Hochgeschlossen ist das neue Sexy

Und das wollen wir betonen. Darum haben viele Blusen jetzt eine Schleife zum Zubinden - die sogenannte Schluppe. Aber wo kommt die eigentlich her, und was soll sie bedeuten?

Schon im Barock (ca. 1575 bis 1700) schmückten üppige Schleifen die Hemden der Männer, später auch die Roben der Damen.Schluppe ist ein niederdeutsches Wort für Schleife, ein altmodisches. Dabei ist sie selbst immer wieder modern – und jedes Mal wieder steht sie für einen anderen Zeitgeist, eine andere Haltung und ein anderes Frauenbild.

Zu Beginn der viktorianischen Zeit (1837 bis 1901) war das Ideal die hochmoralische, geistig reine Ehefrau, dem Mann gesetzlich unterworfen und sittsam gekleidet - mit einer hübschen Schleife am züchtig geschlossenen Gewand. Das änderte sich in den 1930ern, als Diven wie Joan Crawford oder Marlene Dietrich sie mit mondäner Eleganz und lässig-laszivem Augenzwinkern trugen. Und Coco Chanel, die eben noch die Frauen von der Korsage befreit und ihnen lockere, funktionale Mode, sogar Hosen angezogen hatte, setzte die großen Schleifen als weibliches Element dagegen.

Als besonders feminin sollte die Schluppenbluse auch in den Nachkriegsjahren gelten. Allerdings weniger im Sinne von sexy als von heiler Welt und Spießigkeit. Das Wirtschaftswunder der 50er Jahre war wieder eine reine Männerwelt, in der die Ehefrau das treusorgende, brave Heimchen am Herd war - ein Image, das auch auf ihre Mode abfärbte, zu der neben Pettycoat und Glockenrock auch die Schluppenbluse gehörte.

Biederkeit braucht heute niemand mehr zu fürchten

Schon Mitte der 60er Jahre trugen starke Frauen wie Jane Fonda oder Catherine Deneuve romantische Schleifen als Kontrapunkt zur puristischen Sixties-Mode mit Minirock und grafischen Mustern. Und in der revolutionären Ära der Blumenkinder und der freien Liebe passten Schluppen ganz wunderbar zu den wallenden Looks der Hippies.

Und warum ist sie gerade jetzt wieder auf Laufstegen und an Stil-Ikonen wie Alexa Chung oder Charlize Theron zu sehen? Prof. Gertrud Lehnert, Spezialistin für Modegeschichte und Modetheorie an der Uni Potsdam, vermutet, dass die Schluppe "bei älteren Frauen Assoziationen auslöst, bei jüngeren Frauen aber als ironisches Zitat gilt". Im Englischen wird sie übrigens Pussy Bow genannt. "Und sie ist einfach verspielter als die ewigen T-Shirts", sagt Prof. Lehnert. In Zeiten, in denen es keine wirklichen Modetrends gibt und jeder seine eigenen Looks erfindet, lässt sie sich spielerisch einsetzen: seriösleger zu Skinny-Jeans, hochelegant zu Marlenehose und Pumps oder very sixties mit Pencil-Skirt im "Mad Men"-Stil. Die Schluppe ist ein Statement, das zusätzliches Styling durch Schmuck und Accessoires überflüssig macht - Schluppe gut, alles gut.

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Aus BRIGITTE 17/2015 Mitarbeit: Caroline Suttkus
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