Diese Brautkleider haben eine ganz besondere Geschichte

Judith Erb aus Essen verkauft bezaubernde Vintage-Brautkleider und erzählt die Liebesgeschichten der Bräute von damals.

Judith Erb hat sich verquatscht. Das passiert ihr oft, wenn wieder jemand vorbeikommt, um ein gebrauchtes Hochzeitskleid abzugeben. "Die Leute erzählen mir ihre Geschichten", sagt die 34-Jährige. "An den Kleidern hängen so viele Erinnerungen, die sie gern teilen." Das Paar, das gerade in ihrem Studio in Essen-Rüttenscheid zu Besuch war, ist seit 50 Jahren verheiratet - und hatte einige Hochzeitsanekdoten zu erzählen. Zum Beispiel, wie damals nach der kirchlichen Trauung Pfennige für die frisch Vermählten in die Luft geworfen wurden. "Mir macht es total viel Spaß zu sehen, wie einige Paare auch nach 50 Jahren Ehe immer noch funkeln und glücklich miteinader sind", erzählt Judith Erb.

Welche Schätze schlummern noch in den Schränken?

Hat ein Faible für Dinge mit Geschichte: Judith Erb aus Essen, Gründerin von "Vererbt".

Seit März 2015 gibt es ihr Brautmode-Label "Vererbt". Sie kauft gebrauchte Brautkleider aus den 50er- bis 90er-Jahren, lässt sich die Geschichte des Brautpaars erzählen und verkauft die aufgearbeiteten Kleider dann weiter. Die Modelle tragen den Namen der einstigen Braut. "Jutta", "Barbara", "Doris" oder "Roswitha" heißen einige der aktuellen Kleider, die für 300 bis 350 Euro zu kaufen sind. Und zu jedem Kleid gibt es die passende Liebesgeschichte. Wie hat sich das Paar damals kennengelernt? Wie war die Hochzeit? Wie lange waren die beiden verheiratet?

In Absprache mit der zukünftigen Braut werden die Kleider dann von einer Schneiderin angepasst. "Früher waren die Ausschnitte sehr hochgeschlossen, das ändern wir oft. Oder wir nehmen die Ärmel ab", erklärt Judith Erb. Dank eines Artikels in der Lokalzeitung hat sich ihre Idee herumgesprochen; die meisten Kleider bekommt sie von Frauen aus der Region. Zu ihren Kundinnen zählen ganz unterschiedliche Frauen. "Für viele spielt der Nachhaltigkeitsgedanke eine Rolle und die Tatsache, dass das Kleid eine Geschichte hat", so Judith Erb. Und eines hätten sie alle gemeinsam: Sie wollen nicht in einem Standardkleid heiraten.

Das märchenhafte Hochzeitskleid "Roswitha" aus dem Jahr 1964

Die Geschichte: Roswitha und ihr Mann haben sich auf dem Oktoberfest kennengelernt. Für das Fest war der Cousin zu Besuch gekommen und hatte einen Freund mitgebracht. Dieser ist heute Roswithas Mann. Über zwei Jahre schrieben sich die beiden Verliebten Briefe und sahen sich nur zum alljährlichen Oktoberfest in München wieder. Damals wohnte Roswitha noch in Bayreuth. Geheiratet wurde dann erst fünf Jahre später (1964) in einer Wallfahrtskirche in der fränkischen Schweiz. Es war ein typischer Novembertag, zu dem das Kleid perfekt passte. In der Nacht fing es sogar an zu schneien. Gerne erinnert sich Roswitha zurück an ihre Hochzeit mit Brautentführung und vielen Freunden und Verwandten. Das Kleid wurde damals eigens für Roswitha maßgeschneidert. Als gelernte Konfektionsschneiderin half sie zum Teil sogar selbst mit. Nach der Hochzeit zog das Paar in eine gemeinsame Wohnung nach München - in der sie noch heute leben und in 2014 ihre goldene Hochzeit gefeiert haben. Mehr Infos zu dem Kleid findet ihr unter www.vererbt.com.

Wie kommt man darauf, gebrauchte Hochzeitskleider zu verkaufen?

Judith Erb ist studierte Wirtschaftsingenieurin. Und sie hat eine Schwäche für Dinge mit Geschichte. Im vergangenen Jahr haben zwei gute Freundinnen von ihr geheiratet. "Dadurch war das Thema Hochzeitskleid sehr präsent", sagt sie. "Wir haben viel darüber gesprochen, wieviel Geld man für ein Kleid ausgibt, das man nur an einem einzigen Tag trägt." Irgendwann kam ihr dieser Gedanke: "Man müsste in Deutschlands Schränke schauen können, um zu sehen, welche Schätze dort hängen."

Einige dieser Schätze hat sie in den vergangenen Monaten schon geborgen. Und die begeisterten Rückmeldungen ihrer Kundinnen bestärken sie. Kürzlich war Judith Erb sogar zur Hochzeit einer Kundin eingeladen. "Das war toll", sagt sie. Und sie selbst - hat sie auch in einem Vintage-Brautkleid geheiratet? "Nein", sagt sie und lacht. "Aber das kann noch kommen."

Das lange Hochzeitskleid "Jutta" aus dem Jahr 1979

Die Geschichte: Jutta hat 1979 geheiratet. Zu dieser Zeit war es sehr schwierig, ein Kleid für eine 1,83m große Frau zu bekommen. Da Juttas Mutter gelernte Schneiderin war, hat sie das Kleid selbst entworfen und angefertigt. "Meine Mutter hat das Kleid mit sehr viel Liebe und dem ihr eigenen Hang zur Perfektion genäht, und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Deswegen ist dieses Kleid für mich etwas ganz Besonderes, ein absolutes Einzelstück, auf das ich sehr stolz war", berichtet Jutta. Sie gibt es gerne in neue Hände, damit es noch mal einen Auftritt erleben darf. Mehr Infos zu dem Kleid findet ihr unter www.vererbt.com.

Noch mehr Brautkleider und Impressionen aus Judith Erbs Studio:

Bei "Vererbt" gibt es gebrauchte Hochzeitskleider mit Geschichte

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