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Fairtrade-Siegel Bedeutung, Kriterien und Kritik an fair gehandelter Ware

Fairtrade-Siegel
© Dmitri Mikitenko / Shutterstock
Im Siegel-Dschungel behält kaum jemand den Durchblick. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären, auf welche Fairtrade-Siegel Verlass ist, welche Bedeutung sie haben und welche Kriterien sie erfüllen müssen.

Inhaltsverzeichnis

Laut Fairtrade Deutschland kennzeichnet das Label "Fairtrade" Waren, die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten wurden. Dabei gibt es verschiedene Abstufungen der Labels und somit auch unterschiedlich strenge Kriterien, die das Endprodukt betreffen. Welche das sind, auf welche Labels ihr vertrauen könnt und warum Fairtrade-Siegel auch schon in der Kritik standen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Das Fairtrade-Siegel ist auf vielen Lebensmitteln, wie Kaffee, Tee und Schokolade zu finden, aber auch andere Rohstoffe wie Baumwolle und Gold können damit gekennzeichnet sein. Hersteller:innen, die ihre Waren mit diesem Label versehen, garantieren der:dem Käufer:in, dass sie der:den Bäuer:innen und Kleinbäuer:innen mindestens einen kostendeckenden Preis für ihre Ware zahlen. Auch bei schwankenden Weltmarktpreisen verpflichten sich die Hersteller:innen, den Preis anzupassen. Außerdem setzen Händler:innen von Fairtrade-Produkten auf langjährige Beziehungen zu den Produzent:innen, bestimmte Pestizide sind verboten und ökologische Landwirtschaft wird belohnt.

Fairtrade-Siegel: Eine Übersicht

Klassische Fairtrade-Produkt-Siegel

Fairtrade-Siegel: Bedeutung, Kriterien und Kritik an fair gehandelter Ware
© Fairtrade Deutschland e.V.

Das wohl bekannteste unter den Fairtrade-Siegeln ist das klassische Fairtrade-Siegel. Produkte, die dieses Siegel erhalten, sind zu 100 Prozent unter Fairtrade-Bedingungen gehandelt und produziert worden.

Fairtrade-Siegel: Bedeutung, Kriterien und Kritik an fair gehandelter Ware
© Fairtrade Deutschland e.V.

Das Fairtrade-Siegel mit Pfeil kennzeichnet Mischprodukte. Das bedeutet, Teile oder einzelne Zutaten des Produktes stammen von Fairtrade-Hersteller:innen, andere Teile aus konventioneller Herstellung. 

Spezielle Fairtrade-Produkt-Siegel

Fairtrade-Siegel: Bedeutung, Kriterien und Kritik an fair gehandelter Ware
© Fairtrade Deutschland e.V.

Diese speziellen Fairtrade-Siegel gibt es für Baumwolle (Cotton), Gold und Kosmetikprodukte. Wenn Baumwollprodukte und Gold diese speziellen Siegel tragen, sind sie zu 100 Prozent fair produziert worden. Bei Kosmetik gilt: Alle Inhaltsstoffe, die als Fairtrade-Rohstoffe erhältlich sind, müssen Fairtrade-zertifiziert sein. 

Fairtrade-Rohstoff-Siegel

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© Fairtrade Deutschland e.V.

Die Fairtrade-Rohstoff-Siegel beziehen sich immer auf eine fair gehandelte Einzelzutat. So kann zum Beispiel Baumwolle und Kakao ein extra Fairtrade-Siegel bekommen, wenn sie in einem Mischprodukt enthalten ist. So wird sichergestellt, dass klar erkennbar ist, welche Zutat oder welcher Rohstoff von einem Produkt unter fairen Bedingungen gehandelt und hergestellt wurde.

Mengenausgleich und Mischprodukte

Bei Produkten mit dem Fairtrade-Siegel kann man zwischen reinen Fairtrade-Produkten sowie Mischprodukten und Produkten mit Mengenausgleich unterscheiden. Bei fair gehandelten Bananen, Kaffee oder Blumen lässt sich der Produktionsort eins zu eins zurückverfolgen.

Es gibt allerdings auch Produkte, bei denen ein Mengenausgleich geschaffen wird. Diese sind mit dem Fairtrade-Siegel mit Pfeil besonders gekennzeichnet (siehe Logo-Erklärung am Anfang des Artikels).

