Caro Emerald: A Night like This

Caro Emerald, Sängerin des Ohrwurms "A Night like this", hat einfach Stil - musikalisch und bei ihren Bühnen-Looks.

Das Hotel "The Toren" gefällt ihr sofort. In einem dieser typischen schmalen Bürgerhäuser an den Grachten der Amsterdamer Innenstadt ist sie aufgewachsen. Das Ambiente - die Perfektion in Glitzer und Plüsch - passt auf den ersten Blick so gar nicht zu ihrem schwarzen Jeanslook. Dafür um so besser zu der Caro Emerald, die sie wird, sobald die Musik einsetzt, zu ihren Auftritten und zu ihren Bühnenkostümen, in denen sie hier fotografiert werden soll. Und wer ist nun diese Caro Emerald wirklich? Wenn man zusammensucht, was in der deutschen Presse über sie erschienen ist, findet man gerade neun Artikel. Dabei wurde das Debütalbum der 30-Jährigen in ganz Europa hunderttausendfach verkauft, und jede Single-Auskopplung landete in den Top-Ten. In Holland stand "Deleted Scenes From The Cutting Room Floor" (Universal) mit 30 Wochen sogar länger an der Spitze als der bisherige Rekordhalter, Michael Jacksons "Thriller". Und das, obwohl ihre Musikmischung aus lateinamerikanischen Rhythmen, Swing und jazzigen Gesangsmelodien eigentlich so gar nicht dem zeitgenössischen Pop-Mainstream entspricht. Trotzdem kommt sie in allen Altersgruppen und Szenen ähnlich gut an. "Das hat mich auch überrascht", gibt sie zu. "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass meine Fans so unterschiedlich sein würden."

Cocktail-Hour. Spitzenbolero und Bustiertop: Maki Ito. Handtasche von Re-lize.

Anfangs kamen noch überwiegend ältere Jazzfans in ihre Konzerte, plötzlich waren Kinder im Publikum, dann Leute in ihrem Alter und sogar die ganz harten Jungs mit Bärten und Tattoos. "Irgendwo steht immer einer in der ersten Reihe und brüllt 'Caro, Caro' - so jemanden hätte ich nie mit meiner Musik in Verbindung gebracht." Ungewöhnlich ist es ja schon, dass eine junge Frau sich heute so sehr mit der Musik der 40er und 50er Jahre identifiziert - und Auftritte mit großer Jazzband und noch glamouröseren Abendroben zelebriert. Die besorgt ihr ihre Freundin Renske Cramer, eine Stylistin, in speziellen Boutiquen für Abendmode oder lässt sie, wie das lange grüne Kleid unten, auch schon mal für die Bühne anfertigen.

Green Gala. Langes Satinkleid mit Schleppe: Denis Diem. Schuhe: Marina Rinaldi.

Dort zog es Caroline Esmeralda van der Leeuw schon als Kind hin. "Ich stamme aus einer sehr musikalischen Familie, in der jeder ein Instrument spielt und Lieder grundsätzlich mehrstimmig gesungen werden", erzählt sie, "für mich war das nichts Besonderes. Ich war Sängerin, bevor ich meine eigentliche Liebe zur Musik entdeckte." Caro spielte nicht mit Puppen, sie spielte Sängerin. Oft verwandelte sie sich in Madonna und Michael Jackson oder wurde mit ihrer Schwester zu Agnetha und Anni-Frid von Abba. Als sie elf war, wurde in ihrer Schule ein Casting für eine Gesangsrolle veranstaltet. Caro bewarb sich mit dem Jazzklassiker "Dream a little dream of me", bekam die Rolle - und eine Berufsberatung mit auf den Weg: Sie müsse später unbedingt aufs Konservatorium gehen und Jazzsängerin werden, empfahl der Musiklehrer. "Ich wusste zwar weder, was ein Konservatorium, noch, was Jazz ist, aber professionelle Sängerin zu werden - das klang für mich unheimlich gut." Schon mit 17 verdiente sie ihr erstes Geld als Sängerin in einer Band. Caro lacht. "Wir spielten für 25 Gulden Gage, das wären heute 12,50 Euro, aber das war uns egal. Ich liebte es einfach zu singen, das war für mich alles."

Glamour Girl. Trägerkleid mit Spitzenbesatz und Bolerojäckchen aus Lurex: Trelise Cooper. Ohrringe: Re-lize.

Am Konservatorium probierte sie dann Soul, Blues, Pop, R'n'B und Jazz und verliebte sich in die Musik von Louis Armstrong und den Gesang von Ella Fitzgerald. "Aber am liebsten wollte ich alle Richtungen miteinander mischen." Dazu kam es nach ihrem Abschluss auf dem Konservatorium. Caro arbeitete als Studiosängerin, trat mit einem Jazz-Programm in Clubs auf und wurde gebucht, um einen Song für eine japanische Band als Demo zu singen. Das Resultat gefiel Caro so gut, dass sie es in ihr Programm nahm und für Youtube ein No-Budget-Video dazu drehte. Auch die Produzenten waren überrascht, was Caro mit ihrer Musik machte. Sie verkauften "Back it up" nicht nach Japan - sondern veröffentlichten es schließlich mit ihr. "So eine Sorte Musik gab es in Holland nicht, diese Nische wollten wir für uns." Caro möchte das aber nicht marktstrategisch verstanden wissen, sondern weil sie so gut zu ihr passt. Wer verkörpert besser den Stil und die Eleganz der 50er Jahre mit ihren glamourösen Filmen, der swingenden Musik und der Sinnlichkeit, die weibliche Stars damals noch ausstrahlten, als Caro Emerald? "Ich liebe auch Lady Gaga. Aber ich lebe einen anderen Stil - meinen."

Royal Blue. Top und Rock mit Spitzenstickerei: Marloes Blaas. Puschel poncho: Poncho Bikini. Ohrring: Re-lize.

Also komponierten sie elf weitere jazzige Stücke mit charmanten Melodien und ironischen Texten. Manche klingen wie Mambos aus dem Hollywood der Fifties, andere wie moderner TripHop von Bands wie Portishead, einige erinnern an frühe James-Bond-Filme. "Einen Titelsong für den nächsten ,007' zu schreiben - das wäre wirklich mal cool", findet Caro und lacht. Auch über sich selbst und ihre rasante Karriere. Gerade erst ist ihre neue Single "Stuck" erschienen. Obwohl sie ihr Leben lang gefühlt eine Sängerin ist, kommen ihr die letzten eineinhalb Jahre wie eine einzige rauschende Nacht vor. Die Zeilen "I have never dreamed it. Have you ever dreamed a night like this?" sind schuld an ihrem Glück. "Dabei hatte ich echt schlechte Laune, als wir es aufnahmen. Vielleicht ist es deswegen so gut geworden." Sie singt es aber auch gern gut gelaunt - Ende Oktober kommt sie damit zu uns auf Tour.

Fotos: André Heeger Text: Jan Gritz BRIGITTE BIG
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