Tara Jarmon: Mode, die auffällt


Designerin Tara Jarmon ist überzeugt: "Die Frau, die meine Mode trägt, will auffallen." Auffällig schön ist ihre feminine Mode tatsächlich - und sie selbst übrigens auch. Wir wollen Ihnen beides nicht vorenthalten!
Tara Jarmon: Mode, die auffällt

Das schulterfreie bodenlange Kleid von Tara Jarmon aus zartem Seidenchiffon hat Gummizüge an der Taille und unter der Brust, ca. 345 Euro. Armband: Bijou Brigitte.

Schlichte Schnitte, knallige Farben

Tara Jarmon: Mode, die auffällt

Pinkfarbenes, leicht glänzendes Kleid mit kurzen Flügelärmeln und einem Bindegürtel in der Taille, ca. 305 Euro.

Ganz viel Liebe zum Detail

Tara Jarmon: Mode, die auffällt

Ecrufarbenes Minikleid aus gewebter Wolle mit einer breiten Häkelblumenborte am Saum, ca. 490 Euro. Sandalen: Apart.

Tara Jarmon: Mode, die auffällt

Elefantengraues Kleid mit großen silbernen Ziersteinen am geschlitzten Ausschnitt, ca. 400 Euro. Pumps: Pedro Garcia.

...und eine extraportion Weiblichkeit

Tara Jarmon: Mode, die auffällt

Kurzes Kleid mit tiefem Ausschnitt und einem großen ornamentalen Muster für ca. 280 Euro. Armband: Bijou Brigitte.

"Das Prinzip Mode: Wenn man genug von einer Sache hat, will man eine andere"

Tara Jarmon: Mode, die auffällt

Tara Jarmon hat Politikwissenschaften studiert, bevor sie zusammen mit ihrem Mann ihr Modelabel gründete. Wir haben die engagierte Designerin in Paris besucht

BRIGITTE: Sie leben in Frankreich, sind aber in Kanada geboren und aufgewachsen. Welche Nationalität hat eigentlich Ihre Mode?

TARA JARMON: Sie ist 100 Prozent pariserisch. Die Pariserinnen habe ich immer schon bewundert: Sie sind elegant, raffiniert und stilsicher, nie trendverrückt oder plakativ. Sie haben ihren eigenen Charakter und sind sich dessen auch bewusst.

BRIGITTE: Sind das die Frauen, für die Sie Ihre Mode machen?

TARA JARMON: Nicht nur, ich verkaufe ja weltweit, auch in Japan oder Italien zum Beispiel. Aber ich habe beim Entwerfen schon Frauen vor Augen, die in großen Städten leben und arbeiten - und sich von der Masse abheben wollen. Die Frau, die Tara Jarmon trägt, will erkannt werden und auffallen. Um diesen "Ah, da ist sie!"-Effekt zu erreichen, arbeite ich gern mit Farben.

BRIGITTE: In der aktuellen Kollektion zum Beispiel mit Orange oder Rosa.

TARA JARMON: Grün mag ich auch sehr gern, außer mir aber offenbar niemand. Es verkauft sich schlecht. Gelb leider auch. Am beliebtesten sind immer noch Schwarz und Weiß. Als Designerin möchte man ja immer Neues bieten, aber die Kundinnen wollen gar nicht jede Saison eine kleine Revolution. Für mich heißt Mode aber trotzdem: das Gewohnte hinter sich lassen, immer wieder Neues ausprobieren.

BRIGITTE: Bevor Sie Designerin wurden, haben Sie Politikwissenschaften studiert. Warum sind Sie heute nicht in der Politik?

TARA JARMON: Weil ich mich zweifach verliebt habe - in einen Mann und in die Mode. Ich bin als 23-Jährige nach Paris gekommen, um zu studieren, und habe hier meinen Mann David kennen gelernt, der Herrenkonfektion machte. Mit seiner Hilfe habe ich mein eigenes Label gegründet, das schnell erfolgreich wurde. Ich fand es sehr spannend, sich professionell mit Mode zu beschäftigen.

BRIGITTE: Spannender als die Politik?

TARA JARMON: Bei Mode und Politik kommt es doch im Grunde auf das Gleiche an: Man muss sich dafür interessieren, wie die Welt aussieht. Ich hab es nie bereut, mich für die Mode entschieden zu haben. Und als Designerin kann ich ja immerhin noch Politikerinnen helfen, besser auszusehen.

