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Trinkwasser 6 überraschende Fakten

Trinkwasser: Mädchen hält Wasserglas in der Hand
© Tatevosian Yana / Shutterstock
Es begegnet uns fast überall – und doch wissen wir über unser Wasser viel zu wenig. Deshalb: sechs Fakten rund ums kostbare Nass

Weg vom Highway, zurück zur Natur

Kaum zu glauben, aber wahr: Seit Jahrhunderten schon ist es Usus, Flüsse wie den Rhein buchstäblich zu begradigen, weil ein "gerade" fließendes Gewässer praktisch als Highway für Personen- und vor allem für Frachtschiffe genutzt werden kann. Sprich: Je gerader der Strom, desto mehr Waren können darauf verschifft werden. Und mehr Ware heißt mehr Geld. Durch die Klimakrise und nicht zuletzt auch die Flutkatastrophe im Sommer 2021 wird jedoch immer klarer, dass wir die Flussbiegungen und Auen brauchen – weil sie uns bei Starkregen vor Hochwasser schützen, indem sie reißende Flüsse verlangsamen, die Wasser in den Boden sickern lassen. Diese Tatsachen scheinen endlich anzukommen: Laut Bundesumweltamt starten erste Städte, Verbände und Gemeinden nun damit, Gewässer wieder naturnäher zu gestalten. Sie bauen die Flüsse quasi zurück, indem an diesen entlang etwa künstliche Buchten angelegt oder – ganz simpel – strömungslenkende Störsteine platziert werden. Frei nach dem Motto: Die Natur wird sich bei den ganzen Biegungen schon etwas gedacht haben.

Mega-City wird zur Schwimmstadt

Apropos, natürliches Gewässer: Weil nach heißen Sommern häufig die Frage aufkommt, ob auch Deutschland eine Grundwasserknappheit droht, kann zumindest hier Entwarnung gegeben werden – jährlich nutzen wir hierzulande nur 13 Prozent unseres Grundwassers. Jetzt kommt das Aber: Die Art und Weise, wie wir unsere Städte bauen, wird hier tatsächlich immer mehr zum Problem. Häuser, Straßen, Plätze, Schottergärten – die Böden sind buchstäblich zubetoniert. Dadurch kann der Regen nicht in die Erde sickern, sondern fließt direkt in die Kanalisation. Ergo: weniger Grundwasser. Darum gehen Forscher:innen davon aus, dass wir künftig in sogenannten Schwammstädten leben werden: Ähnlich wie ein Schwamm sollen Grünflächen Regenwasser aufsaugen und mithilfe von unterirdischen Auffangbecken zwischenspeichern, um es bei Bedarf zu nutzen, statt es über die Kanalisationen abzuleiten. Was nach Großstadtutopie klingt, ist jetzt schon Realität – das größte Schwamm-Projekt der Welt wird gerade in Berlin-Tegel umgesetzt.

Technik, die begeistert

Weltweit sieht es mit dem Trinkwasser ganz anders aus: Gerade mal ein Prozent der globalen Gewässer besteht aus Süßwasser. Zudem ist es ungleich verteilt, weshalb der UN zufolge jeder dritte Mensch weltweit keinen Zugang zu Trinkwasser hat. Ozeane entsalzen – das wäre doch eine Idee! Tatsächlich wird genau das bereits gemacht: 2019 produzierten fast 16 000 Entsalzungsanlagen in 177 Ländern etwa 95 Milliarden Liter Trinkwasser pro Tag. Durch spezielle Verdampfungsmethoden wird das Salz herausgefiltert, der Dampf abgekühlt und dann als Flüssigkeit wieder aufgefangen. Ein Vorreiter ist Israel: Etwa 40 Prozent des Trinkwassers stammen dort bereits aus der Entsalzung, bis 2050 sollen es schon 70 Prozent sein.

Die Arabischen Emirate haben noch eine kreativere Lösung parat: "Wolken-Impfen" heißt eine Methode aus Dubai, bei der Drohnen mit Stromstößen zarte Tropfen in den Wolken elektrisch laden, sodass sie miteinander verschmelzen und als dicke Tropfen abregnen. Im Juli soll es so tatsächlich zu Starkregen gekommen sein. Unklar ist jedoch, ob das langfristig das natürliche

20 000 Liter stecken in einem Computer?

