Abfall richtig entsorgen: Was gehört wohin?

Im letzten Heft hatten wir den Abfall-Trennungsguide und von euch kamen danach viele, viele Fragen. Deshalb noch mehr Wahrheiten über unser aller Trash.

Material ist mit anderem Material verschweißt - und jetzt?

Es ist echt zum Heulen, dass kaum eine Verpackung nur aus einem Material besteht. Frage also: dann in den Restmüll oder doch die Wertstofftonne riskieren? Ganz nach dem Motto, irgendwas davon werden sie schon verwerten ... Das sei tatsächlich schwierig, sagt Frederike Farsen von der Verbraucherzentrale NRW. Einerseits: "Bevor etwas, dass nicht in eine Wertstofftonne gehört, die anderen, wertvollen Stoffe womöglich verschmutzt, ab in den Restmüll damit." Die Anlage für Plastik und Co. würde den blinden Passagier eh rausfiltern und in die Verbrennung chauffieren. Den Extralaster können wir der Welt ersparen. Andererseits: Glas und Plastik zum Beispiel zusammengeschweißt, sollte doch lieber in den Glascontainer, damit wenigstens das wertvolle Glas recycelt wird. Geht's noch komplizierter?! Ey, Industrie, kannst du Produkte endlich mal in sortenreine Päckchen stecken?

Warum gibt's kein Leihsystem auf alles?

Also auf Sektflaschen, Glaskonserven, To-go-Doggybags ... Denn wieso sollte das Mehrwegsystem nur für bestimmte Lebensmittel funktionieren? Dafür gibt es tatsächlich gute Gründe. Das Wichtigste: Es müssen genug Behälter im Umlauf sein, die also auch immer wieder zurückgebracht werden, damit die Händler nicht ständig neue dazukaufen müssen. Und das ist das Problem: Hat nicht jeder von uns irgendwo einen halbleeren Schnaps rumstehen oder die leere Milchflasche, die auf ihre Retoure wartet? Eben. Let's face it: Wir Verbraucher*innen würden unsere Mehrweggläser horten wie unsere Einweg-Pfandflaschen (mindestens drei Säcke voll). Gerade bei Milch und Joghurt kämen die Gläser oft verzögert zurück, sodass Abfüller mehr Mehrweggläser als notwendig kaufen müssten, damit das System funktioniert, sagt Frederike Farsen. Bitter: Deswegen scheuen auch einige Cafés und Restaurants To-go-Behälter. Sie wollen nicht stetig neue dazukaufen. 

Müssen wir den Deckel vor dem Pfand eigentlich abschrauben?

"Auf keinen Fall!", sagt unsere Expertin. Auf den Glas- und Kunststoff-Mehrwegflaschen schützt der Deckel das Schraubgewinde, also den Flaschenhals. Wandert die Flasche ohne Deckel in den Pfandautomaten, kriegt der Flaschenhals schnell Kratzer. Die Flasche wird dann aussortiert und eingeschmolzen, statt wieder befüllt. Das wäre tragisch, weil unbeschadete Glasflaschen sonst bis zu 50 mal wiederbenutzt werden können! Deshalb: bei Mehrwegflaschen Deckel drauflassen! Aber bei den PET-Flaschen muss der doch ab, oder? Nope. Was die wenigsten wissen: Die meisten Deckel sind aus dem gleichen Material wie die Behälter und können sortenrein (also in besonders guter Qualität) recycelt werden. Übrigens: Viele Hersteller versuchen, ihre PET-Flaschen endlich aus hundertprozentig recyceltem Plastik herzustellen. Henkel gewinnt seit 2019 zum Beispiel einen Großteil der Waschmittel- und Shampoo-Verpackungen aus Altplastik. 

Bäh. Schimmel in der Packung. Restmüll oder gelber Sack?

Okay Leute, jetzt mal eins vorweg: Wir tun viel für die Umwelt, aber wir müssen nicht unsere Gesundheit gefährden. Also bitte nicht aufmachen und Sporen einatmen, nur damit wir pflichtbewusst den verschimmelten Käse für die Biotonne aus der Packung kratzen und die Plastikhülle strebermäßig in die gelbe Tonne schmeißen. Falsch ist aber auch, das Ganze eingeschweißt im gelben Sack zu verstauen, à la: Wenigstens rette ich noch das Plastik. Das Innere könnte nämlich auf den Sortierbändern platzen und andere Plastikteile drum herum beschmutzen. Die Sortieranlage hat es dann verdammt schwer, die anderen Verpackungen noch zu erkennen, und kann sie schlimmstenfalls nicht mehr recyceln. Unsere Expertin rät deshalb: verschimmeltes Essen bitte samt Packung in den Restmüll. Es ist, wie es ist. 

Wohin mit alten Fotos?

Hach ja, die Abifahrt an die Ostsee, der Schulball oder der erste WG-Umzug - alles fein säuberlich auf tausend Fotos dokumentiert. Ein paar Memorys sind ja ganz nice, nervig nur, wenn Mama sie gleich kartonweise aus dem Keller holt. Schon ist die Frage da: Und was soll ich jetzt damit? Die Papiertonne will die alten Schinken jedenfalls nicht. Sind halt alle beschichtet. Also am besten innerlich "danke" sagen, zerreißen und in den Restmüll damit.

Crazy Regeln für den Kompost

Ihr habt einen Kompost? 1+ mit Sternchen! Kennt ihr auch die Do's und Dont's dazu? Gartenabfälle dürfen rein, also Zweige, Stroh, Blätter, Kleintiermist (ja, auch Kaninchenköddel) sowie Küchentrash wie Kaffeesatz, Tee (aber nur im Papierbeutel), Eierschalen (da kalkhaltig, also gut für den Boden), Kräuter und klar: Reste von rohem Gemüse, Obst und deren Schale - auch verschimmelt, gammelt auf dem Kompost ja eh. Was aber auf keinen Fall reindarf: gekochte Essensreste, Gräten, Knochen, Wurst, Käse, Hundekot und Katzenstreu. Das lockt nur die Ratten an. Fun Fact: Schnittblumen dürfen nicht per se auf den Haufen! Sie werden häufig gespritzt und ruinieren dann euer ganzes Biosystem. Gleiches gilt für Zitrusfrüchte (in Maßen aber okay, laut Verbraucherzentrale). Für alle Öko-Nerds: den Sticker von der Bananenschale vorher natürlich abknibbeln, ne?

Elektroläden müssen alte Handys nehmen!

Breaking News: Um ein kleines Elektrogerät zu entsorgen, müssen wir nicht extra zum Recyclinghof juckeln. Hat das Handy oder der kaputte Fön weniger als 25 Zentimeter Kantenlänge, können wir das Teil bei jedem Elektrohandel mit einer Laden- und Lagerfläche von mindestens 400 Quadratmetern abgeben. Solche Geschäfte sind seit 2016 dazu verpflichtet, auch wenn wir die Geräte einst woanders gekauft haben!

Hast du Lust, mehr zum Thema zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Dann schau im "Wissenschaft und Umweltschutz-Forum" der BRIGITTE-Community vorbei.

In BE GREEN, dem neuen Nachhaltigkeitsmagazin von BRIGITTE, lest ihr das exklusive Interview mit Greenfluencerin Louisa Dellert, in dem sie fordert: "Parteien sollten sich zusammentun!"

BRIGITTE BE GREEN 1/2020

Wer hier schreibt:

Liske Jaax
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