Designerin Katja Heidrich: "Verstecken war gestern!"

Die junge Mode-Designerin Katja Heidrich hält nichts von Styling-Regeln für kurvige Frauen. Sie ist mit ihrem Label mable angetreten, den Plus-Size-Markt zu revolutionieren.

BRIGITTE: Wie sind Sie dazu gekommen, Plus-Size-Mode zu designen??

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Katja Heidrich: Vorweg: Ich designe kein Plus-Size! Momentan gibt es entweder Mode für extrem schlanke Frauen oder für Frauen, die von der Industrie als zu dick abgestempelt werden. Ich möchte eine Art Zwischending etablieren. Für Frauen, die selbstbewusst genug sind zu sagen: "Ich fühle mich in meinem Körper wohl wie er ist."

Von Styling-Regeln für kurvige Frauen halten Sie nichts??


Nein, die habe ich alle über Bord geworfen. Kleider ohne Taille oder diese ewig fließenden, alles umhüllenden Stoffe wird es bei mir nicht geben. Klar, wir haben vielleicht etwas mehr Cellulite als die schlankeren Mädels, aber hey, verstecken war gestern.

Was machen Sie noch anders als andere Plus-Size-Labels??


Bei meinem Label geht es darum, mit seinem Körper zufrieden zu sein und diesen zu zeigen. Und zwar in stylisher Mode, die hochwertig und zeitgemäß ist. Bei mir gibt’s kurze Kleider, enge Hosen, großflächige Prints und viel Material-Mix. Vieles davon ist für kurvige Frauen verpönt. Ich trage selbst Größe 44/46. Wenn man ein bisschen was von Linien und Schnittführung versteht, kann man das auch so für seine Figur einsetzen, dass man eben nicht noch zehn Kilo schwerer aussieht. Ich möchte High Fashion und Trends in den angestaubten Plus-Size-Markt bringen.?

Während ihres Modedesign-Studiums hat Katja Heidrich Erfahrungen bei Plus-Size-Designerin Anna Scholz in London gesammelt. Nach ihrem Bachelor-Abschluss im Februar 2014 macht sie sich als Designerin und Stylistin selbstständig und baut ihr Label mable aus. Wer Katja Heidrich unterstützen möchte, kann sich noch bis 3. September 2014 an ihrem Crowdfunding-Projekt beteiligen.

Ist eine Unterteilung in Normalgröße und Übergröße überhaupt sinnvoll?

Nein. Ich finde es extrem schade, dass Frauen, die sich nur auf der Waage von Models unterscheiden, plötzlich andere Kleidung tragen müssen, weil es einfach nichts anderes gibt.

Dennoch entwerfen Designer nach wie vor hauptsächlich für extrem schlanke Frauen. Warum zeichnen die Designer so ein unrealistisches Frauenbild??

Viele Designer mögen anscheinend diesen extrem androgynen Look, also Frauen, die eher knabenhaft sind. Es ist einfacher, für diese Frauen zu designen, weil es mehr nach "High Fashion" aussieht, wenn die Mode luftiger sitzt und locker fällt.

Sie designen für "Inbetweenies" - was genau bedeutet das??

Ich designe für die Größen 36 bis 48. Das heißt, die ganz kleinen und ganz großen Größen lasse ich bewusst außen vor. Das Wort Inbetweenies hat die Bloggerin Edith Dohmen etabliert.

Warum wird Plus-Size immer noch so stiefmütterlich behandelt??

Gute Frage. Plus-Size-Labels sind selten modisch, vieles ist sackartig geschnitten und die Kleider sehen aus wie Zelte, die alles kaschieren sollen, was nicht ins gängige Schönheitsideal passt. Zum Glück ändert sich das langsam. Aber es muss noch viel passieren, bis die Menschen merken, dass Heidi Klum nicht das Maß aller Dinge ist.

Wie können die Medien dazu beitragen??

Ich wünsche mir mehr Vielfalt. Klar sind Models schön anzuschauen, eine Cara Delevnigne beispielsweise gucke ich mir auch gern an. Aber man muss eben auch kurvige Frauen zeigen, gern in ein und derselben Modestrecke. Außerdem gibt es mittlerweile wirklich tolle Plus-Size-Labels, die hochwertige Mode und Kampagnen realisieren – diese müssen noch viel mehr in den Magazinen stattfinden. Wahnsinnig schöne Plus-Size-Models gibt es sowieso en masse.

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