: Ein einheitliches Qualitätssiegel für faire und ökologische Kleidung gibt es bislang noch nicht. Für Heike Scheuer vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) ist das ein Problem. Sie freut sich über den zunehmenden Einsatz von Bio-Baumwolle, bei deren Herstellung auf Pestizideinsatz und synthetische Düngung verzichtet wird.

Doch entscheidend für die Umwelt und für die Hautverträglichkeit ist der anschließende Verarbeitungsprozess und der ist meist nach wie vor konventionell. Wer also wirklich ökologisch korrekt shoppen will, der achtet auf die Siegel: Der IVN vergibt die beiden anspruchsvollsten Qualitätszeichen: "Naturtextil-IVN zertifiziert" und "Naturtextil-IVN zertifiziert BEST". Inhalt: Nur Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau, unbedenkliche Farbstoffe, keine chemischen Ausrüstungen und Nachweis sozialer Standards wie Verbot von Kinderarbeit. Seit 2005 gibt es auch ein internationales Siegel, den "Global Organic Textile Standard", der den IVN-Zeichen sehr nahe kommt. (Infos unter >>www.naturtextil.com, >>www.global-standard.org, >>www.label-online.de).

Ganz mühelos wird man also nicht vom Fashionvictim zum Umweltengel. Trotzdem: Auch mit dem Kauf eines einfachen Shirts aus Biobaumwolle ist schon viel getan. Nur stete Nachfrage sorgt langfristig für die Steigerung der Produktionskapazitäten. Denn bisher liegt der Anteil von Bio-Baumwolle auf den Weltmarkt bei nur 0,1 Prozent. Das kann man ändern. Und dabei noch gut aussehen.

Hess Natur

Absolutes Traumpaar der Ökomode sind zurzeit der spanische Designer Miguel Adrover und das deutsche Naturmodeunternehmen Hess Natur. In New York bekannt geworden durch Recycling-Experimente wie die Umwidmung von Louis-Vuitton-Taschen zu Miniröcken, zeigt Androver in diesem Sommer seine erste Kollektion für das 1976 gegründete Naturmode-Unternehmen aus dem hessischen Butzbach (kann ab Juli bestellt werden, hier gibt es eine Vorschau auf die >>Miguel-Adrover-Kollektion)

Für Adrover, der für das deutsche Ökolabel sogar ein Angebot als Chefdesigner von Tommy Hilfiger ausschlug, wird damit "ein Traum wahr", wie er sagt: "Hier kann ich mit klarem Gewissen arbeiten". Stimmt: Hess Natur ist absoluter Marktführer für Naturtextilien. Kein anderer Anbieter erfüllt die Ökostandards so gut wie der ehemalige Versandhändler, der sich mit dem neuen Designer an Bord und einer Reihe nagelneuer Flagshipstores (zum Beispiel in Hamburg und München) zum Lifestyle-Label für Lohas (Lifestyle of Health and Sustainabilty) mausert.

www.hess-natur.com

Katharine Hamnett

"Save the future" oder "Make Trade Fair" - solche Botschaften druckt die Kultdesignerin Katherine Hamnett schon seit mehr als zwanzig Jahren auf T-Shirts. Auf ihrer Homepage gibt es bis heute eine Extra-Rubrik für Kampagnen, in denen sich die Designerin zum Beispiel gegen Atomstrom ausspricht oder anprangert, dass keine Industrie der Welt soviel Wasser verschwendet wie die Textilindustrie.

Dass ihr Engagement mehr ist als ein bloßes Marketinginstrument sieht man an den vielen konkreten Handlungsanweisungen, die Hamnett gibt. "Nutzt Eure Macht als Konsumenten", schreibt sie. "Kauft nichts aus Ländern mit schlechten Menschenrechtstandards." Und: "Kauft Bio-Baumwolle, wo immer ihr sie bekommen könnt!" Zum Beispiel in ihrem Internet-Shop:

>>www.katharinehamnett.com

Ciel

Die Britin Sarah Ratty legt großen Wert auf ökologische Materialien und fairen Handel und so geht es wohl auch ihren prominenten Kundinnen, unter denen etwa Sienna Miller oder Cate Blanchet sind.

"Ich mache Mode für hippe, stylishe und modebewusste Menschen", sagt die Designerin. "Für Leute, die bewusst leben wollen, aber trotzdem nicht ihren Stil für den Inhalt opfern wollen." Klingt doch gut, oder?

>>www.ciel.ltd.uk

American Apparel

Der dünne Baumwollschal, den es in 30 Farben gibt, gilt als Erkennungszeichen aller hippen Neo-Ökos. Er kostet 15 Euro und wird statt in asiatischen Sweatshops politisch korrekt in Downtown-L.A. produziert. Der exzentrische Firmengründer Dov Charney (der schon mal mit nacktem Hintern für die eigene Firma wirbt) hat mit seiner "fair fashion" den Nerv der Zeit getroffen, auch wenn nicht alle der für die Marke typischen bunten T-Shirts aus Bio-Baumwolle sind.

Jetzt expandiert Charney im großen Stil nach Europa. "Keiner mag Sklaverei und Ausbeutung", sagt er und zahlt seinen Mitarbeitern das Doppelte vom landesweiten Mindestlohn.

