Lässt keine Köchin im Stich: Huhn

Sterne-Köchin Lea Linster schreibt, was sie für ganz nette Freunde kocht: Huhn.

Alle denken, ich mache das mit links, weil Kochen doch mein Job ist. Aber wenn sich bei mir Freunde zum Essen ansagen, bin ich genauso nervös wie jede andere Hausfrau auch. Ganz schlimm ist es, wenn es Gäste sind, die selbst gut kochen. Dann fange ich an zu überlegen, was ich wohl kochen könnte...

Und dann ärgere ich mich über mich selbst. Warum mach ich mir nur jedes Mal so einen Kopf? Bei einer privaten Einladung stimmt doch eins schließlich immer: Das Preis-Leistungs-Verhältnis! Alles ist umsonst - und die Gäste müssen hinterher nicht mal abwaschen! Also, warum die ganze Aufregung?

Ganz einfach, in meinem Restaurant können die Gäste in die Speisekarte gucken und selbst auswählen. Bei mir zu Hause müssen sie essen, was ich ihnen vorsetze. Was, wenn sie keinen Fisch mögen? Oder allergisch auf Zitronengras reagieren? Und Koriander noch nie leiden konnten? Das ist der Grund, weshalb ich bei Essens-Einladungen gern auf Nummer Sicher gehe. Und da gibt's nur eins: Meine Poularde! Die hat bisher noch jeder geliebt.

Ein gutes Huhn, mit Liebe und Kennerblick ausgesucht, lässt keine Köchin im Stich. Es zeigt sich stets von seiner besten Seite und sorgt selbst dafür, dass es in Top-Form auf den Tisch kommt. Also: Wenn es aus bestem Stall und von erlesener Herkunft ist, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen! Es gibt dabei nur eine einzige Schwierigkeit: Das richtige Huhn zu bekommen. Auf keinen Fall darf es aus einer dieser seelenlosen Geflügelfarmen stammen und tiefgefroren sein. Am besten kauft man sein Huhn bei einem Geflügelhändler, dem man vertrauen kann. Oder beim Öko-Bauern auf dem Markt. Meine eigenen Hühner sind besonders verwöhnt. Sie fressen nur die besten Mais- und Weizenkörner und die Reste vom hausgebackenen Brot. Die gebe ich meiner Madame, die mir die Hühner züchtet. Sie sind wirklich glücklich, diese Hühner, und dieses Glück teilt sich unserem Gaumen mit - sie schmecken einfach superb!

Für mich ist ein Huhn wie ein guter Freund: Es lässt einen nie im Stich. Man kann es braten, pochieren, kalt oder warm servieren, am Spieß übergrillen, ganz oder in Stücken servieren... Nur gut muss es sein! Beim Huhn zeigt es sich mal wieder ganz deutlich: Die beste Küche ist die einfache - aber aus allerbesten Zutaten!

Bis zum nächsten Mal - à bientôt!

PS: Zubereitungstipp

Das Huhn wird mit Butter bestrichen, bekommt etwas Meersalz außen auf die Haut und etwas Pfeffer innen hinein - und dann geht's für gut 40 Minuten ab in den 200 Grad heißen Ofen. Ob das Huhn gar ist, kann man testen: Wenn man mit einer Fleischgabel reinpiekt und rötlicher oder trüber Fleischsaft austritt, braucht es noch ein bißchen. Ist der Saft klar, war es lang genug im Ofen. Zum Hühnchen reiche ich eine Soße, die mit reduziertem Hühnerfond und frischem Thymian gemacht und mit kalter Butter montiert wird. Dazu kommen Salz, Pfeffer und etwas Schlagsahne.

Die Beilagen sind saisonbedingt: Pfifferlinge, Steinpilze, zarter Frühlingsporree oder junge Erbsen - alle feinen Gemüse passen wunderbar zum Huhn.

PPS: Lebensmittelkunde

Ein gutes Huhn erkennt man an der absolut trockenen Haut. Die ist der beste Garant dafür, dass es nicht tiefgefroren war, sondern höchstens luftgekühlt wurde. Es sollte am besten 1200 bis 1500 Gramm wiegen, und auch die Haut muss dick und fest sein, nur dann wird sie nachher im Ofen richtig kross.

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