Nicole Just: "Räuchertofu hilft gegen Currywurst-Jieper"

Nicole Just ist sowas wie die weibliche Ausgabe von Attila Hildmann - ein Shooting-Star in der boomenden Vegan-Szene. Wir haben mit ihr über Räuchertofu, missionarischen Eifer und ihren Opa, den Metzger, gesprochen.

BRIGITTE: Frau Just, Sie leben seit vier Jahren vegan. Warum? Nicole Just: Ich bin auf dem Land groß geworden, mein Opa war Metzger. Für mich war es immer selbstverständlich, dass Tiere und ihr Fleisch wertgeschätzt werden. Als ich später in die Stadt gezogen bin, habe ich festgestellt, wie billig Fleisch im Supermarkt ist. Anfangs wollte ich lieber nicht wissen, wie das sein kann, aber dann habe ich angefangen, viel über Nahrungsmittelproduktion zu lesen, Videos im Internet anzuschauen - und war erschüttert. Ich liebe Tiere. Für mich war klar: Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

Haben Sie von einem Tag auf den anderen aufgehört, tierische Lebensmittel zu essen? Ich habe erst einmal ein, zwei Wochen vegan gegessen. Ich hatte all diese Vorurteile, ich könnte Nährstoffmangel kriegen oder dürfte nichts mehr von dem essen, was ich mag. Aber so war es nicht: Ich hatte mehr Kraft, mehr Energie, war nach dem Essen nicht mehr so müde. Und habe festgestellt, wie viele neue Produkte es zu entdecken gibt.

Welche veganen Lebensmittel sollten auch Nicht-Veganer mal ausprobieren? Meine persönliche Entdeckung ist Tempeh, ein traditionelles indonesisches Lebensmittel aus fermentierten Sojabohnen. Unbedingt probieren sollte man auch natürlichen Milch- und Sahneersatz, wie Nussmilch aus Cashewnüssen oder Mandelmus. Da vermisst keiner die Kuhsahne!

Und wenn der Jieper auf Currywurst zuschlägt? Mir hat am Anfang Räuchertofu sehr geholfen, er schmeckt schön herzhaft. Denn klar, ich hatte auch mal Lust auf Currywurst. Aber zum Glück gibt es all diese Produkte auch vegan. Macht so eine vegane Currywurst wirklich glücklich? Die schmeckt doch sicher nicht so gut wie eine echte ... Bei veganen Produkten lohnt sich das Durchprobieren, denn es gibt große Geschmacksunterschiede. Unter den vielen Sorten findet ganz sicher jeder eine, die ihm schmeckt. Und vegane Würstchen kann man ja sogar selber machen - dann weiß man genau, was drin ist.

Stichwort Selbermachen: Auf welches Küchengerät möchten Sie nicht verzichten? Ich hab mich in meinen Mixer verliebt: Was man damit alles machen kann! Sicher, die Hochleistungsgeräte sind teuer, aber für den Anfang reicht auch ein guter Pürierstab. Außerdem braucht man unbedingt ein scharfes großes und ein scharfes kleines Messer.

Kochen Sie jeden Tag? Ich koche, so oft es geht. Am Wochenende lege ich Vorräte an: Aufstriche lassen sich zum Beispiel super einfrieren, Gemüse kann man vorschnippeln und in Dosen im Kühlschrank aufbewahren.

Essen gehen ist ja vermutlich als Veganer nicht immer ganz einfach. Oh, es ist viel einfacher geworden! In vielen Städten gibt es inzwischen vegane Restaurants und Imbisse, man kann sie zum Beispiel im Internet über "HappyCow" finden. Ansonsten kann man auch gut Thailändisch oder Vietnamesisch essen gehen, man muss nur darum bitten, dass das Essen nicht mit Fischsoße gemacht wird. Und beim Inder gibt es vegane Currys mit Kokosmilch.

Auf dem Land dürfte die Auswahl kleiner ausfallen. In Landgasthöfen frage ich ganz freundlich, ob man mir irgendwas machen kann. Man lernt, genügsam zu sein.

Das gilt wahrscheinlich auch für das Einkaufen auf dem Land. Sojamilch gibt's inzwischen sogar im Discounter. Und vieles kann man heute im Internet bestellen. Trotzdem ist die Auswahl auf dem Land natürlich begrenzt. Zum Glück sind wir Veganer nicht nur von Ersatzprodukten abhängig. Beim veganen Kochen geht es auch darum, saisonales Gemüse, Obst und Nüsse kreativ zu verarbeiten.

Das klingt alles so einfach. Gibt es Momente, wo Sie es schwierig finden, vegan zu leben? Das Essen ist nicht das Problem. Aber ich habe keine Lust, mich jeden Tag zu erklären. Innerhalb von fünf Minuten ist es Tischgespräch, dass ich vegan esse. Das nervt manchmal.

Wie reagieren Sie darauf? Mein Credo: freundlich bleiben und vorsichtig sein, nicht missionieren. Jeder soll essen, was er möchte. Aber das soll man bitte auch mir zugestehen.

Was sagen denn Ihre Freunde zu Ihrem veganen Lebensstil? Am Anfang hatte ich schon das Gefühl, dass einige unsicher waren: Was verändert sich, wenn wir essen gehen? Oder dass sie ein schlechtes Gewissen hatten, wenn sie in meiner Gegenwart Fleisch essen. Inzwischen ist das aber für uns kein großes Thema mehr und viele meiner Freunde haben ganz selbstverständlich vegane Rezepte in ihre eigene Kochroutine integriert.

Obwohl sie eigentlich Fleisch essen? Genau. Und auch in meine Kochkurse kommen viele Fleischesser. Denen zeige ich: Beim veganen Leben geht es nicht um Verbote und Verzicht. Es geht darum, gut zu essen, Spaß zu haben, neue Produkte und leckere Rezepte kennenzulernen. Wenn jeder ein bisschen weniger Fleisch essen würde, wäre schon viel gewonnen.

"Just vegan" - die vegane Video-Kochschule mit Nicole Just

In unserer Video-Kochschule "Just Vegan" zeigt Vegan-Profi Nicole Just, wie vielfältig die vegane Küche ist. Selbst für Bratensoße und für Mayonnaise hat sie ein veganes Rezept parat! Außerdem gibt's köstliche Gemüsegerichte, Ideen für Tofu, vegane Backrezepte und Tipps fürs vegane Einkaufen im Supermarkt. Just Vegan: Alle Videos im Überblick

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.