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Periodenprodukte Nachhaltige Alternativen

Periodenprodukte: Menstruationstassen und Stoffbinde
© Space_Cat / Shutterstock
Müllberge, Mikroplastik und Co. – das kommt auch von unseren Periodenprodukten. Zu intim? Nö. Wir haben drei grüne Alternativen getestet. Und erzählen ehrlich, wie es war. 
Leonie Wojta, Alexandra Zykunov und Eylin Heisler

Pantys

getestet von Leonie Wojta, 23, Beauty-Assistentin

Vorher

Ich muss zugeben, dass ich Tampons benutze, wie fast alle, war irgendwie selbstverständlich. Man redet ja auch nicht über seine Blutung (Regelscham und der ganze Quatsch). Klar liest man von den Müllbergen, die Tampons & Co. verursachen oder dass sie nicht aus Baumwolle sind, dafür aber mit viel Bleichmittel. Aber ich schaffte es immer, die Gedanken wegzudrücken. Bis jetzt!

Währenddessen

Ich will also Periodenunterwäsche ausprobieren, in die man, nun ja, einfach reinblutet. Ganz ehrlich: bisschen skeptisch bin ich schon. Dafür spricht: Es lassen sich eine Menge Müll und CO2 einsparen. Benutzt man drei Jahre lang nur Wegwerf-Hygieneartikel, kommen zwölf Kilo Müll zusammen. Und der CO2-Fußabdruck liegt bei 30 Kilo, so der Menstruationswäschehersteller Kora Mikino. Zum Vergleich: Die Periodenunterwäsche kommt im gleichen Zeitraum auf nur 111 Gramm Müll und 1,5 Kilo CO2 – also 20 mal weniger. Okay also, ich teste zwei Pantys des Berliner Labels Kora Mikino. Das befürchtete "Windelgefühl" bleibt aus. Thank God! Der Stoff ist weich, sieht sehr hübsch aus und nichts zwickt. Das Tragegefühl: wirklich wie ein ganz normales Höschen mit eingearbeiteter, dickerer Slipeinlage. Ging was in die Hose? Wörtlich ja, im übertragenen Sinne nein! Die Pantys sind sehr saugfähig, es fühlt sich tatsächlich nie unangenehm nass an und – auch nicht eklig. Ich war damit sogar einmal den ganzen Tag in der Stadt unterwegs. Für mich hat die Saugfähigkeit absolut ausgereicht, um einen Menstruationstag zu überstehen. Vor dem Wechsel dann einfach mit Wasser auswaschen, bevor die Panty mit der ganz normalen Wäsche bei 40 Grad gewaschen wird.

Danach

Mein Fazit? Ich hätte es nicht gedacht, aber ich habe mich wirklich mit der Menstruationsunterwäsche angefreundet. Der Tragekomfort, die Saugfähigkeit und die Handhabung waren für mich super. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Frauen, die eine sehr starke Blutung haben, nicht mit einer Panty pro Tag auskommen. Das ist dann natürlich aufwendiger und geht kurzfristig ins Geld, da man sich einen kleinen Wäschevorrat anschaffen muss. Mein Kompromiss: An Sporttagen nehme ich den Tampon, an den anderen die Pantys. Schätzungen zufolge verbraucht jede Menstruierende bis zu 17 000 Tampons und Binden in ihrem Leben. Wenn ich diesen Müllberg halbieren kann, ist das doch auch schon genial!

Menstruationstasse

getestet von Alexandra Zykunov, 35, Redaktionsleiterin

Vorher

Ich habe einfach keinen Bock mehr auf den Müll und aufs Rumgeraschel aufm Klo.

