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Starporträt Angela Merkel

Angela Merkel schaffte es als erste Frau ins Bundeskanzleramt und galt 16 Jahre lang als mächtigste Frau der Welt.

Steckbrief

  • Vorname Angela Dorothea
  • Name Merkel, geboren als Kasner
  • Titel Dr.
  • geboren 17.07.1954, Hamburg / Deutschland
  • Jahre 67
  • Grösse 1.65 m
  • Partner Joachim Sauer (verheiratet) Ulrich Merkel (geschieden)

Biografie von Angela Merkel

Die CDU-Politikerin Angela Merkel war von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin der Bundesrepublik. Als erste Frau in diesem Amt galt sie lange Jahre als mächtigste Frau der Welt und kann auf eine politische Karriere zurückblicken, die ihresgleichen sucht. 

Angela Merkels Kindheit

Angela Dorothea Merkel erblickte am 17. Juli 1954 als Tochter des Theologen Horst Kasner und der Lehrerin Herlind Kasner in Hamburg Eimsbüttel das Licht der Welt. Nur wenige Wochen nach der Geburt der kleinen Angela zog die Familie von Hamburg in die damalige DDR, Vater Horst nahm in Quitzow eine Pfarrstelle an.

Die nächste Station der Familie Kasner war Templin in der Uckermark, wo Angela Merkel gemeinsam mit ihren beiden jüngeren Geschwistern Marcus und Irene schließlich den Großteil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte – aufgrund der Kirchenzugehörigkeit stets unter Beobachtung des DDR-Regimes.

Abitur und Physikstudium

In der Schule galt die junge Angela Merkel als zurückhaltend und überaus klug. In Mathematik und Russisch war sie Klassenbeste. Das Abitur im Jahr 1973 an der Erweiterten Oberschule (EOS) "Hermann Matern" dürfte ein leichtes für sie gewesen sein.

Nach dem Abitur nahm Angela Merkel ein Studium der Physik an der Universität Leipzig auf. Ihre Brötchen verdiente sich die junge Frau damals als "Bardame" in Discos.

Zu jener Zeit lernte Angela Merkel ihren ersten Ehemann, den aus Thüringen stammenden Physikstudenten Ulrich Merkel, kennen. Am 3. September 1977 gaben sich die beiden in einer kirchlichen Trauung das Ja-Wort.

Einstieg ins Berufsleben, Scheidung und zweite Ehe

Nachdem Angela Merkel im Jahr 1978 ihr Studium abgeschlossen hatte, zog sie mit ihrem Mann Ulrich nach Ost-Berlin, nahm eine Stelle am Zentralinstitut für Physikalische Chemie (ZIPC) der Akademie der Wissenschaften der DDR an und beschäftigte sich mit dem Forschungsgebiet Quantenchemie.

Beruflich ging es für die junge Frau bergauf, doch privat musste Angela Merkel eine gescheiterte Ehe verkraften. Anfang der 1980er Jahre wurde ihre Ehe mit Ulrich Merkel offiziell geschieden. Doch in ihrem beruflichen Umfeld lernte sie den Quantenchemiker Joachim Sauer kennen und lieben – nach 14 Jahren heirateten die beiden im Jahr 1998.

Einstieg in die Politik

In der Zwischenzeit hatte sich nicht nur im politischen Deutschland einiges getan. Die Mauer war gefallen und durch die Wende musste sich Deutschland neu sortieren. Auch Angela Merkel orientierte sich neu und schloss sich im Dezember 1989 dem neu gegründeten Demokratischen Aufbruch (DA) an. Zunächst arbeitete sie ohne Bezahlung als Systemadministratorin, stieg jedoch rasch auf und sicherte sich einen bezahlten Job beim DA als Sachbearbeiterin im Umfeld des Vorsitzenden Wolfgang Schnur in der Ost-Berliner Geschäftsstelle.

Im Jahr 1990 überschlugen sich die Ereignisse: Im Februar wurde Merkel Pressesprecherin des DA, der kurze Zeit später mit der "Deutschen Sozialen Union" (DSU) und der Christlich Demokratischen Union (CDU) der DDR das Bündnis "Allianz für Deutschland" gründete. Bei der Volkskammerwahl der DDR im März wurde die CDU stärkste Kraft und Merkel stellvertretende Regierungssprecherin in der Koalition unter Lothar de Maizière. Im Laufe des Jahres 1990 schloss sich die CDU der DDR mit der westdeutschen CDU zusammen und im September wurde Angela Merkel im Bundestagswahlkreis Stralsund-Rügen-Grimmen als Direktkandidatin der CDU nominiert. Und tatsächlich – die Koalition aus CDU/CSU und FDP ging aus der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl als Sieger hervor und Merkel wurde Mitglied des deutschen Bundestages.