>>www.americanapparel.net

Noir

"Sexy und sozial" soll die Mode von "Noir" sein. Wie das aussieht? Viel Schwarz, viele Leder, und viel Haut. Label-Gründer Peter Ingwersen arbeitete bei konventionellen Modefirmen wie Levi's oder der dänischen Marke Day, bevor er 2005 "Noir" gründete und sich als erster mit Ökomode im großen Stil auf den Laufsteg traute.

Er verwendet ausschließlich ökologische Baumwolle, die er in Uganda ohne Pestizide und zu fairen Preisen anbauen lässt. Ein Teil des Gewinnes fließt in die medizinische Versorgung und Ausbildung der Bauern vor Ort.

>>www.noir-illuminati2.com

Armedangels

Die Kölner Firma, die in erster Linie auf T-Shirts spezialisiert ist, gibt es erst seit zwei Jahren. In Sachen Ökomode ist sie aber schnell ein ganz heißer Tipp geworden. Die Bio-Baumwolle, die verarbeitet wird, ist Fairtrade zertifiziert, das heißt, die Produzenten werden angemessen bezahlt und auf soziale Arbeitsbedingungen wird geachtet.

Von jedem verkauften Stück spenden die beiden Gründer Anton Jurina und Martin Höfeler einen Anteil an ein indisches Hilfsprojekt und sind so auf dem besten Wege mit ihrem Label das deutsche American Apparel zu werden.

www.armedangels.de

Stewart and Brown

Das amerikanische Ehepaar Karen Stewart und Howard Brown gründeten das Label 2002 mit der Idee, Mode für umweltbewusste Kunden jenseits der Müslifraktion zu machen.

Entstanden ist so eine sehr modische Linie mit einem romantischen Einschlag. Besonders schön ist der Strick aus Kaschmir. Dafür wird ausschließlich Wolle aus der Mongolei verwendet - so sichert das Label das Auskommen der mongolischen Nomaden und den Erhalt einer langen Tradition.

>>www.stewartbrown.com

Kuyichi

Kuyichi-Jeans sind mittlerweile ein ähnliches Statussymbol wie der I-Pod und viele Leute wissen gar nicht, dass sich hinter dem Namen das wohl bekannteste ökologische Jeanslabel verbirgt.

Die absolut modisch geschnittenen Jeans werden schon seit 2001 in Holland aus Bio-Baumwolle gefertigt und fair produziert. Damals ging es darum, zu beweisen, dass man mit Fair Trade Geld verdienen kann. Heute gibt das Label sein Wissen schon an jüngere Labels weiter.

>> www.kuyichi.com

Edun

Umweltbewusstsein gilt unter Prominenten schon lange als schick und manche Leute gehen einem dabei manchmal auch ein bisschen auf den Geist. Dazu gehört auch U2-Sänger Bono.

Das Ökomode-Label Edun (rückwärts nude=nackt) allerdings, das er zusammen mit seiner Frau Ali Hewson und dem New Yorker Designer Rogan Gregory gegründet hat, hat durchaus eine Daseinberechtigung. Nicht nur, weil die gesamte Kollektion aus organischen Stoffen geschneidert wird, sondern auch, weil die schmalen Jeans und sexy geschnittenen Seidenkleider einfach gut aussehen - und darum auch in den Nobelboutiquen der Welt verkauft werden, etwas bei "Harvey Nichols" in L.A.

>>www.edunonline.com

Caro E.

Die einfachste Lösung, sich umweltfreundlich zu kleiden, liegt sehr nah: Möglichst viel selbst machen und nicht jede Saison seinen gesamten Kleiderschrank auswechseln. Wie man diese Prinzipien mit einem Label umsetzten kann, zeigt Caro Graening aus Berlin.

Für ihre Kollektion "Caro E." verwendet die junge Strick-Designerin nur pflanzengefärbte oder naturbelassene Garne wie Merino, Seide, Kaschmir oder Alpaka. Alle Teile, von der kuschelig dicken Zopfmuster-Strickjacke bis zum eleganten Seidenhäkelkleid, werden in Deutschland handgestrickt und sind so klassisch und hochwertig, das sie einen mit Sicherheit einen langen Lebensabschnitt begleiten. Der charmante und liebevolle Designstil der 34-jährigen zweifachen Mutter ist genau richtig für alle Frauen, die individuelle Einzelteile lieben, sich aber nicht gern von Trends stressen lassen. Der perfekte Mix aus skandinavischer Retro-Romantik á la Carl Larsson und einem sehr erwachsenen, an die 70er Jahre angelehnten Ladylook, mit dem auch das angesagte Öko-Kosmetiklabel Dr. Hauschka seine Katalogshootings ausstattet.

>>www.caro-e.de

Otto Pure wear

Neben "Hess Natur" ist der Otto-Konzern Vorreiter in Sachen Naturtextilien in Deutschland, auch wenn sich für die schon 2003 eingeführte Öko-Linie "Pure Wear" am Anfang kein Kunde interessiert hat.

Der Konzern machte trotzdem weiter und startete im vergangenen Jahr noch das Projekt "Cotton made in Africa". Durch Schulungen vor Ort lernen die Bauern in Sambia, Benin und Burkina Faso neuen umweltschonende Anbaumethoden.

Erklärtes Ziel des Hamburger Versandhauses ist es, nachhaltig produzierter Baumwolle aus Afrika langfristig bessere Absatzchancen auf dem europäsichen Markt zu sichern und mehr Konsumenten dazu zu bewegen, durch bewussten Konsum Einfluss zu nehmen.

>>www.otto.com

Bilder Cultura/Plainpicture (1), PR
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