Vier Schauspielerinnen zeigen Ihren Stil

Zeitlos schön: Vier ganz besondere Frauen zeigen ihren Stil - die Schauspielerinnen Lavinia Wilson (26), Barbara Rudnik (47), Stefanie Stappenbeck (31) und Catherine Flemming (38).

Goldgrube Kleiderschrank: Frau in mitten einer Kleiderstange

Lavinia Wilson (26)

Einen ungewöhnlichen und geschichtsträchtigen Namen suchten ihre Eltern für sie aus: Lavinia, Tochter des Latinerkönigs Lavinius. Eine Eltern-Kennlern-Geschichte gab's noch dazu: In der Nähe der italienischen Porta Lavinia wollen sich ihre Eltern kennen gelernt haben. Angeblich. Ob Lavinia das glauben soll, weiß sie nicht, lieber vertraut sie dem, was sie mit eigenen Augen sieht. So realistisch verkörpert sie auch ihre Rollen. Für "Allein" erhielt sie im letzten Jahr den Max-Ophüls-Preis. In dem Film spielt sie eine Studentin, die unter dem selbstzerstörerischen Borderline-Syndrom leidet. Gemustertes Chiffonkleid von Bruuns Bazaar, ca. 129 Euro. Bolerojäckchen von Amuleti J, ca. 243 Euro.

"Mit ganz wenig Verspieltheit lässt sich ganz viel gute Laune in die Welt hinaustragen. Klingt kitschig? Ist aber so."

Ganz nebenbei, beim Spielen im elterlichen Wohnzimmer, wurde Lavinia Wilson entdeckt. Eine Bekannte der Mutter suchte Kinder-Komparsen. Als Elfjährige fand Lavinia es vor allem "lustig", vor der Kamera zu stehen. Wer sonst konnte in den Sommerferien schon ständig so tun, als sei er jemand anderes? Grüner Parka von Closed, ca. 329 Euro, kombiniert mit einem Top im Empireschnitt mit Perlen von Day Birger et Mikkelsen, ca. 135 Euro. Jeans: privat. Stiefel: Chie Mihara. Gürtel: edc by esprit.

"Sexy? Gern. Aber bitte nicht zu vordergründig. Lieber eigenwillig. Lebensbejahend sexy."

Schauspielhoffnung des deutschen Films, Gesicht einer ganzen Generation - mit diesen Etiketten kann Lavinia Wilson wenig anfangen. Keine Ahnung, zu welcher Generation sie gerade gehöre, sagt sie. Das sollen irgendwann andere entscheiden. Sie stecke schließlich noch mittendrin. Knielanges mintgrün schimmerndes Keid im 40er-Jahre-Stil von Drykorn, ca. 149 Euro. Schuhe: Tamaris. Schmuck: H & M.

Barbara Rudnik (47)

"Mode sollte einfach und klassisch sein. Und ungestüm. Denn so ist mein Leben ja auch."

Ein Kiwi-Eisbecher soll verantwortlich dafür gewesen sein, dass Barbara Rudnik Schauspielerin wurde. Sie servierte ihn einem Filmhochschüler, der sie daraufhin entdeckte. Ihren Schauspielunterricht verdiente sich Barbara Rudnik mit diversen Nebenjobs. Längst haben nicht nur Eisesser ihr Talent erkannt: "Der Sandmann" brachte Barabra Rudnik den Adolf-Grimme-Preis, der Thriller "Tödliches Vertrauen" eine Nominierung für die Goldene Kamera. Bis heute war sie in mehr als 100 Filmen zu sehen. Petrolfarbenes Jerseykleid von Mango, ca. 50 Euro.

"Warum will jeder jederzeit unbedingt up to date sein? Old-fashioned kann auch sehr stilvoll sein. Hauptsache, alles ist stimmig."

Sie möchte auf ihrem Fahrrad durch München radeln können, ohne ständig erkannt zu werden. Das ist Barbara Rudnik wichtiger, als permanent Schlagzeilen zu machen. Über ihr Privatleben redet sie ungern. Lieber nimmt sie in ihrem Wochenendhäuschen in Oberbayern den Spaten in die Hand und gräbt den Garten um. Eben geerdet, diese Frau. Karierter doppelreihiger Mantel von Marithé + François Girbaud, ca. 629 Euro. Darunter: olivgrüne Seidenbluse von René Lezard, ca. 169 Euro. Jeans: Closed.

"Wenn ich mich in meiner äußeren Hülle wohl fühle, hilft das meinem Inneren - dieses Wechselspiel wird für mich immer faszinierend bleiben."

Beruflich mag es sie gegeben haben, die Mode- und Stilausrutscher: beengte Kostüme, lange rote Fingernägel und als Accessoire ein roter Porsche. Anfang der 90er wurden Barbara Rudnik eben auch mal die falschen Rollen angeboten. Privat gab es solche Ausrutscher nicht - sie ist ihrem Stil immer treu geblieben: uneitel, unaufgeregt, schlicht. Bodenlanger goldener Rock von René Lezard, ca. 599 Euro. Kurzärmliges Cashmere-Oberteil von Agnona, ca. 324 Euro. Kette: H & M.

