Kochbuchläden: Die Spezialisten für Kochbücher

Wo stöbert man am besten nach schönen neuen Kochbüchern? Der Buchladen um die Ecke ist eine Möglichkeit, aber es gibt noch eine bessere: der Kochbuchladen. Davon gibt es jetzt schon sieben in Deutschland - und die bergen wahre Schätze.

Martina Olufs, Inhaberin des Hamburger "Kochkontor", mit einem ihrer englischsprachigen Kochbücher

Pasta mit Garnelen-Limettensoße, scharfes Rindfleisch mit Spinat und Udon-Nudeln - solche Köstlichkeiten serviert Martina Olufs mittags in ihrem "Kochkontor". Das Besondere: Hat es den Gästen geschmeckt, können sie bei ihr gleich das Kochbuch dazu kaufen. Denn das "Kochkontor" ist ein Buchgeschäft - eines mit Mittagstisch und Kochkursen am Abend.

Vor gut einem Jahr eröffnete Martina Olufs (36) ihren Laden im Hamburger Karoviertel. Davor arbeitete die begeisterte Hobbyköchin bei einer Eventagentur. Die Idee mit dem Kochbuchladen hat sie sich im Ausland abgeschaut, allen voran beim Pionier Books for Cooks, der 1983 in Londoner Szeneviertel Notting Hill eröffnete, und bei Babette's in Wien.

Kochbücher und Eßtische - beides gehört zur Kochwelt von Martina Olufs

Das Hamburger "Kochkontor" ist nur das jüngste Beispiel eines kleinen Booms - schon sieben solcher Buchläden gibt es in Deutschland. Kochen liegt im Trend, das hat sich herumgesprochen - bei den etablierten Läden häufen sich Anfragen von künftigen Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich ebenfalls in dieser Nische selbständig machen wollen.

Einen ganz neuen Kundenkreis hat Brit Lippold (46) ausgemacht. In ihrem Buchladen "Kochlust", den sie seit sieben Jahren in Berlin betreibt, tummeln sich verstärkt Männer zwischen 30 und 40 Jahren. Neu-Einsteiger in Sachen Kochen, die nach Trendkochbüchern fragen, wie der japanischen Küche von Harumi Kurihara. "Den Anfang hat 2001 Jamie Oliver gemacht. Dazu kam der Kochboom im Fernsehen. Viele Männer finden Kochen inzwischen schick", erzählt Brit Lippold.

Dadurch gibt es eine zusätzliche Nachfrage, die die Kochbuchläden gerne befriedigen. Doch von Büchern allein können die wenigsten leben. Für zusätzliche Einnahmen sorgen die Kochkurse, die fast alle anbieten.

"Ich frage mal beim Koch nach, ob das klappt", sagt die Hamburgerin Martina Olufs gerade in den Hörer. Sie sitzt an einem weißen Tisch und telefoniert. Der Mittagstrubel hat sich gelegt, jetzt organisiert sie einen Kochkurs. Die Hamburgerin hat mit Büchern, Kochkursen und Mittagstisch sogar drei Standbeine. Ihre Arbeitstage gehen oft bis Mitternacht.

Schmucker Laden: das Hamburger "Kochkontor"

Während man in ihrem schmucken Laden in den Kochbüchern blättert, steigt einem der Kaffeeduft in die Nase. Er kommt aus der offenen Küche im hinteren Teil des Ladens. Dort finden die Kochkurse statt - und dort stehen auch die Leckereien für den Nachmittag: Mohn- und Karottenkuchen. Selbstgebacken natürlich. Spätestens jetzt wird einem klar, was die Berliner Unternehmerin Brit Lippold meint, wenn sie von der Sinnlichkeit eines Ladens schwärmt, bei dem man die Kochbücher nicht nur ansehen, sondern die Gerichte daraus auch riechen und schmecken kann.

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum es sich lohnt, in einem Spezialladen nach neuen Kochbüchern Ausschau zu halten. Auch das Sortiment ist erlesener - und die Kunden wissen das zu schätzen. So gibt es bei Frank Petzchen (40), Inhaber von "Frank Petzchen. Kochbücher & Kochseminare" viele Schätze, die man in anderen Buchläden kaum findet. Darunter Angebote von kleinen Verlagen, Kochbücher aus fernen Ländern und ausgefallene Sterneküche. "Das sind oft teure, hochwertige Bücher, die nur in kleiner Stückzahl aufgelegt wurden. Massenware wie Bücher von TV-Köchen laufen bei uns gar nicht", erzählt er.