Zurück zum heimischen Verbrauch: Durchschnittlich 125 Liter lassen wir täglich fürs Waschen, Kochen und Co. durch unsere Hähne plätschern. Das ist tatsächlich nicht mal eine ganze Badewanne voll. Ziemlich sparsam, könnte man jetzt meinen. Tja, das ist aber auch nur der kleine Zeh unseres gesamten Wasserfußabdrucks. Denn das meiste Nass nutzen wir indirekt – die Rede ist vom sogenannten virtuellen Wasser. Konkret: Eine Packung Reis verbraucht bis zum Verzehr 3400 Liter; mitgerechnet wird hier zum Beispiel der Regen auf dem Reisfeld, die künstliche Bewässerung sowie Dünger und Pestizide, die mit Flüssigkeit verdünnt werden müssen. Kaffeepflanzen in Ländern wie Kolumbien oder Äthiopien schlucken auch so einiges, und so schlägt eine Tasse Kaffee in unserer Küche mit etwa 132 Litern zu Buche. Bei einer Packung Orangensaft sind es rund 1000 Liter, bei einer Tafel Schokolade 1700 und bei einem Computer knapp 20 000 Liter! Und jetzt? Die meisten werden ja nicht einfach aufhören, zu konsumieren. Nein, aber fordern können wir alle: Denn während der politische Fokus bisher fast nur auf CO2-Bilanzen von Produkten liegt und Aktivist:innen ein CO2-Labeling auf unseren Konsumgütern verlangen, werden auch die Forderungen nach einem Wasserfußabdruck-Label immer lauter.

Auch Baumwolle ist ganz schön durstig

Der Klassiker: An der Kasse stehen, in der Handtasche wühlen, losfluchen... Der gesuchte Stoffbeutel hängt mal wieder zu Hause an der Türklinke. Schon wieder einen neuen kaufen oder doch lieber zur Plastiktüte greifen? Tatsächlich ist die Antwort nicht so einfach, wie es scheint: Denn auch in einer Baumwolltasche steckt im Schnitt ein Wasserverbrauch von 550 Litern. Eine Plastiktüte hingegen benötigt bei der Herstellung gerade mal 200 Milliliter. Dann also lieber das Kunststoffteil? Bitte nicht. Die Frage sollte nicht mehr sein, welche Tragetasche am ökologischsten ist, stattdessen sollten wir es wirklich mal ernst nehmen mit der Tüten-Monogamie und einfach in jeder einzelnen Handtasche was für den nächsten Einkauf deponieren. Am besten gleich nach dem Artikellesen, dauert keine zwei Minuten …

Temperatur macht was

Dass Baumwollbeutel ordentlich Wasser schlucken, wissen wir jetzt. Weniger bekannt aber ist, dass bei einem T-Shirt mindestens die Hälfte der Wasserbilanz erst nach dem Kauf entsteht: Ungefähr 2700 Liter werden bei der Herstellung eines Shirts auf den Kopf gehauen – 2000 weitere Liter kommen hinzu, wenn das gute Stück die etwa 44 Wäsche- und Trockeneinheiten durchläuft, die ihm Zeit seines Lebens bevorstehen. Deshalb an dieser Stelle also ein Wasserspar-Tipp: Wer statt bei 60 bei 30 Grad wäscht, spart neben der Hälfte an Strom tatsächlich auch die Hälfte an Wasser ein. Denn das kühle Nass wird nicht allein in der Waschtrommel benötigt, sondern darüber hinaus, um in den Stromanlagen am anderen Ende der Stadt Elektrizität bereitzustellen, Turbinen zu betreiben oder die Kraftwerke zu kühlen. Kalte Wäsche in der Maschine heißt weniger Wasser im Kraftwerk heißt Win-Win für die Umwelt – und übrigens auch fürs Portemonnaie.

Läuft bei uns

Wasser ist eine der wertvollsten, aber auch weltweit bedrohten Ressourcen. Schätzen wir, was wir jederzeit haben? Dieser Frage widmen sich die Medien der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch die BRIGITTE-Magazine gehören. Unter dem Claim "Packen wir’s an! – Damit es auch morgen noch läuft" stellen wir die Punkte Wasserqualität, -knappheit und -verbrauch in den Fokus und zeigen, wie die Klimakrise unser Leben verändert. Dieser Beitrag ist Teil unserer "Packen wir’s an!"-Nachhaltigkeitswoche. Mit der vereinten Kraft und Reichweite unserer journalistischen Angebote wollen wir maximale Aufmerksamkeit schaffen – und ein Bewusstsein für die Themen rund um unser aller Wasser. #PACKENWIRSAN

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21/ 2021 Brigitte

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