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Nachhaltige Haustiere Wie grün ist mein Pferd?

Nachhaltige Haustiere: Kleines Mädchen füttert Pferd mit einer Möhre
© Dawid K Photography / Shutterstock
Wie grün sind eigentlich unsere Haustiere? Wir checken die Lage vom Futternapf über Accessoires bis zum, ja sorry, großen Geschäft bei Hund, Katze und Pferd.

"Wuff": Hunde

Futter 

Wir müssen leider gleich richtig streng durchstarten, denn ein mittelgroßer Hund braucht ca. 350 Kilo Futter im Jahr, und somit liegen ganze 64 Prozent der Umweltbelastung eines Hundes im Napf. Nicht überraschend, denn Standard-Nassfutter besteht zur Hälfte aus Fleisch und landet in umweltbelastenden Aludosen bei uns. Der Vorteil: Immerhin kommen hier die Schlachtabfälle weg. Falls Frauchen selbst kocht, kann das den CO2-Ausschuss leider noch mal verschlimmern: Wer seinen Hund barft (rohe Fleischteile verfüttert), verdreifacht die Klimabelastung, denn hier landet frisches hochwertiges Fleisch im Hundenapf. Ist vegetarisch und vegan dann besser? Wahrscheinlich schon, sagt Dr. Vanessa Bach vom Fachgebiet für Sustainable Engineering an der Technischen Universität Berlin: "Aber noch gibt es keine umfassenden Studien dazu. Produziertes veganes Futter ist klimatechnisch vermutlich etwas besser als Futter aus Fleischresten." Doch auch die vegane Variante kommt nicht ohne Proteine wie Soja aus – je nachdem, woher das stammt, vergrößert das den Fußabdruck. Na toll, und jetzt? Keine Sorge, die Ökorettung naht: Start-ups wie Ofrieda und Tenetrio bieten Futter aus Insekten an. Joa, gewöhnungsbedürftig. Aber vielleicht ein-, zweimal die Woche?

Ausstattung

Fast die Hälfte aller Hundebesitzer:innen schenkt ihrem Vierbeiner regelmäßig neues Spielzeug. Vorschlag: Auf napf-bar.de kann man Bällchen & Co. Secondhand kaufen. Oder vielleicht ein Zerrspielzeug einfach mal selbst basteln? Anleitungen gibts zum Beispiel auf dogityourself.com. Bei Leinen muss es auch längst kein Leder mehr sein, es gibt coole Alternativen, aus Ananasfasern zum Beispiel. Bei Welpen ist es übrigens wie bei Kindern: Vieles lässt sich leihen, bis die Kleinen rausgewachsen sind, Hundegeschirr zum Beispiel auf hundelig.de. Und wenn ihr was ausmistet, freut sich das lokale Tierheim.

Hinterlassenschaften

Eine! Tonne! Häufchen! So viel hinterlässt ein Durchschnittshund im Leben. Das muss man sich mal, sorry, auf der Zunge zergehen lassen. Auch nicht schön für alles, was da drunter wächst, denn im Hundekot stecken oft Phosphor, Stickstoff und Schwermetalle, die den Boden vergiften. Noch ein Grund, warum die Häufchen in den Restmüll gehören. Wirklich grüne Alternativen zum schwarzen Plastikbeutelchen gibt es bisher nicht. Expert:innen empfehlen sogenannte Kotschaufeln (muss man dann aber mit sich herumtragen) oder Haufen mit herumliegendem Müll aufzusammeln. Hm, ist jetzt nicht so mega. Hey, Innovationen, wo seid ihr denn?

Extra-Klimakiller

Als wäre die Kotbeutel-Nummer nicht schon – nun ja – Scheiße genug: Im Hundeurin (etwa 2000 Liter im Jahr!) ist so viel Stickstoff, dass er spezielle Pflanzenarten komplett ausrotten kann. Okay, Pipi machen muss man ja trotzdem. Also, jetzt lieber was Positives:

Grüner Hack

Sammeln sich beim Bürsten ganze Unterwollmassen an? Ab damit zu modusintarsia.com. Das Start-up macht Hundewollgarn und kuschelige Mützen. Kein Witz!

CO2-Bilanz im Jahr: 390 Kilo

"Miau": Katzen

Futter 

Auch hier der Klopper gleich zu Beginn – Katzenfutter macht mit ca. 110 Kilo im Jahr 55 Prozent des CO2-Pfötchenabdrucks aus. Die Stubentiger sind, anders als Hunde, keine Allesfresser. Heißt: Der Tierschutzbund rät, Katzen nicht vegetarisch zu ernähren. Also bleibt nur biozertifiziertes Futter, zum Beispiel von Green Petfood (produzieren klimaneutral) oder von defu (im Beutel, spart Alu). Bitte nicht roh zufüttern: Da bräuchten die Kleenen nämlich 80 Prozent Muskelfleisch – das ergäbe eine sehr miese Ökobilanz.

Ausstattung

Auch hier gilt: DIY ist Trumpf. Kratzbäume kann man –Youtube sei Dank – easy selbst basteln (zum Beispiel aufm "Schlitzohr Haustierkanal"). Der wahre Klimakiller ist aber – die Katzenklappe. Durch ein schlecht installiertes Türchen kann Wärme in einer Größenordnung von 50 Kilo CO2 jährlich dem Haus entweichen. Das entspricht etwa einem Kurzstreckenflug von Hannover nach Berlin! Wenn also Katzenklappe, dann bitte im Keller oder Hausflur – und die anderen Türen der Wohnung gut abdichten.