BRIGITTE: Haben die das denn nötig?

TARA JARMON: Ihre Angela Merkel macht das schon nicht schlecht, aber trägt sie nicht immer die gleiche Kombination? Ich habe sie noch nie in einem Kleid gesehen. Etwas modemutiger könnte sie ruhig sein. Ein bisschen weiblicher, weniger kastig.

Tara Jarmon: Mode, die auffällt

BRIGITTE: Über männliche Berufspolitiker würden wir jetzt nicht so reden, oder? Die können jeden Tag den gleichen schwarzen Anzug tragen, ohne dass sich jemand aufregt.

TARA JARMON: Stimmt, das ist schon unfair. Nicolas Sarkozy hat bis vor Kurzem scheußliche Anzüge getragen und wurde dennoch zum Präsidenten gewählt. Aber ich finde, wir können uns trotzdem freuen, dass unsere Politik und unsere Arbeitswelt viel weiblicher geworden sind. Als ich in den 80ern anfing, Mode zu machen, traten Frauen vor allem als Assistentinnen oder Sekretärinnen in Erscheinung. Heute haben sie Führungspositionen erobert, entdecken ihre weiblichen Stärken wieder und betonen sie auch souverän. Schulterpolster brauchen sie nicht mehr.

BRIGITTE: Sind in Ihrem Team mehr Frauen oder mehr Männer?

TARA JARMON: Eigentlich nur Frauen. Ich liebe Männer. Aber ich arbeite lieber mit Frauen zusammen. Man versteht sich eben. Stecken Sie vier Frauen, die sich nicht kennen, in einen Raum - sie werden immer ein Thema finden, das sie verbindet. Bei Männern bin ich mir da nicht so sicher. . .

BRIGITTE: Aber wenn es um Mode geht, hat doch jede eine andere Vorstellung.

TARA JARMON: Und doch wieder nicht: Alle wollen sich in ihren Sachen wohl fühlen. Wenn ich zu enge Ärmel schneidere, merke ich das spätestens, wenn niemand mein Kleid kauft. Wie soll man etwas bewegen, wenn man sich nicht bewegen kann?

BRIGITTE: Gut, die Passform sollte stimmen. Aber dann muss man ja noch die richtigen Stoffe, Muster, Silhouetten aussuchen . . .

TARA JARMON: Früher habe ich immer gesagt: Meine Zielgruppe bin ich. Wenn ich etwas gesehen habe, das mir gefiel, war ich überzeugt: Andere werden das auch mögen. Heute wundere ich mich manchmal, wie ich mit so einer naiven, an Leichtsinn grenzenden Selbstsicherheit durch die Modewelt laufen konnte. Denn die ist ja unberechenbar: Diese Saison sind Pullis im Trend, die nächste wieder Blusen. Nur das Prinzip bleibt immer gleich: Wenn man genug von einer Sache hat, will man eine andere. Und das ist auch gut so. Ich jedenfalls mag keine Routine.

BRIGITTE: Nach Routine klingt Ihr Leben überhaupt nicht. Neben Ihrem Job haben Sie auch noch drei Kinder bekommen.

TARA JARMON: Fragen Sie die drei aber bitte nicht, wie ich das hingekriegt habe! Sie würden Ihnen antworten: Maman ist nie zum Elternabend gegangen. Ich hatte immer zu wenig Zeit für meine Kinder, das haben sie mir ganz schön übel genommen. Aber ich brauche meine Unabhängigkeit. Mir war es immer wichtig, mein eigenes Leben zu haben. Meine Leidenschaft ist nun mal dieser Beruf.

BRIGITTE: Und Ihre Tochter, wird sie irgendwann in Ihre Fußstapfen treten?

TARA JARMON: Sie ist jetzt 17. Für sie ist alles möglich, alles neu. Darum beneide ich sie schon sehr. Ach, sie soll einfach alles ausprobieren.

Herstellernachweise

BIJOU BRIGITTE: Hamburg, Tel. 040/60 60 90, www.bijou-brigitte.com

APART: Hamburg, Hotline 018 05/10 34 34, www.apart-fashion.de

PEDRO GARCIA: Düsseldorf, Tel. 02 11/239 85 73, www.pedrogarcia.com

BRIGITTE Heft 10/08 Fotos: Salomon Johansson Produktion: Astrid von Roeder

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