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Green Beauty Wie alltagstauglich ist das?

Green Beauty: Lächelnde Frau steht zwischen Pflanzen
© Anatoliy Karlyuk / Shutterstock
Nachhaltig und plastikfrei im Bad? Zu kompliziert, zu unbequem, zu aufwendig – dachte BRIGITTE-Beauty-Redakteurin Abenaa Namslau. Bis sie ihre Pflege-Routine einfach mal umstellte.
von Abenaa Namslau

Klar finde ich, dass in puncto Umweltschutz und Nachhaltigkeit jede und jeder mitmachen sollte. Aber: Außer dass ich viel Rad fahre und wenig fliege, gibt es bei mir noch viel zu optimieren in Sachen grüner Lifestyle. Als Beauty-Redakteurin stelle ich mich also der Herausforderung: Eine Woche nachhaltig im Bad. Einfach mal schauen, was ich danach langfristig übernehme.

Weniger Plastik, mehr gute Inhaltsstoffe

Großer Schritt beim Detox fürs Kosmetikschränkchen: Ich will von flüssigen auf feste Produkte umstellen, um Verpackungsmüll zu reduzieren. Und ich möchte saubere Inhaltsstoffe drin haben statt Erdölderivate wie zum Beispiel Silikone, die in der Umwelt nicht abbaubar sind und mit jeder Dusche, jedem Mal Haarewaschen im Abwasser landen. Auf meinem Streifzug durch Bio-Supermarkt, Unverpackt-Shop, Drogerie und Naturkosmetik-Studio finde ich Ersatz. Der Anfang ist schwer, das Einkaufen etwas komplizierter, man muss sich komplett neu mit den Dingen beschäftigen und herausfinden, welche Produkte man überhaupt mag. Auch kostentechnisch kommt in der Summe erst einmal einiges zusammen. Vieles, was unter "nachhaltig" rangiert, ist teurer, soll aber ergiebiger sein.

Und dann geht es los – ich teste mich Teil für Teil durch ...

Gesichtsreinigung mit Kokosöl

Vorurteil: Verschmiert nur und reinigt nicht. Wie es wirklich ist: Ich schmelze Kokosfett auf den Fingerspitzen, massiere es ein und nehme alles ab mit Baumwoll-Washies, der wiederverwendbaren Alternative zu Wattepads. Selbst wasserfeste Mascara geht runter wie Öl. Gefällt mir! Allerdings kann Kokosöl Mitesser verursachen. Daher steige ich doch auf ein veganes, "Natrue"-zertifiziertes Waschgel um und trage danach eine Bio-Pflege mit Melone und Moringa auf. Man kann sie abends und tagsüber benutzen, sie schützt auch vor Bluelight und UV-Strahlung. Hier war die Umstellung wirklich einfach!

Festes Shampoo

Vorurteil: Pflegt und schäumt nicht richtig. Wie es wirklich ist: Ich wasche mein Haar mit einem sogenannten Shampoo-Bar (nicht zu verwechseln mit Haarseife, die eine saure Spülung erfordert). Klappt prima: schäumt, lässt sich gut verteilen und wieder ausspülen. Das Haar ist griffig, meine Locken weniger frizzy, und eine Stylingcreme gar nicht mehr nötig.

Rasierhobel

Vorurteil: Beinahe-Mord im Badezimmer! Wie es wirklich ist: Das Ding ist wirklich sauscharf, aber dafür auch sehr gründlich, selbst in der Intimzone. Ich überlebe, dank großer Vorsicht, ohne Schnitte und Blutbad. Fazit: Funktioniert, braucht aber Zeit und Fingerspitzengefühl.

Creme-Deo

Vorurteil: Ohne Alu wird es riechen! Wie es wirklich ist: Das aluminiumfreie, probiotische Creme-Deo trage ich mit einem Spatel auf. Sanft und geruchlos hält es den ersten Tag durch. Ab Tag zwei allerdings ein Wermutstropfen: Die Deo-Rezeptur passt wohl doch nicht so ganz zu meiner Haut – ich stelle olfaktorische Störfaktoren fest, wenn ich mittags nicht neu creme. Und obwohl Kolleg*innen absolut begeistert von diesem Creme-Deo sind: Ich kann (noch) nicht auf Alu verzichten.

