Die Kurvenfachfrau: Anna Scholz

Üppige Frauen können alles tragen, findet Anna Scholz. Die deutsche Modedesignerin schneidert in London sexy Kleider für Big Girls. Weil sie es leid war, nirgends schöne Mode in ihrer Größe zu finden.

Die Designerin Anna Scholz

BRIGITTE BIG: Mode und Dicke - ein schwieriges Paar?

Anna Scholz: Für mich nicht. Warum sollen Frauen nicht an Mode interessiert sein, nur weil sie große Größen tragen? Wir erzählen auf Facebook und in unseren Blogs oft Geschichten von kurvigen Frauen aus der ganzen Welt, die ihr Leben nicht von ihrer Größe bestimmen lassen und die Mode voll genießen.

BRIGITTE BIG: Warum haben dann viele Designer keine Lust, ihre Modelle auch in Big anzubieten?

Anna Scholz: Es ist mühsam und teuer, die Schnitte für mehr Größen zu graduieren. An einer Frau ohne Kurven hängt ein Kleid genauso, wie es sich der Designer vorstellt. Bei üppigen Kurven ist einiges mehr zu beachten, die Proportionen sind wichtiger. Die Frau steht im Mittelpunkt und nicht das Kleid.

BRIGITTE BIG: Brauchen kurvige Frauen eine extra Mode? Oder gelten für alle dieselben Spielregeln?Anna Scholz: Die Spielregeln sind gleich - die Mittel verschieden. Ich arbeite viel mit Drucken, mit geschickten Drapierungen, mit mehreren Stoffschichten. Für Dünne wie Dicke gilt: die eigenen Vorteile unterstreichen. Üppige sind genauso Frauen, die ausgehen, Dates haben und im Job sitzen - und keine andere Spezies. Sie haben aber weniger Auswahl und müssen sich mehr Mühe geben. Wenn ich früher mit Freundinnen shoppen ging, hatten die anderen 20 Läden zur Auswahl, ich kaufte mir maximal eine Sonnenbrille und fühlte mich wie ein Mensch zweiter Klasse.BRIGITTE BIG: Wie finden Sie die Gewohnheit, Polster unter viel Stoff zu verstecken?Anna Scholz: Wer über 20 ist, sollte ohnehin nicht alles darstellen, was er hat - egal, wie rund oder schlank. Aber voluminöses Kaschieren macht auch nicht kleiner. Kurven wollen betont sein. Kleider sind dafür wundervoll. Sie sollten wirklich gut geschneidert sein. Aber das gilt ja immer.BRIGITTE BIG: Ist ein Wandel beim Umgang mit großen Größen in Sicht?Anna Scholz: Es ändert sich gerade eine Menge. Modemagazine zeigen neuerdings Plus-Size-Models opulent auf ihrem Cover. Es ist ja auch richtig dumm, auf Kundinnen ab Größe 40 zu verzichten. Die haben auch Stil und Charisma. Und Geld.BRIGITTE BIG: Oft ist von besonderen Stil-Regeln die Rede, wenn es um Frauen mit großen Größen geht. Was halten Sie davon?Anna Scholz: Kurvige Frauen können alles tragen, sie müssen gut kombinieren, auf Proportionen achten. Wir schneidern für Frauen zwischen 20 und 80, von 1,50 bis 1,80 Meter. Da gibt es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Ich liebe es, so unterschiedliche Frauen anzuziehen, sie schöner zu machen. Jede Frau gewinnt Lebensfreude, wenn sie mit Mode experimentiert. Die einzige Regel ist: eine positive Einstellung zu dem, wer man ist und was man anhat. Die überträgt sich auf den Betrachter, und dann gibt es Resonanz, die Mut macht.

Mehr Infos und der Online-Shop von Anna Scholz unter www.annascholz.com.

Interview: Vera Sandberg Foto: picture alliance / dpa ein Artikel aus BRIGITTE BIG
Themen in diesem Artikel
Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!