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Fashion und Kopftuch schließen sich nicht aus

Auf dieser Fashion Show in Dakar präsentieren sich muslimische Frauen in traditionellen Kleidern und mit Kopftuch modisch und selbstbewusst.

Es gibt einige Möglichkeiten, ein Tuch zu tragen: Um den Hals als Outfit-Highlight, als Pareo um die Hüften für den Beach oder im Stil der 50er-Jahre um die Stirn gebunden. Das sind nur drei von unzähligen Varianten. Und während die unterschiedlichen Trageweisen nichts weiter bedeuten, wird das Stück Stoff zum Thema für Politik und Gesellschaft, sobald es zum Dreieck gefaltet um den Kopf gebunden wird. Plötzlich wird das stylische Accessoire zum religiösen Statement und die ganze Welt schlägt die emanzipierten Hände über den tuchfreien Kopf zusammen.

Im Islam ist der Glaube verbreitet, dass Gott es den gläubigen Frauen zur Pflicht gemacht hätte, das sogenannte Hijab zu tragen, um ihre Schönheit zu verbergen. Die Meinung, das Tragen eines Tuches sei ein Stigma und richte sich gegen die Religionsfreiheit, ist in der westlichen Welt weit verbreitet. Und auch das Bild der dem Mann untergebenen Frau hält sich in beziehungsweise auf den Köpfen. Genau das sorgt für weltweite Kontroverse und Konflikte. An öffentlichen, französischen Schulen ist das Hijab sogar verboten. Andere europäische Länder stehen dem dreieckigen Stoff-Stück in ihrer Gesetzgebung ebenso kritisch gegenüber.

Es muss ein Umdenken stattfinden

Dass Frauen mit Kopfbedeckung allerdings komplett in unser westlich-modernes Weltbild passen, beweist jüngst eine Modenschau in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Anlässlich des World Hijab Day am 1. Februar, an dem Muslima nichtmuslimische Frauen einladen, die Kopfbedeckung temporär zu tragen, liefen muslimische Models nun selbstbewusst über den Catwalk und präsentierten farbenfrohe, traditionelle Gewänder und trugen dabei ihre Kopftücher.

Es ist kein Geheimnis, dass muslimische Konsumenten einen immer wesentlicheren Wirtschaftszweig einnehmen und somit eine lukrative Zielgruppe bilden. Und dass das öffentliche Bild einer modernen Frau, die Kopftuch trägt, sich keineswegs kannibalisieren muss, zeigt der wachsende Trend der Hijabista – die muslimische Antwort auf Fashionista. Auch der schwedische Modekonzern H&M zeigte 2015 erstmals eine junge, stylische Muslima in einer Kampagne und erntete dafür viel Beifall. Sogar Olympia zieht nach und setzt damit den nächsten Meilenstein: Einer Athletin wird zum ersten Mal in der Geschichte der Spiele erlaubt, ihr Kopftuch in ihrer Disziplin – dem Fechten – zu tragen. So fügt sich das Bild wie ein Mosaik zusammen und bildet am Ende ein neues Selbstverständnis einer selbstbewussten und modernen Frau, die ihren Glauben gerne nach außen trägt.


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