Beispielloser Aufstieg an die Spitze

Unter der Führung des neuen Kanzlers Helmut Kohl wurde Angela Merkel 1991 überraschend zur Bundesministerin für Frauen und Jugend ernannt. Die Förderung des Kanzlers einer recht unerfahrenen Quereinsteigerin brachte Angela Merkel den Beinamen "Kohls Mädchen" ein. In den kommenden Jahren setzte die ehrgeizige Frau jedoch alles daran, sich von diesem Etikett zu emanzipieren.

Das gelang ihr in den Jahren 1991 bis 2000 mit folgenden politischen Ämtern:

  • Stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU
  • Landesvorsitzende der CDU in Mecklenburg-Vorpommern
  • Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
  • Präsidentin der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Berlin
  • Generalsekretärin der CDU

Abnabelung von Helmut Kohl

Doch die endgültige und überaus öffentlichkeitswirksame Abnabelung von ihrem Förderer Helmut Kohl gelang Angela Merkel erst im Jahr 1999, als die Spendenaffäre ihren Höhepunkt erreichte. Kohl gestand, während seiner Amtszeit illegale Parteispenden in einem Wert von über zwei Millionen DM an den offiziellen Konten der Partei vorbeigeschleust zu haben. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisierte Angela Merkel das Urgestein der deutschen Politik daraufhin und sprach sich für eine Distanzierung ihrer Partei von Helmut Kohl aus. Für diesen riskanten Schritt erntete Merkel einerseits viel Kritik - der damalige Parteivorsitzenden Schäuble wollte sie am liebsten rausschmeißen - aber anderseits gaben ihr viele in der Sache Recht und bewunderten ihren Mut.

Merkel wird CDU-Vorsitzende

Und so setzte sich Angela Merkel nach dem Rücktritt von Wolfgang Schäuble als Partei- und Fraktionsvorsitzender auf dem CDU-Bundesparteitag am 10. April 2000 mit 897 von 935 Stimmen durch und wurde als erste Frau in der Geschichte der Partei zur neuen Vorsitzenden der CDU Deutschlands.

Dennoch konnte sich Angela Merkel die Kanzlerkandidatur bei den Bundestagswahlen 2002 nicht sichern. Zwar wollte sie, doch sie überließ die Kandidatur Edmund Stoiber. Der scheiterte allerdings gegen den SPD-Mann Gerhard Schröder. Merkel blieb loyal und verfolgte ihren Weg in den kommenden Jahren im politischen Geschäft als Oppositionsführerin.

Kanzlerschaft: Angela Merkels Geduld zahlte sich aus

Im Jahr 2005 allerdings zeigte sich, dass Angela Merkel klug taktiert und geduldig auf ihre Gelegenheit gewartet hatte. Als die SPD im Zuge katastrophaler Wahlergebnisse vorgezogene Neuwahlen anstrebte, wurde Merkel zur Kanzlerkandidatin der Unionsparteien ernannt.

Bei der Bundestagswahl am 18. September 2005 erreichten CDU/CSU mit der Spitzenkandidatin Angela Merkel zwar die Mehrheit der Stimmen, aber ein knappes und deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenes Wahlergebnis. Doch ein Sieg ist ein Sieg und so wurde wurde Angela Merkel im November 2005 als erste Frau, erste Ostdeutsche und bis dato jüngste Amtsinhaberin zur Bundeskanzlerin gewählt.

Höhe- und Tiefpunkte Merkels Kanzlerschaft

In ihrer ersten Amtszeit von 2005 bis 2009, Kabinett Merkel I, führte Angela Merkel das Land in einer großen Koalition mit der SPD. Die zu jener Zeit sicherlich größte politische Herausforderung war die weltweite Finanzkrise. Unvergessen bleibt, wie Merkel und ihr damaliger Finanzminister Peer Steinbrück vor die Presse traten und versicherten, dass die Einlagen der Sparerinnen und Sparer sicher seien. Von einigen europäischen Finanzministern wurde Merkel vorgeworfen, sie würde im Alleingang agieren, doch der deutschen Bevölkerung gab diese Garantieerklärung finanzielle Sicherheit.   

Nach dem schlechtesten Wahlergebnis seit der ersten Bundestagswahl 1949 für die Union bei der Bundestagswahl im Jahr 2009 regierte das Kabinett Merkel II von 2009 bis 2013 gemeinsam mit der FDP in einer schwarz-gelben Koalition. Weiterhin galt es, die Finanz- und Wirtschaftskrise zu überwinden. Nachdem, um die Konjunktur anzukurbeln, in der vorherigen Legislaturperiode bereits die sogenannte Abwrackprämie beschlossen wurde, folgte nun die umstrittene Absenkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen, die vor allem von der FDP forciert wurde und die Partei unter Verdacht gerieten ließ, sich von Lobbyarbeit der Hotellerie beeinflussen zu lassen. Der Euro-Rettungsschirm, der Griechenland im Zuge der Eurokrise vor einer Staatspleite retten sollte, trug auch nicht gerade zu steigenden Zufriedenheitswerten mit der Arbeit der schwarz-gelben Koalition bei.