In fast allen Geschäften geben sich auch Profiköche die Klinke in die Hand - auf der Suche nach neuen Inspirationen. Und der Nachwuchs deckt sich mit Standard-Lehrbüchern wie "Der junge Koch. Die junge Köchin" ein.

Klar, bestellen kann man diese Bücher auch über den normalen Buchhandel. Der Vorteil der Spezialläden ist jedoch, dass man in den oft sehr sinnlichen Bücher auch blättern kann. So hat die Brit Lippold allein für Kräuterfans eine komplette Regalreihe reserviert. Bei Martina Olufs stapeln sich englischsprachige Kochbücher - ein Faible der Unternehmerin, die in den USA geboren wurde und von kalifornischer Küche nicht genug bekommen kann. Vor allem, wenn sie frischen Thun- oder Schwertfisch in die Finger bekommt. Und beim Düsseldorfer Frank Petzchen bekommen Fans der Schweizer Küche auch Bücher zur Regionalküche aus Graubünden.

Es ist vor allem die Auswahl der Kochbücher, die die kleinen Läden so besonders macht, weniger die Anzahl. Im Gegenteil, eine große Buchhandelskette wie Thalia kann mit einem Bestand von beispielsweise 1200 Kochbüchern in der Hamburger Europapassage durchaus mit einigen der Spezialläden mithalten, die zwischen 500 und 3000 Titel vorrätig haben. Ausnahmen mit größerem Bestand sind "BuchGourmet" in Köln mit 10.000 neuen Titeln, dazu 2000 im Antiquariat, und "Frank Petzchen. Kochbücher und Kochseminare" in Düsseldorf mit 5000 Titeln.

Wer anderswo kein Glück hatte, kann es im Online-Shop "BuchGourmet" suchen. Hier wird jeder exotische Kochbuchwunsch befriedigt. Es gibt Bücher, die erklären, wie man selbst Kaffee röstet (Gerhard A. Jansen: "Rösten von Kaffee - Magie, Kunst, Wissenschaft") oder das mindestens zehn Jahre alte Buch, das im Weblog eines Cocktailfreaks erwähnt wurde und plötzlich wieder riesig gefragt war (Dietrich Bock: "Erlesene Cocktails für private Gäste"). Buchhändler Dieter Eckel ist übrigens nicht nur am besten ausgestattet, er kann auch die meiste Erfahrung vorweisen: Er eröffnete seinen Laden in Köln vor mehr als 20 Jahren - und war damit der erste Buchhändler in Deutschland, der sich aufs Thema Kochen spezialisiert hat. Selbst der gut bestückte Londoner Laden "Books for Cooks" kann da mit 8000 Titeln nicht mithalten. Fazit: Für alle, die auf der Suche nach ausgefallenen, besonders schönen und seltenen Kochbüchern sind, lohnt sich der Besuch im Kochbuchladen.

Übersicht: Kochbuchläden in Deutschland

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Die besten Kochbücher - das empfehlen die Profis

Durch ihre Hände gehen die neuesten und besten Kochbücher. Sie wissen, welche wirklich gut sind. Wir haben die Experten der Kochbuchläden gebeten, uns ihr jeweiliges Lieblingsbuch zu verraten. Hier sind ihre Antworten:

Der Favorit von Martina Olufs (Kochkontor, Hamburg):"Die klassische italienische Küche. 450 Rezepte" von Marcella Hazan, 688 Seiten, 2003, 34 Euro, Verlag: Collection Rolf Heyne

Martina Olufs: "Das Kochbuch hat keine Bilder. Dafür gibt es tolle Rezepte und sehr hilfreiche Tipps. Wie packt man Parmesan ein, damit er frisch bleibt? Wie friert man das Gericht am besten ein? Darauf gibt Marcella Hazan Antworten."

