Warum kaufe ich mir immer das Gleiche zum Anziehen?

Im Sommer das Etui-Kleid, im Winter die Boots und übers Jahr hinweg der ewig gleiche Jeansschnitt: BRIGITTE-Redakteurin Susanne Arndt will raus aus ihrer Moderoutine - und wissen, warum sie sich eigentlich so vorhersehbar kleidet.

In meinem letzten Frühling ist viel passiert: Ich habe zwölf Kilo abgenommen, mich neu verliebt und dann liefen mir auch noch diese Wahnsinns-Schuhe über den Weg, die mit den roten und pinken Wildlederriemchen. Ich, die bevorzugt in Klamotten rumläuft, die genauso gut Männer tragen könnten, sprang leichtfüßig über meinen Schatten, zog die Kreditkarte durch den Scanner und stellte fest: Diese Schuhe passen 1A zu mir, nicht aber zum Rest meiner Garderobe. Also folgten: mein erster pinkfarbener Gürtel, Armreifen, eine neue Lippenstiftfarbe, wärmer und frischer als die alte, das erste Blümchenkleid meines Lebens und mein erster Duft. Ich fühlte mich wie neu: schön, stolz, quasi unverwundbar.

So kann man eine zu enge Jeans weiten

Sich im Spiegel nicht mehr wiederzuerkennen, macht Angst

Knapp ein Jahr später fühle ich mich so müde wie mein Outfit aussieht. Längst bin ich in mein altes Beuteschema zurückgefallen: Ich trage denselben Pulli in fünf verschiedenen Farben, die gut sitzende Jeans habe ich gleich zwei Mal gekauft und die Boots gab‘s diesen Winter - Revolution! - mal nicht in Schwarz, sondern in Grau. Es ist halt bequem, die Garderobe mit dem Gewohnten zu ergänzen, weil sich das wie von selbst kauft und sich am Morgen auch im Halbschlaf kombinieren lässt, notfalls ohne Spiegel. Aber es ist auch fad.

Die Aufregung, das Neue, das Spektakuläre ist weg. Routinen machen das Leben beruhigend vorhersagbar, aber sie saugen auch die Intensität aus dem Alltag und dann helfen schon kleine Veränderungen. Deshalb will ich wieder raus aus meiner Kleiderkomfortzone, eine frischere Version meines Selbst aus mir rauskitzeln. Nur wie geht das, wenn äußere Anlässe wie ein neuer Job oder eine neue Liebe fehlen?

Ich konsultiere das BRIGITTE-Mode-Team und erfahre: Mein Problem heißt Sicherheitsdenken, meine Kleiderwahl funktioniert nach dem Grundsatz "Never change a winning team". Mein Look ist Teil meiner Identität, mit dem Bewährten fühle ich mich wohl, ich weiß, dass es mir steht, und weil ich in der Vergangenheit Komplimente dafür bekommen habe, will ich mehr davon. Die Gefahr von Fehlkäufen ist gering, alles ist aufeinander abgestimmt und leicht kombinierbar. Aber ich solle mich nicht grämen, es sei nicht zwingend langweilig, immer wieder ähnliche Klamotten zu kaufen – sie seien halt das gefühlte Optimum für mich und passten perfekt in meine Welt. Und überhaupt: "Glückwunsch, du hast deinen Stil gefunden!"

Weil ich trotzdem raus will aus dem Trott, empfehlen mir die Kolleginnen, klein anzufangen und rumzuprobieren: Mit einem neuen Accessoire oder einer neuen Farbe, die nicht gleich meilenweit von den gewohnten Tönen entfernt ist. Klar, wer immer gedeckte Farben getragen hat, wird sich im neongelben Rock verkleidet fühlen, wer auf Pumps steht, wird vermutlich in Sneakers nicht froh. "Nimm eine Freundin mit zum Einkaufen und probiere Sachen an, von denen du immer gedacht hast, dass sie unmöglich an dir aussehen, sieh dich um, lass dich auf der Straße inspirieren, aber bleib authentisch: Sich im Spiegel nicht mehr wiederzuerkennen, macht Angst."

Sieht fast so aus, als müsse ich einfach meinen Schuh-Coup vom letzten Frühling wiederholen: Augen offen halten und in ein spektakuläres neues Teil investieren, das die Routine sprengt, als Katalysator für weitere Veränderungen - nicht nur im Kleiderschrank. Denn wenn die Garderobe neuen Schwung kriegt, bekommt auch das Leben neuen Schwung (und umgekehrt), behauptet zumindest die amerikanische Psychologin Dr. Jennifer Baumgartner, Autorin des Buches "You Are What You Wear – What Your Clothes Reveal About You": "Veränderung hält den Geist wach, das Herz voll und den Geist jung." Und weil wir wohl oder übel über unsere Optik beurteilt werden, plädiert sie für mehr Wumms bei der Kleiderwahl: "Wenn deine Kleidung spektakulär ist, denken die meisten Menschen, dass du auch spektakulär bist". Und wir selbst fühlen uns darin auch gleich ein bisschen spektakulärer. Und das kann ja auf gar keinen Fall schaden.

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