Fashion Hero: Teleshopping mit einem Topmodel

Claudia Schiffer sucht in einer neuen Show auf ProSieben Deutschlands besten Nachwuchsdesigner. Weiter kommt, wer seine Entwürfe verkauft. Ist Mode Kunst oder Kommerz? Diese Frage wird hier eindeutig beantwortet.

Das Mentoren-Trio: Uta Huesch, Claudia Schiffer und Sascha Lilic.

Gleich in der ersten Sendung bringt André Maeder, der grantige Schweizer Chefeinkäufer der Kaufhauskette Karstadt, das Dilemma von Fashion Hero auf den Punkt: "Wir sind in Deutschland, hier müssen sich die Sachen verkaufen." Und genau das ist das Problem. In der Castingshow, die der erfolgreichen US-Sendung Project Runway nachempfunden ist, dürfen insgesamt 21 Nachwuchsdesigner ihre Entwürfe präsentieren. Als Mentoren stehen ihnen das ehemalige Supermodel Claudia Schiffer, der Stylist Sascha Lilic und die Mode-Expertin Uta Huesch zur Seite. Überzeugen müssen sie aber die Einkäufer der drei großen Modefirmen Asos, s.Oliver und Karstadt. Sie bieten Summen zwischen 50.000 und 180.000 Euro für die gezeigten Kollektionsteile – und bringen sie, da die Sendung aufgezeichnet wurde, gleich am nächsten Tag in ihre Läden beziehungsweise in den Onlineshop.

Weiter kommen die Designer, deren Mode sich gut verkaufen lässt. Das macht es für den Zuschauer so erwartbar wie langweilig: Klar, dass sich die Asos-Frau Anne Rech die bunt gemusterte Bomberjacke des Designers Marco Hantel unter den Nagel reißt. Auch dass die schlabberigen Sweatshirts des Hamburger Duos Kunstreich & Holst gut bei s.Oliver aufgehoben sind, ist keine Überraschung. Immerhin sind mit dem jungen sizilianischen Designer Riccardo Serravalle und der aufgeregten Sahra Tehrani erste Sympathieträger auszumachen, wie sie jede gute Castingshow braucht.

Spannung will bei diesen Mode-Versteigerungen trotzdem nicht aufkommen, was auch an der unsäglichen Moderation von Steven Gätjen liegt. Von Mode versteht der Mann rein gar nichts, entsprechend hölzern moderierte er sich durch den Abend. Die penetranten Styling-Tipps, die während der Präsentationen eingeblendet werden ("Tropfenausschnitt – super für einen kleinen Busen"), machen es auch nicht besser. Einzig Frau Schiffer bringt ab und an ein wenig Fachwissen ein. Geduldig erklärt sie dem ahnungslosen Gätjen, was eine Jeggings ist (halb Jeans, halb Leggings) und identifiziert die ärmellose Weste einer Designerin als Gilet.

Ansonsten beschränkt sich das Mentorentrio darauf, die Entwürfe "supersexy" zu finden oder mit Varianten des folgenden Dialogs zu kommentieren:

"Das ist ja echt toll." "Ja, supertoll."

Da wundert es irgendwie nicht, dass man Modemenschen gern Oberflächlichkeit vorwirft.

In einer Branche, in der der Nachwuchs häufig am Existenzminimum herumkrebst, ist so eine Sendung natürlich eine echte Chance, Geld zu verdienen. Die Teile werden sich verkaufen, keine Frage. Unterhaltsam anzuschauen ist diese Form des Teleshoppings allerdings nicht. Wer eine echte Mode-Sendung sehen will, sollte heute Abend lieber Einsplus einschalten. In It’s Fashion zeigt die bekannte Bloggerin Jessica Weiß, dass Mode viel mehr als "sexy und supertoll" sein kann.

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