Der Favorit von Frank Petzchen (Frank Petzchen, Kochbücher und Kochseminare, Düsseldorf): "Die große Schule des Kochens. Zutaten, Techniken, Rezepte" von Anne Willan, 527 Seiten, 1994, Sonderausgabe 20 Euro, Verlag: Christian.

Frank Petzchen: "Ein guter Koch braucht Grundwissen, erst dann kann er variieren. 'Die große Schule des Kochens' ist die ideale Grundlage dafür, ein gutes Lehrbuch und gleichzeitig ein Nachschlagewerk. Hier findet man die Zubereitung von Geflügel, Soßen, Nudelteig, Dressings und vielem mehr. Dazu gibt es Infos zur Warenkunde."

Der Favorit von Elke Kuntz (KochKuntz, Bielefeld): "Schokolade. Die sündige Versuchung. Mit Rezeptbuch" von Thomas Dhellemmes und Laurent Schott, 128 Seiten, April 2007 (zweite Auflage), 39,90 Euro, Verlag: Delius Klasing

Elke Kuntz: "Von diesem Kochbuch und den wunderschönen Fotografien darin lasse ich mich gerne verführen. Praktisch ist das Rezeptbuch zum Rausnehmen - so wird das Kochbuch beim Kochen nicht schmutzig. Die aufwändigen Verzierungen bei manchen Rezepten sind eher etwas für Fortgeschrittene, aber das Buch enthält auch genügend Rezepte für Anfänger. Mein Lieblingsrezept daraus heißt 'Concorde', ein Dessert mit Schokoladenbaiser und Mousse au chocolat."

Der Favorit von Claudia Wenzel-Brinck (MaNehme, Stade): Die Welt in meiner Küche. Familienrezepte von Finnland bis Südafrika von Tessa Kiros, 397 Seiten, September 2005, 26,90, Verlag: Dorling Kindersley

Claudia Wenzel-Brinck: "Die Autorin ist eine sehr interessante Person. Sie hat einen griechischen Papa und eine finnische Mutter, lebte in Südafrika und London und besitzt ein Haus in der Toskana. Die verschiedenen Küchen finden sich in den Rezepten wieder. Zu jedem Rezept gibt es eine Geschichte. Darin erzählt sie, woher sie das Gericht kennt."

Der Favorit von Dieter Eckel (BuchGourmet, Köln): Das Gourmet Handbuch von Udo Pini, 2007, 19,95 Euro, Verlag: Ullmann/Tandem

Dieter Eckel: "Es ist das vollständigste Kochbuch, das ich kenne. Alle Küchen- Fachausdrücke werden in ausführlichen Artikeln erläutert. Dazu gibt es Infos über Zubereitungsarten, Warenkunde und Personen aus der Kulturgeschichte des Kochens. Das alles mit vielen Fotos. Wer sich später auch mal an schwere Gerichte rantrauen will, hat mit diesem Kochbuch eine gute Grundlage."

Der Favorit von Brit Lippold (Kochlust, Berlin): Meine Sonnenküche von Virginie Besançon, 240 Seiten, Februar 2008, 24,95 Euro, Hölker-Verlag

Brit Lippold: "In dem Buch sind vegetarische Rezepte aus der Provence, Kleinigkeiten genauso wie ganze Menüs. Der Verlag hat es geschafft, Sonne in das Buch zu bringen. Alle Früchte und Gemüsesorten wie Tomaten oder Erdbeeren sind wunderbar fotografiert, ohne gestylt auszusehen. Außerdem ist die Autorin sehr sympathisch. Sie hat als Marktverkäuferin klein angefangen."

Der Favorit von Helmut Weber (Kochbuch, Frankfurt): Meine Gewürze von Ingo Holland, 220 Seiten, September 2007, 39, 90 Euro, Verlag: Tre Torri.

Helmut Weber: "In dem Kochbuch werden die 50 wichtigsten Gewürze beschrieben und abgebildet. Dazu gibt es jeweils einen Rezeptvorschlag. Die Rezepte sind zwar anspruchsvoll, aber auch für den Laien machbar. Mir gefällt das Buch, weil es zeigt, dass man mit guten Produkten auch mit geringem Aufwand viel erreichen kann."

Text: Monika Herbst Fotos: Monika Herbst, PR

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Monika Herbst
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