Stefanie Stappenbeck (31)

"Experimente sind nichts für mich. Einfach, schlicht und klar muss es sein. Das reicht mir."

Für ihre Rolle in Heinrich Breloers "Die Manns" musste Stefanie Stappenbeck als Monika Mann in Kostüme vieler Modejahrzehnte schlüpfen. Ein bisschen unwohl hat sie sich darin gefühlt, irgendwie fremd. Wie aus der Zeit gefallen. Schließlich waren es ja auch nicht ihre eigenen Kleider. Olivbraunes Seidenkleid im Cache-Cœur-Stil mit kleinen cremefarbenen Punkten von René Lezard, ca. 349 Euro.

"Früher bin ich oft ungeschminkt, mit Parka und Baseballmütze herumgelaufen. Heute mag ich's weiblicher. Denn sich als Frau zu fühlen ist einfach schön."

Wem anspruchsvolle Rollen in engagierten Kleinprojekten wichtiger sind als lukrative Fernseh-Großproduktionen, der muss gelegentlich Opfer bringen. Für Stefanie Stappenbeck hieß dies eine Zeit lang: sparen. Das macht bekanntlich erfinderisch. So ging sie meist zur 15-Uhr-Vorstellung ins Kino, um sich gleich danach noch in die Anschlussvorstellung schleichen zu können. Wenn das keine Kunstbegeisterung ist... Grauer Cashmere-Pullover von Patrizia Pepe, ca. 147 Euro. Bleistiftrock von Blacky Dress, ca. 80 Euro. Schuhe: privat.

"Wenn ich ein Kleid suche, suche ich nicht irgendeins. Sondern eines, das zu mir passt."

Eine Weltverbesserin ist Stefanie Stappenbeck nicht, aber so viel Welt wie möglich möchte sie in die Filmkünstlichkeit bringen. Dieses Ziel verfolgt sie schon länger als die Hälfte ihres Lebens, vor der Kamera oder auf der Theaterbühne. Für ihre Rolle in Margarethe von Trottas "Dunkle Tage" wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis und der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Trägerloses Empirekleid mit Blütenmuster von Mango, ca. 90 Euro. Schuhe: Blueprint. Schmuck: H & M

Catherine Flemming (38)

"Jede Frau sollte ein Geheimnis haben. Und einen Stil finden, der dieses Geheimnis bewahrt."

Sie verrät ihr Geheimnis nicht. Sie lacht einfach. Und antwortet dann doch auf die Frage, wie sie ihren Stil einordnen würde: mal mystisch und verrucht, mal wild, exzentrisch und dekadent. Mal Zauberin, mal Zigeunerin. Wie auch immer: Der Stil müsse ihr und ihrem Leben folgen, nicht umgekehrt. Zum Glück sei er ziemlich folgsam, sagt sie dann noch. Gerade geschnittenes Tunikakleid von Heart Made, ca. 490 Euro. Gestreifter Strickmantel: privat. Ring: Bulgari.

"Sich in Mäntel hüllen, in ihnen verschwinden, das mag ich sehr. Abtauchen. Dahin, wo man mich nicht gleich findet."

Neues ausprobieren, sich immer wieder neu finden, das war für sie schon immer wichtig und bleibt es auch. Damit wird Catherine Flemming nie aufhören. Darum steht sie auch bald hinter der Kamera, als Dokumentarfilmerin. Und hat mit Bela B. von den "Ärzten" ein Hörbuch produziert: "Venus im Pelz" - für die Anti-Pelz-Kampagne peta. Auf dem Cover ist sie unverhüllt. Stilvoll unverhüllt, versteht sich. Rosa Mohairmantel von Daks, ca. 360 Euro. Rückenfreies Neckholder-Kleid in Bordeaux von Filippa K., ca. 120 Euro. Schuhe: privat. Netzstrumpfhose: Falke.

"Unserem Zeitgeist fehlt ein wenig die Romantik. Wie schade. Denn Romantik ist doch zeitlos."

Etwas Kämpferisches, Revoluzzerhaftes, ja fast Aggressives spürte Catherine Flemming lange Jahre in sich. Und legte davon auch einiges in ihre Rollen, u. a. in der beeindruckenden Vilsmaier-Produktion "Hunger - Sehnsucht nach Liebe". Seit einiger Zeit nun fühlt sich ihr Leben weicher, leichter an. Kein Wunder, dass sie derzeit fast nur noch Kleider trägt. Catherine Flemmings Lieblingskleid von Dolce & Gabbana.

Produktion: Wiebke Broecker Text: Sina Teigelkötter Fotos: Gabo Frisuren und Make-up: Sascha Wobido/M4 Motion BRIGITTE 24/2005
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