Dauerläufer: Alle lieben Chucks!

Kaum ist man hineingeschlüpft, ist es da: das Teenager-Gefühl. Erinnerungen an süßes Kaugummi, quietschende Gummisohlen und die Rebellion gegen alles und jeden. Auf Schritt und Tritt dabei: die geliebten Chucks.

Mode-Klassiker

Der Dauerläufer

James Dean trug sie, Punkrocklegende Joey Ramone zog sie vermutlich nicht mal zum Schlafen aus, Mick Jagger schritt in ihnen zum Traualtar, und Kurt Cobain pustete sich darin mit einer Schrotflinte das Gehirn weg.

Kaum ein Kleidungsstück ist so sehr mit Rock‘n‘Roll, Rebellion und Jugendkultur verbunden wie der „Converse All Star“. Auch wenn der Turnschuh längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, schmälert das die Liebe zu ihm nicht. Wer heute zur Hauptverkehrszeit in einer beliebigen Stadt U-Bahn fährt, zählt mindestens fünf Paar Chucks pro Waggon: kombiniert zu Röhrenjeans und Bandshirt, zum Anzug oder zum Sommerkleid. Dabei war der Schuh mit der Gummikappe ursprünglich gar nicht für den Alltag gedacht.

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Als Marquis M. Converse vor 103 Jahren in Massachusetts den „All Star“ auf den Markt brachte (in der Originalfarbe Schwarz), sollte er als erster Basketballschuh überhaupt in die Geschichte eingehen. Die 1821 erfundene Sportart steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen und wurde auf rutschigem Parkett in Tanzsälen gespielt. Die gummierte Sohle kam da gerade recht. Vier Jahre später stieß der Basketballspieler Chuck Taylor zur Converse Rubber Company, um mit seinem Profiwissen den Schuh zu verbessern. Er war es auch, der 1923 das runde Converse-Patch mit seiner Signatur auf den Schuh nähen ließ, um die Knöchel der Sportler zu schützen – und der den Schuhen zu ihrem Spitznamen verhalf: Chucks. Tatsächlich dribbelte sich die US-Basketballmannschaft bei den Olympischen Spielen 1936 in dem Turnschuh sogar zur Goldmedaille. Selbst die Army absolvierte in ihm ihre Kniebeugen und Liegestütze. Und obwohl dem Converse durch Konkurrenz anderer Hersteller in den Sechzigern die Puste auf dem Sportplatz ausging, sollten es vor allem Individualisten, Musiker, Künstler und Querdenker sein, die Erfolgsgeschichte bis heute weiterschreiben.

Symbolisch umweht ihn immer noch ein Hauch von Freiheit und Rebellion. Eine feste Konstante, die jeden noch so vielversprechenden Trend mühelos an sich vorbeiziehen lässt. Da verwundert es auch nicht, dass Designrebell Hedi Slimane vom französischen Modehaus Celine den zeitlosen Sneaker für die aktuelle Saison zum Schuh aller Schuhe erklärt. Es scheint, als könnte nichts die Liebe zum Chuck erschüttern. Vielleicht, weil er uns damals wie heute berührt. Uns Geborgenheit schenkt, gerade wenn die Welt um uns herum von Unsicherheit geprägt ist. Dass er uns bei Regen und Schnee ziemlich alt aussehen lässt? Längst verziehen. Wahre Liebe fordert eben manchmal Opfer.

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BRIGITTE WOMAN 04/2020

Wer hier schreibt:

Isabel Stronczek
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