VG-Wort Pixel

Glasflaschen Wie nachhaltig sind die wirklich?

Glasflaschen: Verschiedene Glasverpackung
© Room 76 / Shutterstock
"Komm, lass uns lieber die Glasflasche statt Plastik nehmen." Sagt ihr auch oft? Ist halt die Frage, ob das immer die bessere Wahl ist ...
Anne Dittmann

Ganz schön dirty

Einmal kurz hinsetzen, bitte: In Deutschland verbraucht die Glasindustrie ähnlich viel Energie wie die Luftfahrt! Jep, richtig gelesen. 50 Prozent der Emissionen gehen dabei für die Produktion von Flaschen, Tiegeln oder Flakons drauf. Die "Schmelze" ist am CO2-lastigsten, denn dabei wird Erdgas eingesetzt. Bevor das Glas nämlich geformt werden kann, wird mit Erdgas eine Mischung aus Scherben, Quarzsand, Kalk und anderen Rohstoffen auf 1600 Grad erhitzt. Immerhin gibt es zwei Lichtblicke: Am Einsatz von Wasserstoff statt Erdgas wird geforscht. Außerdem soll nächstes Jahr in einem Pilotprojekt in Deutschland eine riesige Elektroschmelzwanne entstehen. Das Ziel: 50 Prozent weniger CO2 rauspusten.
Die Produktion ist CO2-mäßig ’ne Katastrophe.

Mehrweg gewinnt?

Gute Nachricht vorweg: Glasflaschen lassen sich 50-mal wiederbefüllen, bei Mehrweg-PET sind es nur 25 Umläufe. Klingt nach glasklarem Sieger? Jein. Das Problem ist: Pro 1000 Liter Inhalt verursacht die Plastikflasche tatsächlich weniger CO2 als Glas! Das liegt auch am höheren Gewicht beim Transport und – zum Beispiel bei Milch – daran, dass zu wenige Molkereien Glas überhaupt anbieten und die Flaschen zum Wiederbefüllen quer durchs Land gekarrt werden. Das Erstaunliche: Aktuell ist es fast egal, ob man im Regal zu Plastik oder Glas greift – Hauptsache, Mehrweg, so die Deutsche Umwelthilfe. Zumindest solange für die Glasproduktion Erdgas nötig ist (wie CO2-lastig das ist, siehe links). Crazy Fact: Nicht alle Pfandflaschen werden per se wiederverwendet! Faustregel: 8-Cent- und 15-Cent-Flaschen werden recycelt, die 25-Cent-Variante ist Einweg – die lieber stehen lassen.
Wiederbefüllbare Flaschen sind top, aber die Politik sollte unbedingt Mehrweg für Glas ausbauen!

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Altlasten

Mehrwegflaschen müssen natürlich gereinigt werden. Hier kann Glas klar punkten: In modernen Anlagen verbraucht die Reinigung einer Glasflasche 100 ml Wasser, bei PET sind es 25 Prozent mehr. Der Grund: Glas verträgt höhere Waschtemperaturen. Doch auch hier gibt es Probleme: Laut einer Sprecherin vom Bundesverband Glas sind viele Abfüll- und Reinigungsanlagen für Mehrwegflaschen veraltet und verbrauchen drei- bis viermal mehr Wasser, als nötig ist.
Liebe Politiker*innen, einmal modernisieren, bitte!

Rundum schön?

Seifen, Shampoos und Co. gibt es in fest. Cremes oder Öle sind aber nun mal flüssig. Hier hat Glas viele Vorteile: Es ist im Gegensatz zu Plastik für Sauerstoff undurchlässig, Grün- und Braunglas filtern UV-Strahlung. Glastiegel haben zwar große Öffnungen, durch die der Inhalt stärker oxidieren kann, aber dafür kann man sie wiederbefüllen. "Mehrweg muss unbedingt auch in den Kosmetikbereich", sagt "Original Unverpackt"-Gründerin Milena Glimbovski. "Wir motivieren unsere Kund*innen, ihre Gläser einfach wieder aufzufüllen." Ein richtiges Mehrwegsystem wie bei Getränkeverpackungen gibt es in der Beauty-Branche aber nicht. Und doppelt schlimm: Glastiegel landen häufig im heimischen Restmüll statt im Altglascontainer und werden verbrannt statt recycelt. Öhm, kurz an die eigene Nase fassen, bitte …
Es braucht ganz dringend ein Mehrwegsystem für Tiegel in der Beauty-Branche.

Glasflaschen: Verschiedene Glasbehälter
50 000 Jahre braucht Glas, um zu zerfallen. Aber es gibt nicht wie Plastik Giftstoffe in Wasser oder Natur ab und nimmt auch keine auf. (Quelle: Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)
© donatellatandelli / Shutterstock

Role Model

An die Trenn-Nerds unter euch: Blau- und Rotglas sollten zum Grünglas gegeben werden, das am ehesten Fehlfarben verträgt. Trinkgläser oder Teekannen sind im Altglas tabu, da sie als Geschirr hohen Temperaturen standhalten und die ganze geschmolzene Glascharge kontaminieren können. Aber ansonsten ist Glas zu recyceln wirklich das Beste, was man tun kann. Mehr noch: Je mehr Scherben im Container und später in der Schmelze landen, desto weniger Energie wird benötigt! Und: Je mehr Altglas, desto weniger andere Rohstoffe wie Quarzsand braucht es in der späteren Schmelzmischung. Es ist einfach zu 100 Prozent recycelbar, unendlich oft und ohne Qualitätsverlust. Heißt: Aus Glas wird Glas wird Glas …
Anders kann man es nicht sagen: Recyclingsieger at its best!

Hast du Lust, mehr zum Thema zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Dann schau im "Aktuelles-Forum" der BRIGITTE-Community vorbei!

Holt euch die BRIGITTE BE Green - mit vielen Vorteilen. Hier könnt ihr sie direkt bestellen.

BRIGITTE BE GREEN 01/2021

Mehr zum Thema