"Diesmal schaffe ich es, durchzuhalten."

Jenny Lentfer findet sich zu dick. Und jetzt hat sie ein klares Ziel: Sie will ihre Ernährung umstellen, Sport treiben, sich pflegen. Mindestens drei Monate lang - bis sie sich richtig wohl fühlt.

Der Gedanke kommt morgens beim Anziehen.

Beim Anschauen von Urlaubsfotos. Beim Shoppen. Er kommt manchmal vor, meistens aber nach einem guten Essen. Er kommt beim Fernsehen und beim Zeitschriftenblättern. Egal wann, der Gedanke ist immer derselbe: "Ich muss endlich was tun." Jenny Lentfer ist mit dem Gedanken groß geworden. Schon als Kind war die OP-Schwester aus Glückstadt bei Hamburg pummelig, und schon als Kind hat sie darunter gelitten. Zwar versuchte die 32-Jährige es mit immer neuen Sportarten, "aber nichts habe ich wirklich lange durchgehalten". Vor gut drei Jahren wog sie bei einer Größe von 1,69 Meter 81 Kilogramm - kein dramatisches Übergewicht, aber zu viel für Jenny Lentfer, um sich wohl fühlen zu können. Sie machte eine Eiweißdiät und verlor in vier Monaten 18 Kilo. Wie man abnimmt, das hatte sie während der Diät gelernt. Nicht aber, wie man das Gewicht hält, indem man in Bewegung bleibt und sich im Alltag dauerhaft gesund ernährt: "Schleichend nahm ich wieder zu. Ich habe keinerlei Sport mehr gemacht, sondern nur noch einen auf Essen und gemütlich." Am Ende wog sie wieder 75 Kilo. Und sofort war er wieder da, der wohlvertraute Gedanke: "Ich muss endlich was tun."

Schön weiblich: Das Satintop im Wäsche-Look gibt der sportlichen Kombination aus weiter Jacke und weich fallender, gerade geschnittener Hose einen extrem femininen Kick. Die kürzeren Haare wurden blondiert, das lässt den Teint frischer wirken.

Inzwischen ist es vier Wochen her, dass Jenny den Gedanken in die Tat umgesetzt hat. Und zwar gründlich und konsequent. Nicht allein, sondern mit einer hochkompetenten Starthilfe: Insgesamt zwölf Wochen wird Jenny Lentfer von einem Expertinnen-Team begleitet und beraten. Ihr klar definiertes Ziel: Ich möchte langfristig abnehmen und mich endlich richtig wohl fühlen in meiner Haut. Das muss doch auch ohne ein dreimonatiges Beauty-Programm möglich sein, könnte man da einwenden: Jenny Lentfer lebt in einer glücklichen Beziehung, sie hat viele Freunde, einen Job, sie ist jung, gesund und hübsch - und nun einmal etwas fülliger, als sie sein möchte. Sie weiß, "dass es viele Menschen gibt, die mehr Grund hätten, unter ihrem Äußeren zu leiden, als ich". Unzufrieden ist sie trotzdem, und dieses Gefühl teilt sie mit der Mehrheit der Frauen. Unser Verstand sagt uns, dass es Wichtigeres gibt als schlanke Oberschenkel und einen straffen Busen: Wir sind ja nicht doof! Trotzdem bleibt die Sehnsucht nach Schönheit - oder wenigstens etwas mehr davon - unser ständiger Begleiter. Und niemand beurteilt uns kritischer als wir selbst. Weil leider noch niemand den Aus-Schalter für diese Selbstzweifel gefunden hat, bleiben nur zwei Möglichkeiten: Man zwingt sich, mit ihnen zu leben. Oder man wird aktiv, um sie zu beseitigen oder wenigstens zu mildern. Welchen Preis sie dafür zu zahlen bereit ist, entscheidet jede Frau allein. Der Trend, sich dem Risiko einer Schönheits-OP auszusetzen, nimmt jedenfalls zu: Bis zu 650000 ästhetisch-plastische Operationen wurden 2003 in Deutschland durchgeführt, 80 Prozent davon an Frauen. Für Jenny Lentfer wäre eine Operation "völlig indiskutabel". Zum einen, weil sie als OP-Schwester weiß, dass auch der einfachste chirurgische Routine-Eingriff unkalkulierbare Risiken birgt. Zum anderen, "weil das doch ganz schön einfach wäre"! Trotz eines Rückschlages glaubt sie nicht daran, dass die sehr menschliche Sehnsucht nach mehr Attraktivität nur auf dem OP-Tisch - oder gar unter den unmenschlichen Bedingungen einer dreimonatigen Kasernierung auf der geschlossenen Station eines TV-Senders - gestillt werden könne. Christa Möller, Leiterin des BRIGITTE-Ressorts Fitness und Kosmetik, stimmt ihr zu: "Es ist den meisten Frauen jederzeit möglich, mehr aus sich zu machen. Dazu brauchen sie keinen Arzt, sondern Zeit für sich und eine gehörige Portion Willensstärke, um ein paar Gewohnheiten dauerhaft umzustellen."

Der erste Schritt

Bewusst wählen, gesund genießen: Ernährungsberaterin Annette Leitz zeigt Jenny, worauf sie beim täglichen Einkauf achten muss.

