Eis und heiß: Wann wird's gefährlich?

Kennen Sie das: Der Eismann steckt den Portionierer in eine trübe Brühe, bevor er das Eis in die Waffel gibt? Wir haben den Mikrobiologem Horst Siems gefragt, wann Eis im Sommer gefährlich werden kann.

Dr. Horst Siems

BRIGITTE.de: Woran erkenne ich eine Eisdiele, der ich trauen kann?

Horst Siems: Eine gute Eisdiele zeichnet sich durch eine gute 'Schlangenbildung' aus, das heißt: Viele Menschen warten dort auf ihr Eis. Der äußere Eindruck muss ansprechen; fühlt man sich nur annähernd gestört, sollte man die Eisdiele meiden. Ich achte immer auf den Eisportionierer: Steht der in einer dickflüssigen Suppe, hole ich mir mein Eis woanders.

BRIGITTE.de: Vermutlich, weil der Eisportionierer im Wasserbad ein Bakterienherd ist...

Horst Siems: Richtig. Bei jedem Raus und Rein sammeln sich Bakterien. Hinzu kommen die hohen Temperaturen des Sommers. Je wärmer es ist, umso wohler fühlen sich die vielen kleinen Krankheitserreger. Man muss aber deshalb nicht auf Eis verzichten. Bei einer leichten Trübung des Wassers, in das der Portionierer eingetaucht wird, kann man noch nicht von Gefahr sprechen. Ist es aber dickflüssig und vom Eis nicht mehr zu unterscheiden, sollten Sie die Diele meiden, oder den Besitzer darauf hinweisen. Das Wasser sollte alle zwei Stunden gewechselt werden.

BRIGITTE.de: Was gibt es bei Eis aus dem Supermarkt zu beachten?

Horst Siems: Auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause taut das Eis schnell mal an. Ich wickle daher die Eispackung immer in Zeitungspapier ein. Zudem sollte man darauf achten, dass die Tiefkühltruhe eine Mindesttemperatur von -18°C hat. Ist die Truhe bis nach oben hin gestapelt, können die obersten Produkte leicht antauen. Hier greift man sicherheitshalber zu Packungen, die nicht direkt mit der Oberkante der Tiefkühltruhe abschließen. Man sollte dann so schnell wie möglich das Eis nach Hause bringen. 15 bis 30 Minuten sind ungefährlich.

BRIGITTE.de: Darf Eis, wenn es einmal getaut ist, trotzdem wieder tiefgekühlt werden?

Horst Siems: Man sollte die Packung jeweils nur für relativ kurze Zeiten aus dem Gefrierfach nehmen, zwei bis drei Mal ist das unproblematisch. Sobald sich das Eis verflüssigt, entsteht allerdings eine erhöhte Vermehrung der Bakterien. Außerdem sollte man das Verfallsdatum beachten.

BRIGITTE.de: Falls ich doch einmal schlechtes Eis esse - woran erkenne ich eine Salmonellenvergiftung?


<antwort name="Horst Siems">Nach zwölf Stunden, manchmal mehr, abhängig von der Infektionsdosis, erleidet der Erkrankte Magen- und Darmbeschwerden. Dabei kommt es zu Erbrechen und starkem Durchfall. Auch Schweißausbrüche und Kopf- und Gliederschmerzen weisen auf eine Salmonellenvergiftung hin. Wenn diese Symptome in 24 bis 72 Stunden nicht abklingen, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Zur Person: Dr. Horst Siems, Fachtierarzt für Mikrobiologie, Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt. Er ist für die mikrobiologische Untersuchung von Lebensmitteln zuständig. Fragen: Marie Jeschke, Bild: privat
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