Bei Produkten mit Mengenausgleich ist erlaubt, dass Fairtrade-Rohstoffe bei der Verarbeitung mit konventionell angebauten Rohstoffen gemischt werden. Das passiert zum Beispiel bei Kakao, Fruchtsaft, Tee oder Zucker.

Mengenausgleich: Warum macht man das?

  • Der Mengenausgleich hat praktisch-logistische Gründe: Da viele Fairtrade-Produzent:innen zu geringe Mengen produzieren, könnten sie ohne Mengenausgleich gar nicht am Fairtrade-System teilnehmen.

Mengenausgleich: Nachteil für den:die Verbraucher:in

  • Das Endprodukt ist nicht vollständig rückverfolgbar.

Mischprodukte, also jene, die aus mehreren unterschiedlichen Zutaten bestehen, wie Schokolade, Eiscreme oder Kekse, können zu einem Anteil aus Fairtrade-Zutaten bestehen und zu einem anderen aus konventionellen.

Das Fairtrade-Siegel mit Pfeil erhält ein Produkt allerdings nur, wenn …

  • alle einzelnen Rohstoffe, die für das Produkt in Fairtrade-Standards erhältlich wären, auch aus Fairtrade-Quellen bezogen werden. Nur Rohstoffe, die es nicht als Fairtrade-Ware gibt, dürfen aus konventioneller Herstellung stammen.
  • der Anteil der fair gehandelten Rohstoffe mindestens 20 Prozent (gemessen am Gewicht/Volumen) beträgt.
  • Bei mindestens 50 Prozent Fairhandelsanteil wird die Zugabe von Wasser/Milchprodukten für diese Berechnung nicht mehr berücksichtigt.

Kriterien von Fairtrade-Produkten

Produkte, die mit dem Fairtrade-Siegel ausgestattet sind, müssen zum einen vollständig rückverfolgbar sein und zum anderen müssen die verwendeten Rohstoffe getrennt von nicht zertifizierten Rohstoffen gelagert werden. Des Weiteren gibt es soziale, ökonomische und ökologische Kriterien, die eingehalten werden müssen.

Soziale Kriterien

  • Organisation in demokratischen Gemeinschaften (bei Kooperativen)
  • Förderung gewerkschaftlicher Organisation (auf Plantagen)
  • Geregelte Arbeitsbedingungen
  • Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit
  • Diskriminierungsverbot

Ökologische Kriterien

  • Umweltschonender Anbau
  • Schutz natürlicher Ressourcen
  • Verbot gefährlicher Pestizide
  • Kein gentechnisch verändertes Saatgut
  • Förderung des Bio-Anbaus durch den Bio-Aufschlag

Ökonomische Kriterien

  • Bezahlung von Fairtrade-Mindestpreis und Fairtrade-Prämie
  • Nachweis über Waren- und Geldfluss
  • Richtlinien zur Verwendung des Siegels
  • Transparente Handelsbeziehungen
  • Vorfinanzierung

Kritik an Fairtrade-Siegeln

Der wohl größte Kritikpunkt an Fairtrade-Produkten ist der, dass viele Produkte das Faitrade-Siegel tragen, obwohl nur ein Anteil daran fair gehandelt wurde. Zum Beispiel kann ein Nuss-Schoko-Riegel mit dem Fairtrade-Rohstoff-Siegel für fair gehandelten Zucker versehen werden und erweckt bei dem:der Endkund:in den Eindruck eines insgesamt fair produzierten Riegels. Das kann zu Intransparenz für die Käufer:innen führen und macht die Siegel teilweise kompliziert. Außerdem wurde 2011 der Mindestanteil, den ein Produkt an fair gehandelten Zutaten enthalten muss, von 50 auf 20 Prozent gesenkt.

Alternativen zum Fairtrade-Siegel

  • GEPA fair+
  • Naturland fair
  • Rapunzel Hand in Hand
  • Fair for Life
  • Símbolo de Pequeños Productores (SSP)
  • World fair Trade Organization (WFTO-Organization)
  • Weltladen-Dachverband

Quellen: fairtrade-deutschland.de, utopia.de, forum-fairer-handel-de

Brigitte