...gesünder und kalorienärmer essen. Ernährungsberaterin Annette Leitz hat das Ernährungstagebuch analysiert, das Jenny Lentfer sieben Tage lang vor Beginn der Diät geführt hat, um falsche Essgewohnheiten, aber auch besondere Vorlieben ausmachen zu können: "Weil sie während einer OP nicht auf die Toilette gehen kann, trinkt sie - wie viele Frauen - viel zu wenig. Wegen der Schichtarbeit isst sie auch nur unregelmäßig: Zur Frühschicht steht sie um fünf Uhr auf, mag zu dieser Zeit noch nicht frühstücken, hat nach Schichtende einen Bärenhunger und isst sich dann mit Süßem satt, das auf der Station herumsteht. Die erste warme Mahlzeit am Abend besteht zu oft aus zu fettem Fastfood. Sie muss darauf achten, regelmäßig zu essen und zu trinken und ausreichend Obst und Gemüse, Milchprodukte und Ballaststoffe zu sich zu nehmen."

Erst war Jenny Lentfer skeptisch:

!Ich würde gern mal eine Levi`s 501 mit leichtem Oberteil tragen statt dicke Pullis, die über Po und Beine reichen."

"Ich konnte nicht glauben, dass die BRIGITTE-Diät wirkt: Da muss man ja so viel essen!" Nach vier Wochen mit rund 1200 Kalorien täglich hat sie drei Kilo abgenommen: "Jetzt geht es nicht mehr so schnell, das hat mich ein bisschen unglücklich gemacht. Aber Annette Leitz sagt, das sei normal." Ihren Lieblingssnack hat sie auch schon gefunden: 50 Milliliter Karo-Kaffee, aufgeschäumt mit fettarmer Milch, dazu zwei bis drei Aprikosen und ein Riegel Schokolade. Eine wichtige Hilfe bei alledem ist ihr Freund, mit dem sie seit einem Jahr zusammenlebt: "Ich gefalle ihm, wie ich bin. Er unterstützt mich, weil er weiß, dass ich selbst mir eine Veränderung wünsche. Außerdem kocht er lieber und besser als ich, seit vier Wochen nach Diät-Rezepten." Ins Krankenhaus nimmt sie vorbereitete Zwischenmahlzeiten mit, statt dort Kekse und Kuchen zu essen: "Da gibt es oft bewundernde Blicke: Was hast du denn da wieder Leckeres mit?"

Zweiter Schritt

Fitness-Expertin Christa Möller entwirft die Sportpläne: Je mehr Bewegung, desto besser! Und Jenny läuft und läuft...

...ein Fitness-Plan. Jenny Lentfer macht täglich Sport, entweder läuft sie, oder sie trainiert zu Hause. Dabei hat sie immer eine von Christa Möller empfohlene CD im Ohr: "Power-Jogging" oder "Balance-Aerobic". Jenny: "Fotos und Text sind leicht verständlich, und die Musik motiviert. Das bringt richtig Spaß: Ich merke, dass ich deutlich fitter geworden bin und mich nicht mehr so zum Sport zwingen muss, allmählich entsteht bei mir das echte Bedürfnis, mich zu bewegen."

Schritt drei

...konsequente Pflege. Für Jennys Mischhaut hat Christa Möller eine beruhigende Feuchtigkeitscreme mit Thermalwasser ausgesucht, für den Körper empfiehlt sie eine glättende Creme, die besonders gut wirkt, wenn sie nach einer Bindegewebsmassage an Bauch und Oberschenkeln aufgetragen wird: möglichst täglich, damit die Haut schön straff bleibt. "Dauernd an sich herumzuzupfen und zu cremen finde ich noch ziemlich anstrengend", sagt Jenny Lentfer: "Aber ich merke auch, dass es gut tut, sich bewusst um den Körper zu kümmern. Und ich meine, dass meine Haut schon schöner geworden ist." Zum Entspannen und als Belohnung für all die Mühen dient eine Vitaminmaske. Für das blondierte Haar gibt es ein spezielles Shampoo plus Pflegespülung - und am Ende ein neues Styling.

Schritt vier

Zeig her deine Formen, zeig her, was du hast! Das bodenlange, dunkelviolette Samtkleid mit Chiffonärmelchen und schmeichelndem V-förmigen Dekolleté sitzt nicht eng, aber figurbetont: kein Alltags-Outfit, sondern die richtige Garderobe, um Feste zu feiern.

...der Blick in den Kleiderschrank. Jennys Traum ist es, "mal eine Levi’s 501 mit einem leichten Oberteil zu tragen statt immer nur dicke Pullis, die über Po und Beine reichen". Mode-Redakteurin Wiebke Broecker findet allerdings, dass Jenny mehr Mut zu Weiblichkeit und Eleganz entwickeln sollte: "Jennys Garderobe besteht fast ausschließlich aus sportlichen, weiten Teilen. Dabei sind weibliche Formen nichts, was man kaschieren muss. Im Gegenteil: Je selbstbewusster eine Frau ihre Rundungen präsentiert, desto schöner wirkt sie." Die Expertin schlägt ein paar Outfits vor, an die Jenny sich "zuerst gewöhnen musste", in denen sie sich dann aber "richtig gut" fand. Ganz schön viel Stress? "Ja", sagt Jenny Lentfer nach den ersten Wochen. "Aber noch bin ich voll davon überzeugt, dass es sich lohnt." Der nächste Expertinnen-Termin steht schon auf dem Programm: bei der Psychologin Dr. Eva Wlodarek, Fachfrau für Work-Life-Balance und Selbstbewusstsein. Aussehen ist schließlich nicht alles.

Tipp: Wie das Gespräch mit Psychologin Dr. Eva Wlodarek gelaufen ist und ob Jenny Lentfer weiter abgenommen hat, lesen Sie ab 26. November bei Brigitte.de.

Text: Julia Karnick Fotos: Jaan-Eric Fischer Produktion: Birgit Potzkai Haare und Make-up: Julia Sergienko/M4 Motion BRIGITTE 24/04
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