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Starporträt Jan Böhmermann

Die einen lieben Jan Böhmermann, die anderen können nicht viel mit seinem Satire-Humor anfangen. Der Comedian spaltet die Nation.

Steckbrief

  • Vorname Jan
  • Name Böhmermann, geboren als 23.02.1981
  • geboren 23.02.1981, Bremen / Deutschland
  • Jahre 41
  • Grösse 1.9 m

Biografie von Jan Böhmermann

Jan Böhmermann wurde 1981 in Bremen geboren und wuchs dort auf. Seine Mutter war in den frühen 70er-Jahren nach Deutschland eingewandert und gehörte der deutschen Minderheit in Polen an. Als Böhmermann 17 Jahre alt war, starb sein Vater an Leukämie.

Seine ersten journalistischen Erfahrungen sammelte er 1997 bei "Die Norddeutsche", einer Lokalausgabe der Bremer Tageszeitungen. Ab 1999 arbeitete er als Moderator und Reporter bei Radio Bremen. Er bewarb sich an drei Schauspielschulen und wurde jedes Mal abgelehnt. Die vierte Bewerbung an der Schauspielschule Hannover war erfolgreich, allerdings trat der die Ausbildung nicht an. Auch sein Studium an der Universität zu Köln in den Fächern Geschichte, Soziologie, Theater- und Film- und Fernsehwissenschaften brach er ab.

Seine (Satire-)Karriere

Nach seinem Job bei Radio Bremen wechselte Jan Böhmermann 2004 zu 1Live vom WDR, wo er als Moderator und Comedian arbeitete. Dort wurde er von Lukas Podolski verklagt, nachdem er die Kolumne "Lukas' Tagebuch", eine Parodie über den Kölner Fußballprofi, schrieb. Podolski klagte allerdings erfolglos.

Im Laufe seiner Karriere war der Comedian Teil vieler verschiedener Shows und schrieb seine eigenen Stücke. Seine sechsteilige Comedy-Show "Echt Böhmermann" wurde im Jahr 2007 vom WDR ausgestrahlt. Im Januar 2009 gründete Jan Böhmermann im Rahmen einer Satire-Aktion für die RTL-Sendung "TV-Helden" den Ersten Türkischen Karnevalsverein Deutschlands. 2009 wurde die Sendung TV-Helden mit dem Deutschen Fernsehpreis 2009 in der Kategorie Beste Comedy-Sendung ausgezeichnet. Von September 2011 bis zur Absage der Show gehörte Jan Böhmermann zum Team der "Harald-Schmidt-Show" auf Sat.1.

Im Januar 2011 tourte Böhmermann dann zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf mehrere Wochen mit dem satirischen Impro-Kabarett "Zwei alte Hasen erzählen von früher" durch Deutschland. Nach dem Weggang von Heufer-Umlauf moderierte er den Radio-Podcast "Sanft und Sorgfältig mit dem Musiker Olli Schulz. Im April 2016 gaben die beiden dann bekannt, dass sie die Sendung bei Radio 1 nicht fortsetzen werden. Ab Mai 2016 machten die beiden dann exklusiv beim Musik-Stream-Giganten Spotify weiter. Dort läuft der Podcast seitdem sehr erfolgreich unter dem Namen "Fest und Flauschig".

Im März 2014 ging Böhmermann mit seinem Bühnenprogramm "Schlimmer als Jan Böhmermann", in dem er Witze und Einzeiler aus seinen bisherigen Shows und Veröffentlichungen konserviert, auf Deutschlandtournee. Zu seinen weiteren Jobs gehörten die Talkshow "Roche & Böhmermann", die Sendung "16 x Deutschland", die Comedy-Sendung "Was wäre wenn?" und die politisch-satirische Late-Night-Show "Neo Magazin Royal" auf ZDFneo. 2020 wechselte er dann ins ZDF Hauptprogramm mit einer überarbeiteten Show, dem "ZDF Magazin Royale". 