Der nächste große Skandal im Kabinett Merkel II waren die Plagiatsvorwürfe gegen den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Zwar galt er bis dahin als beliebtester Minister unter Merkel, doch letztlich brachte ihn, trotz Merkels Unterstützung, der öffentliche Druck zu Fall und er erklärte seinen Rücktritt.

Für den nächsten großen Meilenstein in Merkels zweiter Amtszeit erhielt die Kanzlerin hingegen öffentlichen Zuspruch. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Japan im März 2011 vollzog sie entgegen ursprünglicher Pläne eine energiepolitische Wende und beschloss einen vorzeitigen Ausstieg aus der Atomenergie.

Angela Merkels Beliebtheitswerte hielten sich zu jener Zeit konstant stabil auf recht hohem Niveau und so konnte die Union bei den Bundestagswahlen 2013 wieder ein zufriedenstellendes Wahlergebnis erzielen. Der bisherige Koalitionspartner FDP scheiterte jedoch an der Fünf-Prozent-Hürde. Infolgedessen war im Kabinett Merkel III wieder die große Koalition an der Macht. Die dritte Amtszeit der Kanzlerin war dominiert von der sogenannten Flüchtlingskrise. Merkel stellte sich gegen viele Stimmen in ihrer eigenen Partei und zeigte humanitäres Engagement. Mit dem Satz "Wir haben so vieles geschafft: Wir schaffen das." prägte Angela Merkel nicht nur die politische und gesellschaftliche Debatte, sie hinterließ auch eine Aussage, die für immer von ihrer Kanzlerschaft bleiben wird.

Im Jahr 2017 fand die vierte Bundestagswahl statt, für die Angela Merkel als Kanzlerkandidatin für die CDU antrat. Mit einem schlechten, aber ausreichenden Wahlergebnis entschied die Union die Wahl für sich. Doch die Koalitionsverhandlungen waren zäh, monatelang wurde verhandelt ohne dass eine Regierungsbildung absehbar schien. Fünf Monate nach der Wahl einigten sich CDU/CSU und SPD im Februar 2018 schließlich auf die Fortsetzung der großen Koalition im Kabinett Merkel IV.

Im Laufe des Jahres 2018 kündigte sich ein langsamer Rückzug von Angela Merkel an. Nach den desaströsen Landtagswahlen in Bayern und Hessen gab die Kanzlerin bekannt, für die Bundestagswahl im Jahr 2021 nicht mehr kandidieren zu wollen. Zudem gab sie zwei Monate nach dieser Verkündigung den CDU-Vorsitz an ihrer NachfolgerinAnnegret Kramp-Karrenbauer ab.

Im kommenden Jahr sorgte Angela Merkel mehrfach mit einem Tremor für Aufsehen. Während drei offizieller Termine zitterte die Kanzlerin am ganzen Körper und rief bundesweite Besorgnis um ihren Gesundheitszustand hervor. Die Kanzlerin beteuerte, sie achte gut auf ihre Gesundheit – weitere Ereignisse dieser Art kamen nicht mehr vor.

Auf der Zielgeraden ihrer letzten Amtszeit musste Angela Merkel das Land noch durch eine Pandemie steuern. Das Coronavirus hatte ab März 2020 das Land im Griff und die Menschen mussten mit nie vorher dagewesenen Einschränkungen leben. Grund genug für das seltene Ereignis einer Fernsehansprache der Kanzlerin, in der sie die Bevölkerung über den Ernst der Lage unterrichtete und um solidarische Mitwirkung bat.

Lange 16 Jahre führte Angela Merkel das Land, wurde für ihre Ruhe und ihren Pragmatismus bewundert, für fehlende klare Worte kritisiert und galt als mächtigste Frau der Welt. Am 8. Dezember 2021 endete mit dem neuen Bundestag unter der Führung von Olaf Scholz die Amtszeit von Merkel als Bundeskanzlerin.

Angela Merkel nach der politischen Karriere

Nach ihrem Abtritt als Kanzlerin fragte sich natürlich die ganze Welt, wie Merkel ihren Ruhestand verbringen wird. Bereits während eines Besuchs in den USA im Sommer 2021, wo ihr die Ehrendoktorwürde der Johns-Hopkins-Universität verliehen wurde, sagte die damals noch amtierende Kanzlerin auf der Pressekonferenz, dass sie nach den Jahren der Fremdbestimmung zur Ruhe kommen und erstmal nachdenken wolle, "was mich so eigentlich interessiert. (…) Und dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen, dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal."

Das Angebot von UN-Generalsekretär António Guterres, in einem Beratergremium zu mitzuarbeiten und auch einen Ehrenvorsitz der CDU lehnte sie jedenfalls ab. Aber vielleicht können sich alle politisch Interessierten und Merkel-Anhänger auf ein literarisches Werk freuen. Merkels engste Mitarbeiterin Beate Baumann ließ durchsickern, dass die Alt-Kanzlerin an einer politischen Autobiografie arbeite.

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