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Starporträt Christian Drosten

Christian Drosten wollte eigentlich nur Wissenschaft betreiben, doch die Pandemie machte ihn berühmt und ließ ihn ein ganzes Land durch die Krise leiten.

Steckbrief

  • Vorname Christian Heinrich Maria
  • Name Drosten
  • Titel Prof. Dr.
  • geboren 12.06.1972, Lingen im Emsland, Deutschland
  • Jahre 50
  • Partner verheiratet
  • Kinder Sohn

Biografie von Christian Drosten

Professor Doktor Christian Heinrich Maria Drosten – der vollständige Name ist etwas länger als der, der seit der Pandemie überall zu hören und zu lesen ist. Christian Drosten wurde vom Forscher zum deutschen Medienstar. Selbst wenn er sich vielleicht schon damals bewusst war, dass er eine erfolgreiche Karriere hinlegen würde, hätte wohl nicht einmal er sich träumen lassen, dass eines Tages ein weltberühmter Wissenschaftler aus ihm werden würde. Wenn auch unter nicht so positiven Bedingungen.

Der Weg in die Wissenschaft

Christian Drosten wurde 1972 in Lingen im Emsland geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Nach seinem Abitur wollte er Biologie studieren, musste zuvor aber seinen Zivildienst im Rettungswesen als Sanitäter leisten, was quasi ein erstes Schnuppern in den Arztberuf war. 1992 ging er schließlich an die Technische Universität Dortmund und die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster und begann sein Studium in Chemietechnik und Biologie. Zwei Jahre später wechselte er an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, um dort Humanmedizin zu studieren – und das mit Erfolg. Nach sechs Jahren Uni absolvierte Drosten sein drittes Staatsexamen, und drei Jahre darauf bekam er seinen Doktortitel verliehen: summa cum laude, versteht sich. Der Weg in die Wissenschaft war damit mehr als geebnet. Er arbeitet seitdem als Virologe, Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe.

Übrigens: Schon in seiner Dissertation befasste er sich mit PCR-Tests – wer hätte zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass wir einmal unseren Alltag während der Pandemie nach genau diesen Tests richten müssten.

Eine Karriere in der Virologie

Christian Drostens Karriere begann nach dem Studium als Arzt im Praktikum im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg in der Abteilung für Virologie. In dieser Zeit war Drosten Teil des Forscherteams, das 2003 das Virus „SARS-CoV-1“ entdeckte, welches damals auch eine Pandemie auslöste. Drosten entwickelte als weltweit Erster einen Test, der das Virus erfassen konnte.

Seine Forschungsarbeiten waren so vielversprechend, dass ihm 2007 die Stelle der Leitung am Institut für Virologie an der Uni-Klinik in Bonn angeboten wurde, wo er die nächsten zehn Jahre arbeitete. 2017 wurde er als Professor ans Institut für Gesundheitsforschung an der Charité in Berlin berufen. Dort leitet er das Institut für Virologie.

Ein Star der Pandemie

In der medizinischen Szene schon längst berühmt, machte die Covid-19-Pandemie aus Christian Drosten einen allgemein bekannten Promi. Als im Dezember 2019 zum ersten Mal von dem neuartigen Virus die Rede war, war das Forschungsteam um Drosten erneut an der Spitze, als es darum ging, Tests zu entwickeln. Nur einen Monat später standen die Tests zu Verfügung.

Christian Drosten war sich seiner Verantwortung in einer weltweiten Krise bewusst und versuchte auf verschiedenen Wegen, sein Wissen im Kampf gegen das Coronavirus zu teilen. Er beriet regelmäßig Politiker, Institute und Medien. Im März 2020 schrieb die Zeitschrift "Stern" über ihn: "Das Coronavirus hat den Virologen Christian Drosten zum gefragtesten Mann der Republik gemacht. Und zum Star."

Drosten, der Podcaster

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Drosten auch durch den Podcast "Coronavirus-Update" des NDR bekannt. Darin sprach Christian Drosten ab Februar 2020 über die aktuelle Lage der Pandemie, erklärte schwierige wissenschaftliche Zusammenhänge auch für Laien verständlich und klärte über Falschinformationen auf. Im selben Jahr wurde der Podcast mit dem Grimme Online-Award sowohl von der Jury als auch vom Publikum ausgezeichnet.

Schattenseiten des Ruhms

Masken tragen, Impfungen, diverse Verbote: In der Pandemie gehen die Meinungen zu solchen Themen zum Teil stark auseinander. Christian Drosten bekam das ganz besonders zu spüren. Denn wo Frust oder Ängste im Spiel sind, sind Drohungen und Anfeindungen oft nicht weit entfernt; sowohl von Einzelpersonen als auch seitens der Presse.

So wurde Christian Drosten im Mai 2020 in der BILD-Zeitung beschuldigt, eine falsche Studie zur Ansteckung bei Kindern veröffentlicht zu haben: "Fragwürdige Methoden: Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch – Wie lange weiß der Star-Virologe schon davon?" lautete die Überschrift. In dem Artikel wurden Zitate verfälscht und Sachverhalte zum Teil aus Kontexten gerissen, was kurz darauf vom damaligen BILD-Chef Julian Reichelt verteidigt wurde. Infolge erhielt Drosten Morddrohungen und Päckchen mit teils gefährlichen Inhalten.

Christian Drostens Auszeichnungen

Der Grimme-Preis für seinen Podcast ist längst nicht die einzige Auszeichnung, die Christian Drosten verliehen wurde. Seit 2003 erhielt er für seine Arbeiten in der Forschung diverse Ehrungen. 2005 war es das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2020 das von Frank Walter Steinmeier verliehene Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Im selben Jahr bekam er einen einmaligen Sonderpreis im Wert von 50.000 € von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für "herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der Covid-19-Pandemie". 2021 wurde er in Berlin zum Hochschullehrer des Jahres gewählt, erhielt den Berliner Wissenschaftspreis und eine Ehrendoktorwürde der Tierärztlichen Hochschule in Hannover.