Die Geschichte der Mode-Silhouette

Mode war immer ein Spiegel der herrschenden Schönheitsideale. Wir haben die Geschichte der Mode-Silhouette unter die Lupe genommen und festgestellt: Wir können uns locker machen.

Von 90-60-90 zu Size Zero

Wespentaille, 90-60-90, Size Zero, Thigh Gap ... immer wieder tauchen neue Begriffe auf, die Schönheitstrends bezeichnen. Und selbst wer sich nicht dem herrschenden Schönheitsideal unterwerfen will, kommt doch nicht um sie herum. So allgegenwärtig sind sie in Medien und Öffentlichkeit. Gerade in der Mode spielt das Körperbild eine große Rolle. Schließlich formt und inszeniert Mode unseren Körper - unsere Kleidung kann uns eine schmale, feminine Silhouette, starke Schultern oder voluminöse Formen geben - und andererseits ist Mode als Gesamtphänomen mit dem jeweils vorherrschenden Schönheitsideal verknüpft. Skinny Jeans etwa hatten ihren Durchbruch, als sich Anfang der 2000er Jahre der "Size Zero" Chic à la Kate Moss zum Ideal entwickelte und lange, dünne Beine betont werden wollten. In den 90er Jahren trugen modische Frauen bauchfrei, um ihre sportlich trainierte Mitte in Szene zu setzen.

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Ein modischer Blick zurück

Kein Wunder, dass Modetrends und Schönheitsideale auf manch einen einschüchternd oder sogar totalitär wirken können. "Das musst Du jetzt tragen!", scheint die Mode zu diktieren, "und dafür musst Du so aussehen!"

Wenn wir zurückschauen und einen Blick auf die Geschichte der Mode des vergangenen Jahrhunderts werfen, wird deutlich, wie schnell sich Körperideal und Mode-Silhouette gewandelt haben. In den 1920er Jahren schnitt Frau ihre lange Haarpracht ab - die über Jahrhunderte als Inbegriff der Weiblichkeit galt - und trug Bubikopf. Der kurze Haarschnitt symbolisierte die neue Freiheit der Frau, die mit dem Wahlrecht und anderen gesellschaftlichen Veränderungen einherging. Die Kleider endeten plötzlich an den Knien, was Frauen eine neue Bewegungsfreiheit gab. Als die Zeiten in der Weltwirtschaftskrise ernster wurden, alterte auch die Damenmode optisch: Die Röcke wurden wieder länger, die Schnitte erwachsener. Die frivole Feierstimmung der "Goldenen 20er" war vorüber. Schlank, sparsam und ernsthaft musste der Look jetzt sein.

In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg blühte dann auch die Damenmode wieder auf: üppige Rundungen, von Wicklern sorgfältig geformte Haare und opulente Muster und Farben waren angesagt. Frau - wie Mann - musste zeigen, dass es ihr gut geht.

Doch schon in den folgenden Jahrzehnten änderte sich die angesagte Mode-Silhouette wieder. Dünne, mädchenhafte Beine sollten in den 60ern aus den neuen Miniröcken gucken, die Verbannung von BHs und hautenge Jeans feierten knapp ein Jahrzehnt später die Weiblichkeit, und die kantige Damenmode der 80er Jahre ist aus heutiger Sicht unmissverständlich mit der neuen Power-Frau verknüpft.

Das heutige Mode-Ideal: Suchen Sie sich eins aus!

Und heute? Wissen wir von diesen Entwicklungen und davon, wie unbeständig Mode und Körperideale sind. Gleichzeitig ist die Mode schnelllebiger und facettenreicher geworden. Sie greift frühere Strömungen auf, besteht aus unzähligen Parallel-Trends, die scheinbar nahtlos kommen und gehen - oder niemals weg sind. Vergangene Modetrends dienen heute als unerschöpfliche Inspirationsquelle. Auch das Körperideal hat sich vervielfacht. Für jeden Geschmack und jede Figur hat der Modemarkt etwas zu bieten. Wir können uns also entspannen, oder? Manchmal hilft ein Blick zurück, um zu erkennen, wie relativ Ideale und Normen sind.

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