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Porträt Wolodymyr Selenskyj

Wolodymyr Selenskyj war ein beliebter Schauspieler und Komiker, als er 2019 überraschend zum Präsidenten der Ukraine gewählt wurde.

Steckbrief

  • Vorname Wolodymyr
  • Name Selenskyj
  • geboren 25.01.1978, Kryvyi Rih, Dnipropetrovsk Oblast
  • Jahre 44
  • Partner Olena Selenska (verheiratet seit 2003)
  • Kinder Oleksandra Selenska (*2004) Kyrylo Selenskyj (*2013)

Biografie von Wolodymyr Selenskyj

Wolodymyr Selenskyj wurde als Sohn jüdischer Eltern in Kryvyi Rih in der damaligen Sowjetunion geboren. Sein Vater, Oleksander ist Professor und Informatiker sowie Leiter der Abteilung für Kybernetik und Computerhardware an der Staatlichen Universität für Wirtschaft und Technologie in Kryvyi Rih. Seine Mutter Rymma arbeitete als Ingenieurin. Selenskyjs Urgroßvater und drei seiner Brüder starben im Holocaust. Im März 2022 enthüllte der ukrainische Präsident, dass seine Urgroßeltern getötet worden waren, nachdem deutsche Truppen ihr Haus bei einem Massaker niedergebrannt hatten.
Vor seiner Einschulung lebte Wolodymyr Selenskyj vier Jahre lang in der mongolischen Stadt Erdenet, wo sein Vater arbeitete. Selenskyj wuchs russischsprachig auf, im Alter von 16 Jahren erhielt er ein Bildungsstipendium, um in Israel zu studieren, aber sein Vater erlaubte ihm nicht, dorthin zu gehen. Später erwarb er einen Abschluss in Rechtswissenschaften am Kryvyi Rih Institute of Economics.

Comedy-Karriere

Im Alter von 17 Jahren schloss er sich einem Comedy-Verein an, mit dem er an zahlreichen Wettbewerben teilnahm. Schon bald wurde er eingeladen, das ukrainische Nationalteam zu vertreten. Kurz darauf gründete er sein eigenes Comedy-Team namens "Kvartal 95", mit dem er schon bald durch die post-sowjetischen Länder tourte und auch landesweit im Fernsehen zu sehen war.
Im Jahr 2008 spielte er die Hauptrolle in dem Spielfilm "Love in the Big City" und dessen Fortsetzung "Love in the Big City 2". Selesnkyj setzte seine Filmkarriere mit dem Film "Office Romance – Our Time" und "Rzhevsky Versus Napoleon" fort. "Love in the Big City 3" kam im Januar 2014 in die Kinos. Weitere Kinofilme und Fernsehserien folgten, 2017 hatte der heutige Präsident sein Debut als Synchronsprecher in "Paddington Bear".

Anfänge kulturpolitischen Engagements

2014 sprach sich Selenskyj gegen die Absicht des ukrainischen Kulturministeriums aus, russische Künstler aus der Ukraine zu verbannen. Seit 2015 verbietet die Ukraine jedoch russischen Künstlern und anderen russischen Kulturwerken die Einreise in die Ukraine.
Nachdem ukrainische Medien berichtet hatten, dass Selenskyjs Comedy-Verein "Kvartal 95" während des Krieges im Donbass eine Million Griwna an die ukrainische Armee gespendet hatte, forderten einige russische Politiker und Künstler wiederum ein Verbot seiner Werke in Russland. Selenskyj hingegen sprach sich erneut gegen die Absicht des ukrainischen Kulturministeriums aus, russische Künstler aus der Ukraine zu verbannen.

Politische Karriere

2018 meldeten Mitglieder des ehemaligen Comedy-Clubs und der heutigen Produktionsfirma "Kvartal 95" eine neue politische Partei mit dem Namen "Diener des Volkes" an. Die Partei trägt denselben Namen wie die Fernsehsendung, in der Selenskyj in den vorangegangenen Jahren die Hauptrolle gespielt hatte. Obwohl der heutige Präsident vehement jegliche Spekulationen um eine mögliche Präsidentschaftskandidatur bestritt, kochte die Gerüchteküche weiter. Er lag sogar in den Beliebtheitsumfragen schon vorn, als er dann endlich nach monatelangen zweideutigen Äußerungen in der Silvesterabendshow seine Kandidaturfür das Amt des Präsidenten der Ukraine bekannt gab.
Wolodymyr Selensykjs Präsidentschaftswahlkampf gegen Poroschenko fand fast ausschließlich virtuell statt. Er veröffentlichte kein detailliertes politisches Programm und sein Engagement in den Mainstream-Medien war minimal. Stattdessen wandte er sich über Social-Media-Kanäle und Youtube-Clips an die junge Wählerschaft. So trat er zum Beispiel anstelle von traditionellen Wahlkampfveranstaltungen mit "Kvartal 95" in der ganzen Ukraine mit Stand-up-Comedy auf. Er bezeichnete sich selbst als Anti-Establishment- und Anti-Korruptionsfigur. Gegenüber der ukrainischen Zeitung "UNIAN" gab er bekannt, er wolle das Vertrauen in die Politiker wiederherstellen, "professionelle, anständige Leute an die Macht bringen" und "die Stimmung des politischen Establishments ändern". Selenskyj erklärte, dass er als Präsident die Wirtschaft fördern und Investitionen in die Ukraine holen würde.
Er gewann den ersten Wahlgang am 31. März 2019 deutlich. Im zweiten Wahlgang am 21. April 2019 erhielt er 73 Prozent der Stimmen gegenüber 25 Prozent für Poroschenko und wurde damit zum Präsidenten der Ukraine gewählt.

Kriegsausbruch in der Ukraine

Seine Regierung sah sich im Jahr 2021 mit einer Eskalation der Spannungen mit Russland konfrontiert, die im Februar 2022 in der Einleitung einer groß angelegten russischen Invasion gipfelte. Anfangs distanzierte er sich von Warnungen vor einem drohenden Krieg, forderte aber gleichzeitig Sicherheitsgarantienund militärische Unterstützung durch die NATO, um der Bedrohung "standhalten" zu können. Nach Beginn der Invasion verhängte der Präsident das Kriegsrecht über die gesamte Ukraine und rief eine allgemeine Mobilisierung der Streitkräfte aus. Seine Führungsrolle während der Krise hat ihm international große Bewunderung eingebracht und er wurde als Symbol des ukrainischen Widerstands bezeichnet. Wie schon während des Wahlkampfes setzt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Social Media als Informationstool und Nachrichtendienst und nimmt weiterhin Videonachrichten auf, in denen er über die dringliche Lage berichtet und die internationale Gemeinschaft um Unterstützung aufruft.

Privatleben

2003 heiratete Selenskyj seine Ehefrau Olena Kiyashko (Selenska), mit der er damals zur Schule gegangen war. Die Tochter des Paares Oleksandra wurde 2004 geboren, ihr Sohn Kyrylo 2013. Selenskyjs Muttersprache ist Russisch, er spricht aber auch fließend Ukrainisch und Englisch.
Die Pandora-Papiere (Pandora Papers) vom Oktober 2021 enthüllten, dass der Präsident und der Leiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes Iwan Bakanow ein Netz von Offshore-Unternehmen auf den Britischen Jungferninseln, Zypern und Belize betrieben. Zu diesen Unternehmen gehörten auch einige, die teure Immobilien in London besaßen. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab.

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