Bodybutter

Vorurteil: Zieht nicht ein. Wie es wirklich ist: Nach dem Duschen verstreiche ich Bodybutter auf meiner Haut und bin schockverliebt: zitronig-frischer Duft, kühl, sahnig, noch dazu mit pflanzlicher Hyaluronsäure – ich könnte mich täglich in diesen Tiegel werfen!

Zahnputztabletten

Vorurteil: Schmecken eklig und hinterlassen ein pelziges Gefühl. Wie es wirklich ist: Zahnputztabletten sind Pasta-Ersatz in Drageeform, die es lose zum Beispiel in Unverpacktläden oder auch in Drogerien zu kaufen gibt. Dadurch spart man sich die ewigen Plastik-Alu-Tuben samt Deckel, die genau wie Zahnbürsten in Massen in Ozeanen herumschwimmen. Die fluoridhaltige Tabletten werden zerkaut, krümeln im Mund, werden mit der angefeuchteten Zahnbürste auf den Zähnen verteilt: putzen, spülen, fertig. Ungewohnt! Als würde ich ein Pfefferminzdragee zerbeißen. Schaum gibt es kaum, aber es ist okay. Die Mikrozellulose poliert dabei die Zähne, was Ablagerungen vorbeugen soll. Trotz des ungewohnten Prozederes: Das Frischegefühl lässt meine normale Pasta alt aussehen. Gefällt mir!

Selbstgemachte Lipbalms, Peelings und Toner

Vorurteil: Viel zu kompliziert. Wie es wirklich ist: Um sicherzugehen, dass es gelingt, besorge ich ein DIY-Set für Lipbalm, schmelze Kokosöl und Bienenwachs zusammen im Wasserbad und rühre die Sheabutter ein. Klappt super. Außerdem probiere ich noch ein Kaffee-Peeling aus Zucker und den Resten meines Morgenespressos (siehe Kasten). Schnell gemacht, wenn auch mit einer kleinen Sauerei im Bad, und erfrischend. Auch einen Toner aus grünem Tee, Zitronensaft und Wasser bereite ich zu. Da er im Kühlschrank lagert, vergesse ich ihn aber jeden Abend. Mir wird klar: Selbstmachen wird nicht meins – es ist mir zu aufwendig, alles ständig mitzudenken, zu besorgen, richtig zu lagern.

Mein Resümee nach einer Woche Green Beauty?

Ich habe zwar etwas mehr Geld ausgegeben, aber bis auf das Deo performten alle Bio-Varianten gleich gut oder sogar besser. Und die Peeling-Schweinerei ließ sich schnell beseitigen. Die Hürde lag allein in meinem Kopf – ich bleibe dran!

Abenaa Namslau war besonders vom festen Shampoo angetan – es kommt nicht nur ohne Plastikflasche daher, es ist auch deutlich ergiebiger als der flüssige Kollege.

Mix it, Baby!

Was uns an diesen Rezepten auch gut gefällt? Die meisten Zutaten dafür hat man schon zu Hause!

Deo

Ein kleines Gläschen bereitstellen. Es soll zu gleichen Teilen mit Kokosöl und Natron gefüllt werden. Ist das Kokosöl noch fest, vorher in einem Kochtopf erwärmen, damit es flüssig wird. Ins Gläschen füllen. Die andere Hälfte des Gläschens mit Natron auffüllen. Vermischen und kalt werden lassen. Anwendung: erbsengroße Stücke unter den Achseln verreiben und je nachdem, wie sehr man schwitzt, alle drei bis vier Stunden nachlegen.

Haarspülung

1-Liter-Flasche mit Wasser auffüllen, zwei Esslöffel Apfelessig rein, verrühren, fertig. Anwendung: Spülung in der Dusche über Haare und Haarspitzen geben – aufpassen, dass nichts in die Augen geht, ausspülen. Keine Sorge: Der Essiggeruch verfliegt komplett, sobald die Haare trocken sind, das Gefühl der weichen Haare bleibt – als ob man eine herkömmliche Spülung benutzt hätte.

Peeling

Kaffeesatz je nach Hauttyp pur oder mit etwas Zucker mischen, einmassieren und abspülen.

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BRIGITTE 03/2021

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