...Cornelia Poletto

Sie ist jung. Sie ist begabt. Sie hat schon einen Michelin-Stern. Und die Profi-Köchin nimmt uns hier die Angst vor großen Fischen.

"Für mich ist es die schönste Art, einen Fisch zu garen", erzählt Cornelia Poletto in ihrer kleinen Restaurantküche. "So saftig bekommt man ihn sonst nur selten hin, und er behält seinen wunderbaren Eigengeschmack.“ Die Hamburgerin mit dem italienischen Namen von ihrem italienischen Mann strahlt, wenn sie über ihre Rezepte spricht, über die Qualität der Produkte, die sie verarbeitet, über die Händler, denen sie vertraut. Sie liebt ihre Arbeit. Und sie hat Spaß daran, wenn alles gut vorbereitet ist. So stehen alle schon vormittags in der "Poletto"-Küche und file- tieren Fisch, portionieren Fleisch, schneiden Zwiebeln fein, häuten Kirschtomaten, waschen Salat, putzen Erdbeeren, ziehen Knoblauch ab, kneten Teig. Und wenn sie dann selbst in Aktion tritt, in der blitzblanken und aufgeräumten Küche, dann rückt sie zuerst einmal das Brett gerade, bevor sie mit exakten Schnitten die schwarzen Oliven zerteilt. Hier sitzt jede Handbewegung, hier bringt ein eingespieltes Team höchste Genüsse auf den Tisch. Die Gäste wissen es seit Jahren zu schätzen: Cornelia Polettos Kochkunst plus den perfekten Service ihres Mannes Remigio. Sympathisch, wenn sie ihnen selbst Trüffel über die Pasta hobelt oder die Ente am Tisch tranchiert, "als Belohnung, wenn ein Menü für zwei Personen bestellt wird", lacht sie. Cornelia Poletto, 32, die aus einer westfälischen Ärzte- und Apothekerfamilie stammt, hat ein Praktikum im "Gasthof Brink" in Paderborn gemacht, war auf der Hotelfachschule in Bayern und dann beim Sterne-Koch Heinz Winkler in Aschau. "Die Ausbildung war hart und gut." Und hat sich gelohnt: Das eigene Restaurant "Poletto" in Hamburg ist eines der besten der Stadt, sie wurde schon vor anderthalb Jahren mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und gehört zu den "Jeunes Restaurateurs", der exklusiven Vereinigung junger Spitzenköche. Sympathisch auch, dass der schnelle Erfolg Cornelia Poletto nicht zu Kopf gestiegen ist. Die Perfektionistin am Herd bietet ihren Gästen Topqualität und wünscht sich, dass es ihnen schmeckt. "Manche Kollegen präsentieren Kunstwerke auf dem Teller und haben dann die einfachste Zutat vergessen - das Salz", sagt die Köchin, die mutig würzt. Und die natürlich auch tolle Arrangements mag. "Mein Hobby sind meine verschiedenen Porzellanteller aus Frankreich, die kommen hier zum Einsatz." Wundervoll sieht das aus. Und schmeckt so gut, dass auch Tochter Paola, 2, gern zugreift. Das Lieblingsrezept ihrer Mutter ist auch ihr Favorit. Hier ist es:

Rezept: Fisch in Salzkruste

Zutaten: Loup de mer von etwa 1 kg 2 kg grobes Meersalz 150 g Mehl 70 g Speisestärke 5 Eier eine Hand voll Kerbel 3–4 Thymian-, Basilikum-, Estragon- und Petersilienzweige Geschmorte Tomaten 250 g Kirschtomaten 6 entsteinte schwarze Oliven 1 kleines Stück getrocknete Chilischote 3-4 getrocknete Tomaten in Öl 1 frische Knoblauchzehe 2 Lauchzwiebeln 5–6 schöne Basilikumblätter 2 EL Öl, 2-3 EL passierte Tomaten Salz, Pfeffer

