Ohne Models: BRIGITTE-Bookerin Silvia Hoffmann im Interview

Ohne Models: Wie ist es eigentlich, nicht mehr mit Profi-Models zusammen zu arbeiten? Silvia Hoffmann, Bookerin bei BRIGITTE, erzählt im Interview über die neuen Herausforderungen in ihrem Job, mit Leserinnen Fotostrecken zu produzieren Hier finden Sie alle "Ohne Models"-Inhalte im Überblick

BRIGITTE.de: Die Entscheidung der BRIGITTE, Modestrecken ohne Models zu produzieren, hat ja gewisse Auswirkung auf Ihre Arbeit. Wie groß ist für Sie die Umstellung, auf Models zu verzichten?

Silvia Hoffmann: Für mich bedeutet das natürlich ein ganz anderes Arbeitsumfeld. Wir arbeiten jetzt weniger international und müssen auch auf das Agenturennetz verzichten. Früher hatten wir weltweit im Blick, welche Models am besten in die BRIGITTE passen und wir wussten, zu welchen Agenturen diese Models gehören. Ob sie uns zeitlich überhaupt zur Verfügung stehen oder aus welchem Land sie kommen, all diese Informationen waren uns bekannt.

BRIGITTE.de: Sie haben tagtäglich mit perfekten Gesichtern und Körpern zu tun gehabt. Wie sieht Ihre Arbeit jetzt aus?

Silvia Hoffmann: Das ist schon eine andere Arbeit. Ich kann aber sagen, dass sich bei uns unheimlich schöne Frauen bewerben, die auch tolle Berufe haben. Wir haben weniger Frauen Anfang 20 im Heft, sondern arbeiten jetzt oftmals mit etwas älteren Frauen zusammen, die voll im Leben stehen und dementsprechend Persönlichkeit haben. Überrascht bin ich von der Spontaneität unserer Bewerberinnen. Kürzlich ist eine Bewerberin krank geworden und wir brauchten jemanden, der kurzfristig für sie einspringen und nach Fuerteventura fliegen konnte. Ihr "Ersatz" musste nur schnell einen Babysitter organisieren und konnte am nächsten Tag fliegen.

BRIGITTE.de: Wie können die Leserinnen sich für eine Fotoproduktion anmelden?

Silvia Hoffmann: Auf BRIGITTE.de gibt es die Möglichkeit, sich online anzumelden. Wir bitten darum, dass zwei Fotos hochgeladen werden, jeweils ein Portrait- und ein Ganzkörperfoto. Bevor wir buchen, fragen wir dann noch gerne nach aktuellen Schnappschüsse der Kandidatinnen. Am Anfang, als wir noch keine Datenbank hatten, haben wir auch Freunde, Bekannte und Leute auf der Straße angesprochen, wie zum Beispiel eine hübsche Kellnerin, die uns aufgefallen ist.

BRIGITTE.de: Werden die Frauen direkt gebucht oder kommt es dann noch zu einem Probeshooting?

Silvia Hoffmann: Nein. Wir buchen einzig und alleine auf Grund des Fotomaterials. Wenn Frauen aus Hamburg sich anmelden, lernen wir sie ganz gerne vor einer Produktion mal kennen, aber die Möglichkeit gibt es natürlich nicht bei allen Frauen.

BRIGITTE.de: Wie viele Anmeldungen gehen tagtäglich bei der BRIGITTE ein?

Silvia Hoffmann: Es sind so um die hundert, hundertzwanzig Frauen, die unser Online-Formular ausfüllen.

BRIGITTE.de: Wie gehen Sie mit der Flut an Anmeldungen um und nach welchen Kriterien wird ausgesucht, in welche Ausgabe der BRIGITTE eine Leserin kommt?

Silvia Hoffmann: Wir sichten das ganze Material sehr sorgfältig und achten dabei in erster Linie darauf, wie fotogen eine Leserin ist. Wir gehen auch immer nach ganz bestimmten Suchkriterien vor. Für manche Shootings brauchen wir beispielsweise Leserinnen mit Kurzhaarfrisuren, für BRIGITTE Woman ausschließlich Frauen, die über vierzig Jahre alt sind.

BRIGITTE.de: Angesichts der Modestrecke im neuen Heft, die auf Kuba produziert wurde, fragen sich wahrscheinlich viele Leserinnen, wie Sie zu diesen Frauen kommen. Sie werden sich ja wahrscheinlich nicht auf BRIGITTE.de angemeldet haben?

Silvia Hoffmann: Nein. In Kuba haben wir mit einer Produktionsfirma zusammengearbeitet, die für uns Frauen gesucht und eine Vorauswahl getroffen hat. Wir haben diese Fotos geschickt bekommen und in der Redaktion eine Auswahl getroffen. Aber dann kann es natürlich auch vorkommen, dass der Fotograf ganz spontan eine Frau auf der Straße entdeckt, die er gerne auch noch im Team mit dabei hätte.

BRIGITTE.de: Ist es denn einfacher, ohne Models zu arbeiten?

Silvia Hoffmann: Nein, es ist nicht einfacher. Sicherlich auch nicht für die Produzenten und Fotografen, die üblicherweise mit Models arbeiten. Die Frauen sind es nicht unbedingt gewohnt, vor der Kamera zu agieren. Profimodels haben sich Posen und eine gewisse Mimik antrainiert, die sie in den meisten Fällen beherrschen und auf die man sich verlassen kann. Aber natürlich ist es so, dass die Frauen, die sich bei uns anmelden, uns oftmals etwas geben, was einem nicht jedes Profimodel gibt. Sie haben Spaß und freuen sich über das Ergebnis.

BRIGITTE.de: Macht es Ihnen auch mehr Spaß, mit Leserinnen zu arbeiten?

Silvia Hoffmann: Beides macht Spaß. Natürlich war das internationale Modelbusiness auch spannend, aber der Umgang und der Kontakt mit den Leserinnen macht mir auch sehr viel Freude.

BRIGITTE.de: Wie sind denn die Reaktionen aus der Profi-Model-Welt auf die Aktion "Ohne Models"?

Silvia Hoffmann: Überraschenderweise bekomme ich von den Modelagenturen ein positives Feedback. Sie finden die Modestrecken in den neuen Heften auch toll. Natürlich waren alle zuerst sehr skeptisch und beäugen uns immer noch kritisch, da sie auch wissen, dass es unter diesen Bedingungen sehr schwierig ist, Modestrecken zu produzieren. Viele hatten sich auch ein anderes Ergebnis vorgestellt, an die üblichen Vorher-Nachher-Produktionen gedacht und sind positiv überrascht, was wir für tolle Frauen im Heft haben.

BRIGITTE.de: Glauben Sie, dass die Idee, ohne Models zu produzieren, jetzt auch in anderen Magazinen Anklang findet und die Idee Zukunft haben wird?

Silvia Hoffmann: Ja, auf jeden Fall. Man kann das auch schon bei anderen Magazinen beobachten. Auch wenn nicht ausschließlich ohne Profi-Models gearbeitet wird, gibt es doch hin und wieder Strecken mit normalen Frauen. Es ist einfach spannend für die Leserin, etwas über die Persönlichkeit der Frauen zu erfahren und um sich besser mit ihr identifizieren zu können. Ja, ich glaube, ohne Models zu arbeiten, ist ein Trend in der Modewelt.

Interview: Anja Rohwer
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