Ist das endlich die Wende im Modelbusiness?

Ausgerechnet in der Modehauptstadt Paris droht untergewichtigen Models ein Berufsverbot. Das französische Parlament hat ein entsprechendes Gesetz beschlossen - allerdings muss der Senat noch zustimmen.

Als Isabelle Caro 2010 starb, wog sie 31 Kilo. 31 Kilo bei einer Körpergröße von 1,63 Metern. Schockierende Zahlen - und doch vermögen sie uns kaum eine Vorstellung davon zu geben, welches Leid das damals 28-jährige französische Model erlebt haben musste.

Heute, fünf Jahre später, ist ihre Geschichte indirekt wieder ein Thema in Frankreich. Denn die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine möchte Werbung mit magersüchtigen Models verbieten. Am Dienstag hat das französische Parlament, die Nationalversammlung, ein Verbot untergewichtiger Mannequins beschlossen, als Teil eines großen neuen Gesundheitsgesetzes.

Agenturen sollen künftig nur noch Models unter Vertrag nehmen dürfen, deren Body-Mass-Index einen bestimmten Wert nicht unterschreitet. Die Höhe des Body-Mass-Index, der das menschliche Gewicht in Relation zur Körpergröße setzt, soll die Hohe Gesundheitsbehörde Frankreichs erst noch festlegen. Bei Zuwiderhandlung drohen den Modelagenturen hohe Strafen von bis zu sechs Monaten Gefängnis und Geldbußen in Höhe von 75.000 Euro.

Das neue Gesundheitsgesetz sieht außerdem vor, dass digital bearbeitete Fotos von Models, etwa in Werbeanzeigen oder auf Plakaten, künftig als bearbeitet gekennzeichnet werden müssen. Verstöße sollen mit Geldstrafen von bis zu 37.500 Euro geahndet werden.

Ob all das tatsächlich umgesetzt wird, ist noch unklar. Vorher muss der Senat, den die oppositionellen Konservativen dominieren, zustimmen. Unter Politikern aller Parteien ist das Berufsverbot für Magermodels umstritten. Einige sprechen von Diskriminierung am Arbeitsmakrt: So wie Alter, Geschlecht oder Hautfarbe kein Einstellungshindernis sein dürften, dürften es auch die Körpermaße nicht sein. Auch "Synam", ein Verband französischer Mode-Agenturen, äußerte sich kritisch. Magersucht sei Folge seelischer Krankheiten, nicht die Folge dünner Models auf den Laufstegen.

Bereits 2008 und 2010 hatte es in Frankreich ähnliche Bemühungen von Seiten der Politik gegeben, die jedoch niemals umgesetzt wurden. In Ländern wie Spanien, Israel und Italien haben stark untergewichtige Models schon heute Laufstegverbot.

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