Zubereitung Der Fisch, ein Loup de Mer (Wolfsbarsch), etwa ein Kilo schwer, ist küchenfertig geputzt, also ausgenommen und geschuppt. Kopf und Schwanzflosse sind noch dran, die Haut muss makellos und unverletzt sein. Das ist ganz wichtig, wenn ein Fisch in den Salzteig kommt - sonst wird er schnell versalzen. Der Salzteig: Ich nehme für einen Fisch dieser Größe rund zwei Kilo grobes Meersalz. Das mische ich mit dem Mehl, der Speisestärke und den Eiern. Alles wird schnell in der Küchenmaschine oder mit den Quirlen des Handrührers gut verrührt (nicht zu lange, sonst wird der Teig schleimig). Der Fisch bekommt frische Kräuter in die Bauchöffnung: Kerbel, Thymian-, Basilikum-, Estragon- und Petersilienzweige. Dann ein Backblech umdrehen und mit Alufolie bespannen: So kann man später am besten die harte Salzkruste mit dem Messer aufschneiden. Passt der Fisch darauf - quer, diagonal oder längs? Das muss ausprobiert werden, bevor der Sockel für das Salzbett geformt wird! Dafür etwa ein Drittel des Salzteigs auf dem Backblech so modellieren, dass der ganze Fisch darauf liegen kann. Den Fisch dann sorgfältig mit dem restlichen Salzteig einpacken. Jetzt ab damit in den vorgeheizten Backofen (225 Grad, Umluft 200 Grad, Gas Stufe 5). Am besten gart der Fisch im Umluft-Backofen.

Inzwischen wird die Beilage gemacht: die geschmorten Tomaten, das so genannte Tomatenfondue. Die Kirschtomaten kalt abspülen, von den Stielen zupfen und zuerst halbieren, dann vierteln. Dabei, das gehört sich für Sterne-Köche, den grünen Stielansatz, auch wenn er noch so klein ist, mit einem kleinen Messer herausschneiden. Schwarze Oliven in Viertel schneiden, getrocknete Chilischote zerbröseln, getrocknete Tomaten in Streifen schneiden, Knoblauch abziehen und sehr fein hacken, Lauchzwiebeln putzen und in Ringe schneiden und die Basilikumblätter in Streifen. Alles wird nun in Öl angedünstet. Dazu kommen noch passierte Tomaten aus dem Tetrapak (oder selbst gemachte Tomatensoße). Alles bis auf das Basilikum etwa 3 Minuten in einer Sauteuse oder einer Pfanne bei mittlerer Hitze schmoren und mit Salz und wenig Pfeffer abschmecken.

Nach 30 Minuten ist der Fisch fertig und kommt aus dem Backofen. Nun die Salzkruste mit einem scharfen Sägemesser vorsichtig rundherum einschneiden. Aufgepasst: Die Fischhaut darf nicht verletzt werden! Am besten ein Küchentuch auf den Fisch legen, damit man sich nicht verbrennt. Den Salzkrustendeckel abheben und prüfen, ob sich die Rückenflosse leicht aus dem Fisch ziehen lässt. Ist das nicht der Fall, einfach den Deckel noch mal für 10 Minuten auf den Fisch legen, damit er nachgart. Oder den Fisch mit dem Salzdeckel noch für ein paar Minuten in den Ofen schieben. Dann den Fisch vorsichtig von der Haut befreien. Das geht am besten mit zwei Gabeln. Das obere Fischfilet von der Gräte lösen und auf vorgewärmte Teller legen. Dann die Gräte mit dem Kopf und der Schwanzflosse abheben und das untere Filet von der Haut lösen. Das geht eigentlich wie von selbst - also keine Angst davor haben! Die Filets mit dem Tomatenfondue servieren und genießen. So zart, aromatisch und köstlich haben Sie selten einen Fisch gegessen. Wetten? Da ist es dann auch nicht so schlimm, wenn die ganze schöne Salzkruste am Ende in den Müll wandert.

Essen bei Cornelia Poletto

Restaurant "Poletto": Eppendorfer Landstraße 145, 20251 Hamburg, Telefon 040/480 21 59, www.poletto.de

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