Nachruf: Modedesigner Gianfranco Ferré

Gianfranco Ferré liebte Kleider für den großen Auftritt, klare Formen, die Farben Schwarz und Weiß und manchmal ein leuchtendes Rot. Jetzt bleibt der Fashionwelt nur noch, ihm einen würdigen Abschied zu bereiten. Denn der "Architekt der Mode" starb am 17. Juni in Mailand an einer Hirnblutung.

Eigentlich sah er gar nicht aus wie ein Modedesigner, eher wie ein weiser Großvater mit Bart, Bäuchlein und Brille. Dass er auch anders dachte als die meisten seiner Kollegen, sah man seinen Kleidern an. Mit seinen geometrischen Schnitten und dramatischen Silhouetten machte er sich seinen Namen als "Architekt der Mode". Und aus einer Marke ein Imperium.

Sein Geheimnis: "Ich gehe an Kleider heran wie an Gebäude. Es ist simple Geometrie: Man nimmt eine flache Form und dreht sie im Raum." Nach diesem Rezept entwarf er nicht nur Kleider mit unglaublichen Proportionen, sondern auch Taschen, Brillen, Uhren, Schuhe, Schmuck und Schirme. Eine Herrenkollektion sowie diverse Düfte tragen ebenfalls seinen Namen. Sein Meisterstück: Unendliche Variationen der weißen Bluse von clean klassisch bis dramatisch dekonstruiert.

Der gelernte Architekt wurde am 15. August 1944 in Legnano (Mailand) geboren. 1973 begann er, Accessoires zu entwerfen, fünf Jahre später gründete er sein eigenes Unternehmen und präsentierte seine erste Damenkollektion. Von 1989 bis 1996 war er Kreativdirektor bei Christian Dior, danach kümmerte er sich wieder verstärkt um die Weiterentwicklung seiner Marke. Auch nach zwei Schlaganfällen machte er weiter wie immer.

Im Februar stand Gianfranco Ferré das letzte Mal auf dem Laufsteg. Mit Sängerin Skin ließ er sich in Mailand für seine scharfen Kimonokleider und seine futuristischen Silberoutfits feiern. Er wird nicht mehr sehen können, wie sie im Laden hängen. Und auch wir haben nur eine Saison Zeit. Denn wenn der Winter um ist, werden seine Kleider aus den Boutiquen verschwinden. Um irgendwann in Museen wieder aufzutauchen. Denn da gehören Meisterwerke hin.

www.gianfrancoferre.com

Text: Stephanie Neumann, Foto: picture-alliance/ SCHROEWIG/ Jens Koch
Themen in diesem Artikel