Eis schmeckt - seit 7000 Jahren

Eis schmeckt - seit 7000 Jahren
Über die Kunst, Gefrorenes zu erzeugen. Ein Überblick über 7000 Jahre Eis-Geschichte.

Wie haben wir es heute doch gut: In jedem Laden, Kiosk oder Restaurant, sogar im Kino gibt's heute Eiskrem zu kaufen. Nicht zu vergessen all die Eisdielen, die uns jedes Jahr mit neuen Köstlichkeiten verwöhnen. Und zu Hause bedienen wir uns ganz selbstverständlich aus der Vorratspackung in der Tiefkühltruhe. Da schlecken wir uns ganz schön was zusammen: von 522 Millionen Litern verkauftem Markeneis allein im letzten Jahr spricht der Handel, macht im Durschschnitt knapp acht Liter pro Kopf und Jahr. Ein ziemlich stattlicher Eisberg.

Das war nicht immer so. Angeblich wussten zwar schon die Chinesen vor 5000 Jahren von der Zubereitung von Speiseeis aus Milch, Schnee und Früchten. Aber noch bei den Griechen galt Schnee vom Olymp als elitäre Götterspeise und blieb, mit Fruchtsaft, Wein und Honig vermischt, nur wenigen Auserwählten vorbehalten. Auch Kaiser Nero im antiken Rom wusste was gut ist und ließ sich für sein besonderes Eis-Vergnügen den Gipfelschnee extra aus den Alpen herbeischaffen. Gemixt mit Honig, Zimt und Rosenwasser, kombiniert mit Datteln, Feigen und Mandeln und mit Baumharz gewürzt ließ er es sich schmecken.

Vom antiken Schneegemisch bis zur modernen schneefreien Massenproduktion von Speiseeis war es ein weiter Weg, der eng mit der Entwicklung der Kühltechnik verbunden ist. Als Meilenstein in der Eisherstellung gilt die Entdeckung eines sizilianischen Zuckerbäckers im 14. Jahrhundert, der mit Hilfe von Salpeter künstliche Kälte zu erzeugen wusste. Aber noch lange blieb der Genuss von Gefrorenem als besonderes Privileg dem Adel vorbehalten. Von Italien aus eroberte das Speiseeis Europa, Katharina de' Medici, der König von England, Napoleon - sie alle gelten als große Eisfans. Von Frankreich kam die Köstlichkeit schließlich auch nach Deutschland: als erstes deutsches Eiscafé gilt der Alsterpavillion in Hamburg, 1799 von einem Franzosen eröffnet, um "Erfrischungen und besonders Gefrorenes" zu verkaufen. Dem Schriftsteller, Gartenbaukünstler und Gourmet Fürst Pückler-Muskau verdanken wir noch heute die berühmte Fürst-Pückler-Rolle.

Der große Durchbruch kam aber erst 1876 mit der Kältemaschine des Carl von Linde, die mit Ammoniak funktionierte - damit war die Grundlage für die Entwicklung des Kühlschranks gelegt. Und während in Ohio in Übersee das Stileis erfunden und als "Rahmlutschereis" patentiert wurde, begann in Deutschland die industrielle Speiseeisproduktion. Anfang der 50er Jahre gab es das Eis am Kiosk oder vom geliebten Eismann, der seine Ware noch mit Trockeneis gekühlt hat. Erst mit der Verbreitung des elektrischen Kühlschranks in den Haushalten und Supermärkten stieg der Eisabsatz rasant: in den letzten 40 Jahren von 1,5 Litern auf rund acht Liter im Jahr.


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