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Starporträt Vitali Klitschko

An Rente scheint Vitali Klitschko keine Gedanken zu verschwenden. Anstatt das Ende der Box-Karriere zu genießen, widmet er sich seiner politischen Laufbahn.

Steckbrief

  • Vorname Vitali Wladimirowitsch
  • Name Klitschko
  • geboren 19.07.1971, Belowodsk
  • Jahre 51
  • Partner Natalia Ergorova (verheiratet)
  • Kinder Yegor-Daniel (*2000) Max (*2005) Elizabeth-Victoria (*2002)

Biografie von Vitali Klitschko

Vitali Klitschko wurde am 19. Juli 1981 in Belowodsk geboren. Sein Vater Wladimir Rodionowitsch Klitschko war Generalmajor der sowjetischen Luftwaffe und sowjetischer Militärattaché in Ostdeutschland. Seine Mutter war Pädagogin. Vitali und sein jüngerer Bruder Wladimir Klitschko lebten als Kinder von 1980 bis 1985 in der Tschechoslowakei, wo ihr Vater bei den sowjetischen Besatzungstruppen stationiert war. Sie besuchten eine Schule für Kinder von sowjetischen Soldaten in der nordböhmischen Stadt.

Mit 13 Jahren lernte Vitali das Boxen auf einem Militärstützpunkt kennen, wo die Familie zum damaligen Zeitpunkt lebte. Nach dem Umzug nach Kiew 1985 betätigte sich Klitschko zunächst im Kickboxen, wo er verschiedene Turniererfolge erringen konnte und in die sowjetische Junioren-Nationalmannschaft aufgenommen wurde.

Vitali Klitschko, der Amateurboxer

Da sowohl Karate als auch Kickboxen in der Sowjetunion verboten waren und Amateurboxen eine von fünf sanktionierten Kampfsportarten war, die der Öffentlichkeit zugänglich waren, begann Vitali Klitschko mit dem Boxen und wurde von dem ehemaligen sowjetischen Boxer und WM-Bronzemedaillengewinner von 1974, Anatoliy Klimanov trainiert. Nachdem das Verbot aufgehoben wurde und die Sowjets ihr Kickboxteam zusammenstellten, wurde Klitschko sofort Mitglied.

Er trat gleichzeitig im Amateurboxen, Kickboxen und Sportkarate an und erzielte in allen Kampfsportarten, an denen er beteiligt war, beachtliche Erfolge. Er war sechsmal Weltmeister im Kickboxen. 1996 beendete er seine Amateurboxkarriere und wurde Profi, nachdem er bei der in Deutschland ansässigen Universum Box-Promotion einen Vertrag unterschrieb.

Vom Amateurboxer zum Profiboxer

Vitali Klitschko begann seine Profiboxkarriere 1996 und gewann seine ersten 24 Kämpfe entweder durch vorzeitigen oder technischen K. o.. Er und Wladimir unterschrieben bei der deutschen Athletenförderungsgesellschaft Universum. Da beide Brüder promoviert und mehrsprachig sind, sorgten ihre kultivierten und redegewandten Persönlichkeiten dafür, dass sie in Deutschland und bei Universum gut vermarktet werden konnten. Mit der Zeit wurde Vitali eine Berühmtheit in seiner Wahlheimat. In seinem 25. Profikampf am 26. Juni 1999 gewann Klitschko den WBO-Titel im Schwergewicht durch K. o. in der zweiten Runde gegen Herbie Hide. Er verteidigte den Titel zweimal erfolgreich. Der Boxer verlor den Gürtel nur kurze Zeit später unerwartet gegen Chris Byrd. 2004 holte Vitali Klitschko den WBC-Titel durch den Sieg über Corrie Sanders wieder nach Hause.

Mehrere gesundheitliche Beeinträchtigungen zwangen Vitali Klitschko zu einer vierjährigen Pause. Mit dem Gewinn des WBC-Titels 2008 gelang ihm schließlich ein grandioses Comeback. Fortan hielten die Klitschko-Brüder alle WM-Titel im Schwergewicht, was boxhistorisch noch nie vorgekommen war. Seine Titel verteidigte er gegen neun weitere Herausforderer bis September 2012. Nach seinem Sieg gegen Manuel Charr beendete der Boxer seine Karriere als amtierender Boxweltmeister. Am 15. Dezember 2013 trat Klitschko dann endgültig vom Boxsport zurück. Seit seinem Rücktritt hielt er sich mit dem Training zurück und stand bei den meisten Kämpfen in der Ecke seines Bruders.

Ein Box-Weltmeister wird Bürgermeister

Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere betrat Vitali Klitschko die politische Bühne in seiner Heimat, der Ukraine. Während der ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2004 unterstützten die Klitschko-Brüder offen die Kandidatur von Viktor Juschtschenko. Im Oktober 2006 wurde er zum Vollzeitberater befördert.

Kurz nach seinem Rücktritt als Profisportler im Jahr 2005 kandidierte Klitschko für das Amt des Bürgermeisters von Kiew, er unterlag allerdings seiner Konkurrenz. Es folgten weitere Versuche, der Erfolg kam aber erst bei seiner Kandidatur im Jahr 2014. Am 29. März gab er bekannt, dass er bei den für den 25. Mai 2014 angesetzten Kommunalwahlen für das Amt des Kiewer Bürgermeisters kandidieren werde.

Vitali Klitschko gewann die Kiewer Bürgermeisterwahlen mit fast 57 Prozent der Stimmen. Er wurde am 5. Juni 2014 als Bürgermeister vereidigt. Bei den Kiewer Bürgermeisterwahlen 2015 wurde Klitschko mit 66,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Bei der Wahl zum Bürgermeister von Kiew 2020 war Klitschko erneut Kandidat. Er gewann die Wahl mit 50,52 Prozent der Stimmen. Umgerechnet 365.161 Menschen stimmten für ihn.

Der Ukraine-Krieg: Vitali Klitschkos schwerster Kampf

Abseits des Sports lernt die Welt Vitali Klitschko seit Kriegsbeginn in der Ukraine als starken Politiker kennen. Er ist bereit, bis zum Tod für das zu kämpfen, was er über alles liebt: sein Heimatland, die Ukraine. Vor allem die Frau des ehemaligen Profi-Boxers bangt in den schwierigen Zeiten um das Leben ihres Mannes. Während sie und ihre drei gemeinsamen Kinder sicher in Hamburg sind, kämpft der Ehemann und Vater für sein Land.

Vitali ist trotzdem nicht ohne familiäre Unterstützung in Kiew. An seiner Seite steht sein jüngerer Bruder Wladimir Klitschko. Er lehrte an der Universität St. Gallen in der Schweiz, als Russland in die Ukraine einmarschierte. Ohne zu zögern ließ er alles stehen und liegen, um sich seinem älteren Bruder anzuschließen. Die Klitschko-Brüder wurden in kürzester Zeit zu zwei der bekanntesten Gesichter des Krieges, da sie ihre Reichweite nutzen, um in den sozialen Medien über die Situation in der Ukraine aufzuklären. Die beiden stehen für Kraft, Disziplin und mentale Stärke.

Ein Boxer mit treuer Seele

Der Boxer ist seit 1996 mit seiner Frau Natalia verheiratet. Gemeinsam mit dem ehemaligen Model hat Klitschko drei gemeinsame Kinder.