Währenddessen 

Ich wechsle also zur Tasse. In den Drogerien gibt es wenige Größen: klein, mittel, groß. Der Beipackzettel verrät verschiedene Falttechniken, wie man das Teil aus Silikon einführt. Nach einem gründlichen Abspülen mit Wasser quetsche ich die Tasse platt, falte sie zu einem C, hocke mich hin und führ sie ein. Loslassen darf man erst im Inneren. Autsch, Fingerkrampf. Versuch zwei läuft besser, innen losgelassen, soll die Tasse aufploppen und sich um meinen Muttermund herum festsaugen. Ähm, wo war der jetzt noch mal? Ja, genau. Der Vorteil der Tasse ist nämlich: Man kommt sehr doll mit seiner Anatomie in Kontakt, was gut ist, denn ich habe zwei Kinder geboren und sollte wirklich wissen, wo mein Muttermund ist! Das Herausholen ist blutig, aber easy: unten die Tasse zusammendrücken (nicht einfach ziehen!), Vakuum löst sich, Tasse herausholen, leeren, ausspülen (oder mit Klopapier auswischen), wieder einsetzen. Am Ende der Periode abkochen. Jetzt die Realität: Das Versprechen, man spüre die Tasse null, stimmt nicht. Der Nupsi lugt raus, es scheuert. Und: Es läuft alles daneben. Kleinere Größe, selbes Problem. Die Lösung: Webshops wie me-luna.eu haben viele Tipps parat, bis zu 24 (!) verschiedene Formen und Größen und sagen offen, dass a) kaum jemand das Einsetzen sofort schafft und b) es Monate dauern kann, bis man den Dreh raushat. No pressure also, denke ich, bestelle meine dritte Tasse – die endlich sitzt. Yay!

Danach

Ich liebe es! Ab Tag drei (vorher ist die Blutung zu stark) nutze ich die Tasse, leere sie nur einmal täglich und bin erstaunt, wie wenig Blut da eigentlich zusammenkommt. Wie viel, wollt ihr wissen? Tja, das müsst ihr mal schön selbst austesten.

Schwämmchen

getestet von Eylin Heisler, 27, Beauty-Assistentin

Vorher

Eins vorweg: Ich bin ein Menstruationssnob. Mir läuft schon ein kleiner Schauer über den Rücken, wenn ich nicht die Markentampons benutzen kann. Während ich sonst nachhaltig lebe, blieb die Regel bei mir konventionell – und teuer. Das will ich jetzt ändern mit den kleinen Schwämmen, die Meeresfauna-schonend an der Mittelmeerküste geerntet werden. Bis zu sechs Monate soll so ein "Naturtampon" verwendbar sein. Warum mir mulmig ist? Die Dinger haben kein Rückholbändchen. Schon schießen mir Horrorszenarien von verzweifelten "Suchaktionen" durch den Kopf.

Währenddessen

Für die Benutzung muss das Schwämmchen mit Wasser weich gemacht und dann wie ein Tampon eingeführt werden – das geht erstaunlich gut. Der Schwamm verschwindet förmlich (leichte Panik), und anders als einen falsch sitzenden Tampon spüre ich das Teil gar nicht. Ob der Pfropfen wirklich das Blut aufhält? Tut er – ganze sechs Stunden. Komfort und Effektivität: super. Doch dann kommt das Rausfischen. In der Anleitung steht: Auf die Toilette setzen, Beckenboden anspannen, leicht drücken, das Ding greifen. Als ob! Ich spüre das Teil, kriege es aber nicht zu fassen. Verschiedene Finger, verschiedene Positionen (nichts für lange Nägel!), das Ganze wird zu einer blutig-erniedrigenden Angelegenheit. Während ich halb ironisch überlege, mir eine Pinzette als "Greifarm" einzuführen, google ich lieber: entspannen, warten, bis das Schwämmchen vollgesogen ist, und dann "einfach" herauspressen. Aha. Im Ernstfall könne der Frauenarzt den Übeltäter entfernen (please, don‘t!). Fünf Press- und Fluchminuten später ist die Schwamm-Geburt vollzogen. Ich wasche das Schwämmchen mit kaltem Wasser und führe es wieder ein. Das zweite Fischen geht besser.

Danach

Ich muss gestehen, die ganze Sache ist mir eindeutig zu aufregend. Und aufwendig. Am nächsten Morgen greife ich erleichtert zu meinem Tampon. Aber vielleicht versuche ich nächsten Monat doch mal die Tasse ...

POST IT! @BRIGITTE_BE_GREEN

17 000

... Tampons und Binden verbraucht eine menstruierende Person in ihrem Leben. ("Die Periode ist politisch" (Heyne) von Franka Frei)

Hast du Lust, mehr zum Thema zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Dann schau im "Wissenschaft und Umweltschutz-Forum" der BRIGITTE-Community vorbei!

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