Fake Fur: Warum Kunstfell eine echte Alternative ist

Von wegen "billiger Fiffi": Fake Fur ist Trend und sieht dank ausgeklügelter Herstellungsverfahren richtig gut aus. Das ist schön für die Mode - und für die Tiere.

Seit der Steinzeit gilt echter Pelz als Statussymbol. Mancherorts ist das bis heute so. Doch das wird immer häufiger in Frage gestellt. Er sieht zwar schön aus, ist natürlich und hält warm, aber... die armen Tiere! Pelz zu tragen kommt nicht überall gut an - das wissen auch die Designer. Marc Jacobs hat sogar vor Kurzem die Kapuze eines Mantels als Kunstpelz deklarieren lassen, obwohl sie tatsächlich zu 100 Prozent aus Kaninchenfell bestand. Bei den Parkas von Outdoor-Spezialist Woolrich kann man in Deutschland zwischen Echt- oder Kunstfellbesatz wählen. Peek & Cloppenburg bietet gar keinen Echtpelz an, lediglich einige Lammfell-Teile. C&A verzichtet komplett. Es geht also auch ohne: Fake Fur ist längst eine Alternative - mit ähnlicher Optik und ähnlichen Eigenschaften ("to fake" heißt auf Englisch "vortäuschen"). Ein Imageproblem hat Webpelz inzwischen nicht mehr, die Schaufenster hängen voll damit. Und was ist mit dem geerbten Pelz von Oma? Die Tiere wären doch sowieso längst... Das ist eine Gewissensfrage, die wir euch nicht abnehmen können. Ein paar andere beantworten wir gern:

Wie und woraus werden Kunstpelze gemacht?

Der so genannte Kunst- oder Webpelz besteht in der Regel aus Baumwolle, Polyester und Polyacryl-Fasern. "Die Herstellung ist kompliziert. Zum Glück gibt es darauf spezialisierte Hersteller und entsprechende Maschinen", erklärt Thorsten Rolfes, Unternehmenssprecher von C&A. "Dabei werden Polyacryl-Fasern in das Grundgewebe aus einem Baumwoll-Polyester-Mix eingewebt." Ein Kleber verhindert, dass sie wieder ausfallen. Das Düsseldorfer Label Unechta der Designerin Bärbel Zech stellt täuschend echt erscheinende Kunstpelz-Schals her: "Wir setzen häufig spezielle Fasern aus Japan ein, um einen besonders schönen Griff zu bekommen. Es sind sehr viele Arbeitsschritte nötig, um etwa die Färbung der Haare vorzunehmen." Häufig sollen die Wurzeln der Haare hell und die Spitzen dunkel sein. Manchmal sogar dreifarbig. "Und es hilft, wenn sie unterschiedlich lang sind, so wie beim Echtpelz." Dann fällt es sogar einem Kürschner schwer, zwischen Original und Fälschung zu unterscheiden.

Und wie können wir echten von unechtem Pelz unterscheiden?

Der Preis ist heute oft kein Indiz mehr. Gut gemachter Webpelz ist teuer - besonders bei Designer-Teilen. Ein paar feststellbare Unterschiede gibt es aber: Während Echtpelz schon bei leichtem Wind wie unser eigenes Haar weht, bleibt der Stand von Webpelz recht stabil. Unter den Haaren wird es deutlich: Pelz befindet sich auf der Haut des Tieres, Webpelz auf Gewebe. Aber auch das lässt sich manchmal nur schwer erkennen. Wenn ihr also sicher sein wollt, macht die Brennprobe - aber bitte an ausgerupften Fasern! Tierhaar riecht wie menschliches Haar nach Horn, wenn es verbrennt, Synthetikfasern jedoch nach Plastik. Sie schmelzen an der Spitze zu winzigen Kügelchen.

Welche Vorteile hat Fake Fur gegenüber Echtpelz?

Für einen kurzen Mantel braucht man die Felle von acht Füchsen, 25 Nerzen oder 34 Kaninchen. Für einen Webpelz-Mantel kein einziges. Echter Pelz muss vor der Verarbeitung mit Chemikalien behandelt werden. Nach einer Studie des unabhängigen niederländischen Forschungs- und Entwicklungs-Instituts CE Delft hat so ein Echtpelzmantel zudem eine deutlich schlechtere Umweltbilanz als ein vergleichbarer Kunstfellmantel. So werden von der Zucht der Tiere bis zur Verarbeitung ihrer Felle ca. 300 kg CO2 freigesetzt - bis zum fertigen Kunstpelzmantel sind es ungefähr 50 kg CO2. Und was auch ganz praktisch ist: Kunstpelz ist leichter, lässt sich einfacher reinigen, zum Teil sogar in der Waschmaschine, und fängt im Gegensatz zu Tierfell bei Feuchtigkeit nicht an zu riechen.

Kaum eine Branche ist so geächtet wie die Pelzindustrie, trotzdem steigt der Umsatz von Echtfell auch in Deutschland an - wie kann das sein?

Das liegt in erster Linie daran, dass jedes Jahr insgesamt mehr Mode verkauft wird. Und damit auch mehr Pelz. Der größte Teil wird zur Zeit jedoch nicht in Form von kompletten Jacken oder Mänteln angeboten, sondern als modische Details und Applikationen an Kragen, Kapuzen und Besätzen. Oder als trendy Mützenbommel. Designerin Bärbel Zech glaubt, dass viele Kunden, die niemals einen Echtpelzmantel tragen würden, kleine Felldetails aus Mangel an Alternativen billigend in Kauf nehmen - auch weil an Kunstpelz immer noch das Image des "billigen Fiffis" hafte. Sie hofft aber, dass ihre Kollegen Verantwortung übernehmen und bald überhaupt keinen Echtpelz mehr anbieten. Ob daraus was wird, entscheiden aber letztendlich vor allem die Verbraucher.

Fake Fur: Kunstfell-Jacken zum Nachshoppen


Text: Vicky Wanka Fotos: Pr BRIGITTE 26/2013

Wer hier schreibt:

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.

Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Faru mit Fake Fur-Jacke
Fake Fur: Warum Kunstfell eine echte Alternative ist

Von wegen "billiger Fiffi": Fake Fur ist Trend und sieht dank ausgeklügelter Herstellungsverfahren richtig gut aus. Das ist schön für die Mode - und für die Tiere.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

E-Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden