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CO2 sparen: Tipps und Tricks für den Alltag

CO2 sparen: Mädchen im Bus liest Buch
© RossHelen / Shutterstock
2,7 Tonnen CO2 dürfen wir pro Jahr emittieren, wenn wir klima­freundlich leben wollen. Die Wahrheit ist: Im Schnitt kommt jeder von uns auf unfassbare elf Tonnen. Drei Frauen haben für uns ihren Alltag getrackt und eine Expertin draufschauen lassen – ihr CO2-Kassensturz.*

Jessica, die Veggieloverin

Sie denkt: Ich bin im guten MittelfeldFakt ist: Netflix haut ganz schön rein

CO2 sparen: Jessica, die Veggieloverin
Jeesica, 49
alleinerziehend
lebt mit Tochter Janice, 18, in einem Haus in Niedersachsen
2 Katzen und ein Pony
isst vegetarisch
Netflix-Junkie
fährt Rad und Öffis, fliegt einmal im Jahr
© Lena Scherer / Brigitte

WOHNEN: Jessica lebt mit ihrer Tochter Janice und zwei Katzen in einem, wie sie sagt, "viel zu großen Haus" aus dem Jahr 1968 in Niedersachsen. Die 100 m² werden mit Heizöl beheizt. Oh oh… Das sagt die Expertin: "Ja, Heizöl ist ein heftiger Klopper in der Jahresbilanz: 2,7 t CO2. Mit Fernwärme käme das Haus auf 2,3 t CO2. Was klasse ist: Die Familie bezieht Ökostrom (für zwei Personen: 44 kg CO2/Jahr) – das spart Ressourcen. In einer Öko-Kilowattstunde stecken durchschnittlich nur 15 g CO2, im normalen Graustrom-Mix aus fossilen, erneuerbaren und atomaren Brennstoffen wären es 500 g CO2." 

WASCHEN: Die Waschmaschine läuft 26-mal/Jahr bei 40 Grad. Expertin: "Das ist schön wenig und macht 12 kg CO2 pro Person. Aber da geht noch was: Bei 30 Grad waschen wäre klimafreundlicher."

FREIZEIT: Rund 70 Minuten ist Jessica am Netflixen – jeden Tag. Expertin: "Das macht 368 kg CO2 im Jahr. Was viele nicht wissen: Eine Stunde Streamen verursacht 833 g CO2! Analog-TV nur 125 g CO2. Mein Rat wäre, wieder öfter auf den Fernseher umzusteigen. Oder eine gute alte DVD auszuleihen." 

VON A NACH B: Jessica besitzt kein Auto, fährt viel mit Öffis und Rad. Expertin: "Macht 50 kg CO2 im Jahr! Ein klasse Wert – sind nur 3,3 Prozent von dem, was der Durchschnittsdeutsche im Jahr für Transport emittiert, Flugreisen rausgerechnet. Wermutstropfen: Durch eine jährliche Flugreise erhöht Jessica ihre schöne Jahresbilanz auf 828 kg CO2 im Jahr."

ESSEN: Die 45-Jährige ist seit vielen Jahren Vegetarierin, kauft meist im Supermarkt ein. Expertin: "Ihre Veggie-Ernährung entspricht 1,2 t CO2 im Jahr (zum Vergleich: Ein Durschnittsfleischesser kommt auf 1,76 t CO2). Aber die Wahrheit ist auch: Käse ist ebenfalls schlimm: In 1 kg stecken nämlich ganze 8,5 kg CO2 – in einem Kilo Gemüse aber nur 121 g CO2. Mein Tipp: statt komplett zu verzichten, einfach reduzieren und ab und an zu veganem Käse oder Veggie-Aufstrich greifen."

TIERE: Zwei Katzen (Chico und Lady) und eine ­Reitbeteiligung (Pony Charly). Expertin: "Die beiden Kittys sind ganz schöne CO2-Schleudern: Mit ihrem täglichen Trockenfutter bringen sie es auf 306 kg CO2 im Jahr. Und das Pony kommt auf ganze 3 t CO2 jährlich! Aber weil sie es mit an­- deren teilt, sind es nur 450 kg CO2."

CO2 sparen: Jessica und Janice mit Tagebuch
Das Leben als Liste 
Jessica und Janice führten eine Woche lang für uns Tagebuch 
© Lena Scherer / Brigitte

Jessicas Bilanz:

6,7t CO2

  • Wohnen: 2,67 t
  • Essen: 1,2 t
  • Von A nach B: 0,87 t
  • Tiere: 0,75 t
  • Öffentliche Emmissionen: 0,73 t
  • Freizeit: 0,44 t

TIPP:

– 313 kg CO2

… wenn Jessica ihre Zeit statt vor Netflix vorm analogen TV verbringen würde

Michelle, die Öko-Wonder-Woman

Sie denkt: Ich bin ganz gut

Fakt ist: Sie ist ein Ass! Nur Wäsche geht noch besser

CO2 sparen: Michelle, die Wonder-Öko-Woman
Michelle, 23
Fotografie-Studentin 
wohnt in einer 40-Quadratmeter-Wohnung in Dortmund
heizt mit Gas, hat kein Ökostrom
fährt mit Öffis, fliegt gar nicht
isst bio und die meiste Zeit vegan
© Ute Friederike Schernau / Brigitte

WOHNEN: Michelle lebt allein in einer 40-Quadratmeter-Wohnung in Dortmund. Expertin: "Pauschal gilt: je weniger Quadratmeter, desto besser für die Umwelt. Außerdem schneidet ein Mehrfamilienhaus besser ab als ein frei stehendes Haus, weil Wärme von den Nachbarn abgegeben wird. Was Michelle als Mieterin schlecht ändern kann, ist, wie die Wohnung beheizt wird. Ihre Gasheizung kommt im Jahr auf 600 kg CO2. Was sie aber tun könnte: von Grau- auf Ökostrom wechseln. Damit würde sie ihre Ökobilanz in diesem Punkt um 90 Prozent senken, von 810 kg CO2 auf 81 kg CO2."

WASCHEN: Michelle stellt ein- bis zweimal die Woche bei 40 oder 60 °C eine Maschine an. Expertin: "Hier sehe ich Potenzial, denn am meisten CO2 wird fürs Aufwärmen des Wassers aufgewendet. Wenn sie nur noch bei 40 °C waschen würde, käme Michelle auf 55 statt auf 68 kg CO2 im Jahr. Reduziert auf 30 °C würde der Energieverbrauch noch mal um 35 Prozent gesenkt. Und keine Sorge: Die Waschmittel reinigen auch bei niedrigen Temperaturen super. Nur sollte alle paar Wochen eine Wäsche auf 90 °C angestellt werden, um Keime zu vermeiden." 

FREIZEIT: Um Unikram zu erledigen, verbringt die 23-Jährige viel Zeit vorm Laptop – hochgerechnet aufs Jahr sind das immerhin 1248 Stunden. Dazu kommen 208 Stunden Streamen durch Netflix und Co. Expertin: "Die Lap­toparbeit bringt 15 kg CO2, der Fußabdruck beim Streamen liegt mit 173 kg CO2 aber deutlich höher. Das hat mit dem Internet zu tun, das hinter den Streamingdiensten steht: Die Server müssen schließlich gekühlt werden. Tipp: Wenn Michelle wirklich supergrün unterwegs sein möchte, sollte sie das Streamen auf ein Minimum reduzieren. Aber ganz ehrlich: Die vier Stunden in der Woche, die sie angegeben hat, sind echt noch im Rahmen."

VON A NACH B: Michelle ist nur mit dem Rad, der Bahn und Öffis unterwegs und kommt damit im Jahr auf 325 kg CO2. Aufs Fliegen verzichtet sie. Expertin: "Wirklich top! Zum Vergleich: Nur ein Flug von München nach Hamburg und zurück würde ihre Jahresbilanz sofort verdoppeln."

ESSEN: Michelle lebt vegan und isst nur aus gesundheitlichen Gründen einmal die Woche Fisch. Außerdem achtet sie bei ihren Lebensmitteln auf Bio, Regionalität und Saison. Expertin: "Wow! Sie ernährt sich wirklich sehr klimafreundlich und kommt damit auf etwa 1 t CO2 jährlich – der Durchschnittsdeutsche ,isst‘ 1,74 t CO2 im Jahr. Michelle ist quasi nicht zu unterbieten."

CO2 sparen: Michelle
Not ready for Take-Off
Seit 5,5 Jahren ist die Studentin nicht mehr in ein Flugzeug gestiegen 
© Ute Friederike Schernau / Brigitte

Michelles Bilanz:

3,7t CO2

  • Wohnen: 1,4 t
  • Essen: 1 t
  • Öffentliche Emmissionen: 0,73 t
  • Von A nach B: 0,32 t
  • Freizeit: 0,18t
  • Waschen: 0,06 t

Tipp:

– 14kg CO2

…wenn Michelle ihre Wäsche nur noch bei 30 statt bei 60 Grad waschen würde

Sabine, die entspannte Öko-Muddi

Sie denkt: Bei uns gibt’s einiges, was die Jahresbilanz ruiniert

Fakt ist: Ist auch so. Überraschende CO2-Klopper: Kaffee und Käse

WOHNEN: Mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt Sabine am Stadtrand von Hamburg in einem frei stehenden Haus von 1960, das mit Erdgas beheizt wird. Immerhin: Die Familie bezieht Ökostrom. Expertin: "Von allen fossilen Brennstoffen ist Erdgas der am wenigsten schlimme. Sabine kommt damit auf 1,2 t CO2 im Jahr – das ist deutlich unter dem deutschen Pro-Kopf-Ausstoß für Heizung (1,64 t CO2/Jahr). Auch beim Ökostrom liegt sie mit 18 kg CO2 weit unter Durchschnitt (760 kg CO2). Daumen hoch!"

CO2 sparen: Sabine, die entspannte Öko-Muddi
Sabine, 43, Redakteurin 
verheiratet, zwei Kinder (9 und 5)
lebt am Stadtrand von Hamburg in einem 140 Quadratmeter großen Haus von 1960
ein Auto, zur Arbeit mit Öffis, beruflich einige Flüge
kauft regional und bio ein
© Lena Scherer / Brigitte

WASCHEN: Was einer vierköpfigen Familie immens das Leben erleichtert, ist – klar – ein Trockner. Expertin: "Leider haut der ganz schön rein: Mit 91 kg CO2 ist er im Jahr fast doppelt so klimaintensiv wie alle Wäschen im Haushalt zusammen (55 kg CO2). Tipp: im Winter trocknen, ab Frühling aufhängen an der frischen Luft. Auch wenn’s aufwendiger ist."

VON A NACH B: Die Familie hat ein Auto, das unter der Woche für Großeinkäufe und Fahrgemeinschaften, in den Ferien für Urlaube genutzt wird. Zur Arbeit fährt Sabine mit Öffis. Beruflich fliegt sie ab und zu. Expertin: "Ordentlich zu Buche schlägt das Auto: Mit 12 000 Kilometern jährlich kommt die Familie auf einen CO2-Austoß von 1,8 t, heruntergerechnet auf Sabine sind das 441 kg. Nicht wenig, aber noch unter dem Durchschnitt von 1,5 t. Wenn Fahren, dann am besten mit vielen Mitfahrenden, Kolleg*innen oder Freund*innen. Wirkliche Kracher sind die Flüge, die Sabine als Redakteurin öfter beruflich antritt: mit 1,9 t CO2 der größte Teil ihrer Jahresbilanz. Und damit das Dreifache, was die Durchschnittsbürger*innen mit Flügen verballern! Das tut ziemlich weh. Wenn weder Skype noch Bahnfahrten die Lösung sind (eigentlich kaum vorstellbar), könnte Sabine ihre Firma anregen, Kompensationszahlungen zu leisten. Manchmal muss man eben nerven."

ESSEN: Sabine isst einmal pro Woche Fleisch und oft Bioprodukte. Expertin: "Regionale Produkte emittieren in der Regel weniger als Lebensmittel mit weiten Transportwegen. Toll ist, dass Sabine die Dinge, die sie nicht ändern kann, auszugleichen versucht: Wenn die Kinder in Kindergarten und Schule mittags Fleisch essen, gibt’s daheim später kaltes Abendbrot. Das ist oft klima­freundlicher als ein gekochtes Gericht, weil weniger verarbeitete Lebensmittel drinstecken. Schwierig sind aber Wurst und Käse. Ein überraschender Fact: Die Herstellung von 100 g Wurst verursacht weniger CO2 als die von 100 g Käse. Noch so ein Ding ist Butter. Würde die Familie auf Margarine umsteigen, könnte sie pro Kopf im Jahr durchschnittlich 131 kg CO2 einsparen. Super ist, dass die Kinder Hafermilch trinken, die kommt auf nur 31 Prozent der Emissionen von Kuhmilch. Vielleicht könnte Sabine das in Zukunft ja auch versuchen? Damit könnte sie, bei einem Kaffee täglich, pro Jahr 5 kg CO2 einsparen."

FREIZEIT: Sabine schaut nie allein fern oder ­Netflix, höchstens mal mit den Kids. Expertin: "Große klasse! Macht null CO2!"

CO2 sparen: Sabine mit Kind
Shop Local 
Sabine kauft für die Family so oft es geht Produkte aus der Region auf dem Markt 
© Lena Scherer / Brigitte

Sabines Bilanz:

6,6t CO2

  • Von A nach B: 2,76 t 
  • Essen: 1,8 t 
  • Wohnen: 1,17 t 
  • Öffentliche Emmissionen: 0,73 t 
  • Waschen: 0,14 t 

Tipp:

– 5kg CO2

…wenn Sabine sich in ihren Kaffee Hafer- statt Kuhmilch gießen würde

*Die Berechnungen beruhen, wenn nicht genau bezifferbar, auf realistisch geschätzten Annahmewerten. Außerdem handelt es sich bei den Emissionen korrekterweise um CO2- Äquivalente, also alle Treibhausgase umgerechnet auf die Klimaschädlichkeit von CO2. Zur Vereinfachung ist hier nur von CO2 die Rede.

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BRIGITTE BE GREEN 01/2020

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