#Varoufake

Im Februar 2015 entstand in Böhmermanns Late-Night-Show "Neo Magazin Royale" der Song und das Musikvideo "V for Varoufakis". Am Ende des Videos ist ein Clip zu sehen, wie der griechische Politiker Yanis Varoufakis den Stinkefinger zeigt. Dieser Clip war aus dem Zusammenhang gerissen worden: Varoufakis hatte ein rhetorisches Beispiel dafür verwendet, was man nicht tun sollte. Nachdem der Fernsehmoderator Günther Jauch Varoufakis in einem Interview mit dem Videoclip konfrontiert hatte, machten die deutschen Medien aus der Frage, ob Varoufakis Deutschland den Stinkefinger zeigt, einen kleinen Skandal.

Als Reaktion auf die Behauptungen, der Mittelfinger sei gefälscht, erstellte Böhmermanns "Neo Magazin Royale" eine falsche Version des Videoclips mit der Bezeichnung #varoufake, in der behauptet wurde, Varoufakis habe den Finger nicht gezeigt und der Clip, den "Neo Magazin Royale" in "V für Varoufakis" verwendet hatte, sei in der Tat eine Fälschung.

Das #varoufake-Video sorgte für Verwirrung. Die Medien waren sich nicht im Klaren darüber, welche Version (un)manipuliert war und das ZDF musste offiziell erklären, dass das "Neo Magazin Royale" Satire ist und nicht für bare Münze genommen werden sollte. Varoufakis selbst lobte Böhmermanns Spott über die deutschen Medien auf Twitter. Der Comedian wurde 2016 für das manipulierte Fingervideo mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Die Böhmermann-Affäre

Im März 2016 präsentierte Böhmermann in seiner Satiresendung "Neo Magazin Royale" ein Gedicht namens "Schmähkritik" über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. 

Ein Großteil des Gedichts war darauf ausgerichtet, Erdogan mit verschiedenen, weniger akzeptierten Formen der Sexualität in Verbindung zu bringen. Böhmermann spielte bewusst mit den Grenzen der Satire und wollte veranschaulichen, dass diese Form der Schmähkritik in Deutschland nicht erlaubt sei.

Das ZDF distanzierte sich von dem Gedicht und schnitt es aus der Sendung heraus. Nach einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Dayutoglu kritisierte die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel das Gedicht als bewusst verletzend und die Mainzer Staatsanwaltschaft wollte sich mit dem Bundesjustizministerium über die Einleitung eines Strafverfahrens beraten.

Die türkische Regierung veröffentlichte eine Verbalnote, in der sie die strafrechtliche Verfolgung Böhmermanns fordert. Voraussetzung für das Ermittlungsverfahren war eine Ermächtigung der Bundesregierung. Sowohl diese Ermächtigung als auch das Gesetz an sich, das als nicht mehr zeitgemäß beurteilt wurde, wurden medial diskutiert und zum Beginn des Jahres 2018 abgeschafft. Erdogan selbst erstattete zudem als Privatperson Anzeige gegen Böhmermann. 

Im April 2016 wurde berichtet, dass der Comedian unter Polizeischutz stehe, weil er von Erdogan-Anhängern bedroht werde. Auch seine Radiosendung "Sanft & Sorgfältig" und seinen Auftritt bei den Grimme-Preisen, wo er für sein Varoufakis-Video ausgezeichnet wurde, sagte er ab. Im Oktober 2016 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren mit der Begründung ein, sie habe keine ausreichenden Beweise gefunden, um die Ermittlungen gegen Jan Böhmermann fortzusetzen.

Böhmermanns politisches Engagement

Der Comedian hat sich in mehreren Sendungen für das Wohl von Flüchtlingen eingesetzt und kritisierte wiederholt die europäische Flüchtlingspolitik. Besonders missfallen ihm die Verbote, Kriminalisierungsversuche und die drohende Strafverfolgung von privaten Seenotrettungsdiensten. Bei der Verhaftung des deutschen Kapitäns Claus-Peter Reisch und der Beschlagnahmung des Seenotrettungsschiffs Lifeline auf Malta im Juli 2018 startete Böhmermann eine Spendenaktion und sammelte rund 200.000 Euro zugunsten eines Rechtshilfefonds. Auch bei der Verhaftung der deutschen Seenotrettungskapitänin Carola Rackete in Italien Ende Juni 2019 rief Böhmermann gemeinsam mit Klaas Heufer-Umlauf zu Spenden für sie und den Verein Sea Watch auf. In kürzester Zeit kam fast eine Million Euro zusammen.


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