COS: Neue Luxuslinie von H&M

Haute Fashion zu erschwinglichen Preisen, das ist die Idee von COS, der neuen Lifestyle-Marke von H&M. Am 16. März wurde der Flagshipstore in London eröffnet. Jetzt kann man COS auch in fünf deutschen Städten kaufen. Zehn Fragen zu der neuen Luxuslinie fürs kleine Budget.

1) Luxus-Design für jeden- wie sieht das aus?

Hochwertig, aber nicht exklusiv - das war bisher ein Widerspruch. Mit COS soll sich das ändern. Hier gibt es sorgfältig verarbeitete Modeklassiker in edlen Materialien zu moderaten Preisen. Also zum Beispiel das kleine Schwarze, Kaschmir-Pullover mit V-Ausschnitt oder Pikee-Poloshirts, Basics, die in keinem Kleiderschrank fehlen dürfen. Dazu kommen individuellere Kleider, Mäntel und Anzüge, die neben einer klaren Linien- und Formgebung noch das eine oder andere charaktervolle Detail ausweisen. Kleidungsstücke, hauptsächlich in Schwarz, Weiß, Dunkelblau oder Beige, die in ihrer raffinierten Schlichtheit an Entwürfe von Helmut Lang, Marni oder Jil Sander erinnern - aber natürlich einen Bruchteil kosten.

2) Was muss ich bei COS für ein Kleid ausgeben?

Kleider kosten zwischen 49 und 79 Euro, Damenhosen zwischen 49 und 69 Euro, Mäntel gibt es ab 79 Euro. Für eine schöne Ledertasche kann man aber auch schon einmal bis zu 250 Euro zahlen. Am tiefsten müssen bei COS die Herren in die Tasche greifen, Anzüge kosten bis zu 350 Euro.

3) Wer ist bei COS für das Design verantwortlich?

Anders als die H&M-Kollektionen entstehen die Entwürfe für COS nicht in Stockholm, sondern im eigenen Hauptquartier in London. Hier sitzt das 35-köpfige Team. Die 37 Jahre alte Dänin Rebecca Bay verantwortet die Damenmode. Ihr Landsmann Michael Kristensen, 39, ist für die Herren zuständig. Bay hat zuvor als Trendforscherin gearbeitet, Kristensen war Designer bei Tom Tailor, Marc O'Polo und Falke.

4) Ist COS das Label für alle, die sich für H&M zu alt fühlen?

Nein. Teenagerausstattung wie Flattertops und Mikro-Minis wird man in den weiträumigen eleganten COS-Boutiquen zwar vergebens suchen, doch auf "Bestager" beschränkt sich die Zielgruppe natürlich nicht. Chef-Designerin Rebecca Bay will vielmehr die erwachsene Frau ansprechen, "die in der Stadt lebt, viel arbeitet, Familie hat und sich auch mal Prada-Pumps und eine Chloé-Tasche kauft." Die kann 31, aber genauso gut auch 57 Jahre alt sein.

5) Gedeckte Töne, klassische Schnitte - ist das nicht total langweilig?

Ansichtssache. Alle, die es schrill mögen, sind bei COS natürlich falsch. Wer aber schick aussehen will, ohne jedem Modetrend nachzulaufen, findet hier bestimmt ein paar Teile. Und dann kommt es natürlich auf die Kombination an. Weiße Bluse mit schwarzer Hose - das sieht schnell nach einem ziemlich einfallslosen Büro-Outfit aus. Graues Twinset? Wirkt auch in Kaschmir brav und bieder. Besser ist dann der eine oder andere Bruch. Also ein schönes Tuch zum schlichten Mantel oder ausgefallene Schuhe zum eleganten Kostüm.

6) Bei den Preisen wird dann sicher alles in China produziert?

Nein. Achtzig Prozent der Produktion entfallen auf Europa, die restlichen zwanzig Prozent werden in Asien hergestellt. Auch interessant: COS verarbeitet keine echten Pelze und verwendet ausschließlich Leder von Tieren, die für die Fleischproduktion gehalten wurden.

7) Macht sich H&M mit COS nicht selbst Konkurrenz?

Nein, denn COS bedient ein anderes Segment. Es gibt Kunden, die Mode suchen, die wertiger und zeitloser ist als die schnelllebige Ware, die es in Läden wie Zara, Orsay oder H&M gibt. Menschen, die sich etwas mehr, aber nicht so viel mehr leisten können und jetzt zum Beispiel schon zu Massimo Dutti, dem Edelableger von Zara, gehen oder gern die skandinavischen Labels wie Acne oder Fillilpa K. kaufen.

8) Welche Strategie verfolgt H&M mit einer Kette wie COS?

H&M reagiert mit dem Start von COS auf eine Entwicklung, die sich schon länger in der Mode abzeichnet: Die fortschreitende Annäherung von High- und Lowfashion. Immer mehr teure Designerlabels versuchen mittlerweile, ihren Kundenkreis durch Zweitlinien zu vergrößern, auf der anderen Seiten geben die billigen Bekleidungsketten ihren Produkten den Anschein einer neuen Wertigkeit. "Uptrading" nennt man diese Hochglanzpolitur für Massenware im Fachjargon.

9) Ist es in Zukunft also völlig egal, ob man Jil Sander oder COS trägt?

Der Laie wird den Unterschied nicht erkennen. Entlarvt wird man allerdings spätestens, wenn die Kollegin im Büro das gleiche, streng geschnittene Kleid anhat wie man selbst. So geht es einem ja häufig, wenn man sich etwas bei H&M kauft - kein Wunder, weltweit gibt es schon 1350 Geschäfte. Zum Glück sind bis Ende 2007 nur zehn europäische Filialen von COS geplant. Einige Zeit können wir uns also sicher noch der Luxus-Illusion hingeben, dass wir uns etwas wirklich Exklusives zum Schnäppchenpreis geleistet haben.

10) Wo gibt es COS bisher in Deutschland?

Berlin: Kurfüstendamm 217 München: Weinstrasse 3 Hamburg: Neuer Wall 19 Düsseldorf: Königsallee 80 Stuttgart: Königstr. 46

Anne Petersen Fotos: COS
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