Hinterlassenschaften

Eine Durchschnittsmieze verbraucht pro Jahr etwa 100 Kilo Katzenstreu. Der Grundstoff der grauen Krümel ist oft sogenanntes Bentonit, das zwar in Deutschland vorkommt, häufig aber aus Nordamerika importiert wird. Easy Hack I: Einfach zum Streu aus Deutschland greifen (Verpackung checken, Hersteller googeln). Da wird das Ökoherz belohnt – jährliche CO2-Ersparnis von mehr als 400 Kilo. Und beim Kloputz alles ab in den Restmüll, denn Bentonit enthält oft Aluminium. Easy Hack II: Pflanzliches Streu aus Holz, Stroh, Zuckerrübenschnitzeln und anderen nachwachsenden Rohstoffen kaufen (zum Beispiel "Cat’s Best" oder "Dein Bestes – Öko–Klumpstreu" über dm.de).

Extra-Klimakiller

Sorry, wir müssen es leider sagen: Katzen mit Freigang sind der Albtraum vieler Tierschützer:innen. Das liegt zum einen an ihrem Jagdtrieb, zum anderen am Katzenkot, der die Krankheit Toxoplasmose verbreiten kann. In Deutschland fallen laut NABU jedes Jahr bis zu 200 Millionen Vögel den Krallen oder eben den Häufchen unserer Lieblinge zum Opfer. Ein kleines Schlupfloch gibt‘s aber:

Grüner Hack

Wenigstens von Mai bis Juli bittet der NABU, Miezi morgens drinnen zu lassen – da sind besonders viele Jungvögel unterwegs. Und ansonsten gilt der Klassiker: Stubentiger, mit denen viel gespielt wird, jagen weniger.

CO2-Bilanzim Jahr: 3100 Kilo

"Wiiieeher": Pferde

Futter 

Der Klimaklopper unter den Tieren kommt zum Schluss. Bereit? Ein erwachsenes Pferd trinkt bis zu unfassbare 60 Liter Wasser. Am Tag! Umwelttechnisch jedoch fast zu vernachlässigen, wenn man sich anguckt, was es so futtert, nämlich 3650 Kilo im Jahr. Diese Masse Nahrung macht das Pferd leider zur Klimakillerbombe, denn die täglichen zehn Kilo Stroh und Heu sorgen im Jahr für ganze 33 Prozent der gesamten CO2-Belastung. Obendrauf kommt noch das tägliche Kraftfutter. Einsparen bei der CO2-Bilanz können Besitzer:innen nur, wenn sie nicht noch Mineralfutter zugeben. Und: Immerhin liefern jetzt mehr und mehr Hersteller das Fressen nicht mehr in Plastiksäcken, sondern im Karton.

Ausstattung

Die Behausung sorgt für 32 Prozent des CO2-Hufabdrucks: Die Einstreu der Box muss regelmäßig gewechselt, die Reithallen müssen bewässert und beleuchtet werden. Expert:innen schätzen den Stromverbrauch für ein Pferd auf 860 kWh pro Jahr, das entspricht etwa einem Einpersonenhaushalt. Aber es gibt auch good news: Nutzt man lokale Hobelspäne statt Stroh, sinkt die Umweltbelastung um fast 30 Prozent. Pferdedecken und Reitkleidung sind oft aus recyceltem PET, Ledersättel gibt‘s Secondhand, die Firma DeNiro macht Reitstiefel aus Obstrestleder und ein Korksattel von Rieser Sattel bekam 2019 sogar einen Innovationspreis. Es tut sich also schon was. Weiter so!

Hinterlassenschaften

Pferde pupsen leider wie Kühe das klimaschädliche Gas Methan aus. Damit bringen es Pferdeabgase auf eine CO2-Belastung von 500 Kilo im Jahr. Darin eingerechnet sind immerhin die 25 Kilo Pferdeäpfel, die täglich im Stroh landen, denn Kot und Urin zersetzen sich in der Box zu Ammoniak – einem Gas, das den Treibhauseffekt mit anheizt.

Extra-Klimakiller

Immerhin kann das Ross selbst für einen der größten Faktoren, nämlich 24 Prozent seiner Ökobilanz, rein gar nichts: die Autofahrten zum Stall, weil Reitanlagen oft weit draußen liegen. Noch schwieriger sind die Zahlen bei den ca. 80 000 Turnierreiter:innen hierzulande: Sie fahren größere Autos, um Pferdeanhänger ziehen zu können, und düsen damit im Schnitt 700 Kilometer im Jahr zwischen den Turnieren hin und her.

Grüner Hack

Man kann da nicht viel schönreden: Pferde sind leider krass-süße CO2-Schleudern. Die Lösung? Teile dir ein Pferd! Zum Glück machen das viele Reiter:innen in Deutschland: Auf etwa 600 000 Haushalte mit eigenem Pferd kommen 920 000 mit einer Reitbeteiligung. Ein weiterer Game-Changer: Mülltrennung im Stall. Und ein letzter Tipp: Ohne Äpfel oder Karotten fährt doch niemand in den Stall – die Snacks einfach unverpackt mitnehmen! Macht bei den Mengen einen tierischen Unterschied.

In BE GREEN, dem Nachhaltigkeitsmagazin von BRIGITTE, lest ihr Tipps, Tricks und spannende Geschichten rings um ein schönes grüneres Leben

Brigitte

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