Rauchen: Verbote allein bringen nichts

Frauen rauchen anders - Anti-Rauch-Programme sollten dies berücksichtigen.

Ich weiß nicht, wie es in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis aussieht, ich jedenfalls beobachte folgendes: Seit Einführung der verschärften Rauchverbote (in den meisten Bundesländern zum 1. Januar 2008) wird um mich herum zwar an anderen Orten geraucht, aber nicht weniger.

Ich kenne niemanden, der seit den Änderungen vom Januar dem Tabak abgeschworen hat. Im Gegenteil: Einige der Nikotinliebhaber scheinen umso verbissener am Glimmstängel festzuhalten oder sind nach einer erfolgreichen Entwöhnung wieder rückfällig geworden.

Gerade sind objektive Zahlen erschienen, die meinen Eindruck zu bestätigen scheinen: Lange Zeit ging der Umsatz an Tabakwaren kontinuierlich zurück, im dritten Quartal dieses Jahres ist er nach Angaben des Statistischen Bundesamts erstmals wieder angestiegen: gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent.

Trotzdem ist davon auszugehen, dass die verschärften Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden, in Gaststätten oder Bahnhöfen uns insgesamt gesünder machen werden. In Frankreich war die Zahl der Herzinfarkte bereits ein Jahr nach Einführung eines Rauchverbotes in Hotels, Restaurants und Kasinos um 15 Prozent gesunken. Ähnliche Zahlen werden aus Italien vermeldet.

Die gesetzlichen Regelungen schützen vor allem die, die nicht rauchen. Das ist gut so, denn Mitqualmen macht krank, vor allem Frauen: Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungsinstituts in Heidelberg entfallen 70 Prozent der Todesfälle durch Passivrauchen auf das weibliche Geschlecht.

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Doch auch Raucherinnen und Raucher selbst müssen geschützt werden. Man sollte sie direkt ansprechen und dabei unterstützen, dauerhaft von der Zigarette loszukommen, statt nur mit dem juristischen Finger auf sie zu zeigen. Dabei muss es auch speziell um Frauen gehen, denn Frauen rauchen anders. Tabakkonsum schadet dem weiblichen Körper mehr als dem männlichen: Die Fälle von Lungenkrebs zum Beispiel haben sich unter Frauen in den letzten Jahren mehr als verdoppelt, Hauptursache der Erkrankung: das Rauchen. Und eine aktuelle australische Studie zeigt, dass Tabak nicht nur dem Körper, sondern auch der Psyche einer Frau schadet: Raucherinnen entwickelten innerhalb von zehn Jahren doppelt so häufig eine Depression wie Nichtraucherinnen.

Außerdem fällt Frauen das Aufhören deutlich schwerer als Männern. Vor allem die Angst, an Gewicht zu zulegen, hält viele Raucherinnen davon ab, das Aufhören zu wagen oder durchzuhalten. Einer US-Untersuchung zufolge steht dahinter häufig ein unrealistisches Körperideal der Raucherinnen. Entwöhnungsprogramme sollten diese Ängste unbedingt ernst nehmen.

Und schließlich gefährden viele Raucherinnen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre ungeborenen Kinder, denn gut ein Viertel hört auch in der Schwangerschaft nicht auf zu rauchen. Aus Schweden weiß man bereits, dass eine gezielte Ansprache und Unterstützung der werdenden Mütter die Raucherquote deutlich reduziert.

Natürlich geht es Menschen beiderlei Geschlechts besser, wenn sie nicht (mehr) rauchen. Trotzdem müssen Anti-Rauch-Kampagnen auch die frauentypischen Aspekte des Rauchens berücksichtigen. Verbote allein sind dagegen wenig erfolgreich.

Text: Antje Kunstmann Foto: Getty Images; Klaus Knuffmann Illustration: Tim Möller-Kaya

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Antje Kunstmann
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