Teekultur: Kluntjes, Milch und Rituale

Die Ostfriesen haben sie, die Engländer und vor allem die Japaner - eine ausgeprägte Teekultur.

In Ostfriesland

In Deutschland gibt es nur eine Region, in der das Teetrinken seit mehr als 300 Jahren als unverzichtbarer Bestandteil des Tagesprogramms zu einem Ritual geworden ist: Bis zu fünfmal täglich genehmigt sich ein echter Ostfriese seine drei "Koppkes" - zum Frühstück, zum "Elf-Ührtje", nach dem Mittagessen, zur Teezeit zwischen drei und fünf und als Einleitung des Feierabends.

Als "Grundnahrungsmittel" gilt der Ostfriesentee - eine Mischung von überwiegend nordostindischen Assam-Tees. In die Tasse kommt zunächst ein dickes Stück Kandis - Kluntje genannt - dann wird der Tee eingeschenkt und ein wenig "Rohm" (ungeschlagene Sahne) beigegeben - Umrühren ist verpönt. So genießt der Ostfriesentee-Trinker als erstes den Tee mit dem "Wulkje" (Sahnewölkchen), dann den herben Teegeschmack und schließlich den gesüßten Tee vom Boden der Tasse. Ostfriesische Teezeremonien bietet zum Beispiel das Ostfriesische Teemuseum, Am Markt 36 in 26506 Norden/Ostfriesland an.

England: Five o'clock tea

"Any time is teatime" sagen die Engländer und nichts geht ihnen über den traditionellen Five o'clock tea. Dabei war die Kolonialware aus China im 18. Jahrhundert noch derart teuer, dass sie nur in adligen Kreisen getrunken wurde. Erst als die satte Teesteuer gesenkt wurde, konnte sich der Teekonsum in allen Schichten ausbreiten. Trotzdem - der traditionelle Fünf-Uhr-Tee geht angeblich auf eine Erfindung der Lady Bedford zurück, um die lange Zeit zwischen Lunch und Dinner zu überbrücken und bald avancierte der "Afternoon Tea" zu einem gesellschaftlichen Ereignis, zu dem in der Oberschicht elegante Kleidung, kostbares Teegeschirr und ausgewählte Speisen wie Gebäck und Kuchen gehörten. Für die Teestunde auf feine englische Art wird der Tee stark zubereitet und mit frischer Milch serviert - nach dem "m.i.f." (milk in first)-Prinzip. Dann wird der aufgebrühte Tee zugegossen und je nach Bedarf gesüßt.

Japanische Teezeremonie

Buddhistische Mönchen sind es gewesen, die den Tee bereits im 8. Jahrhundert vor Christus aus China nach Japan gebracht haben. Die Mönche tranken ihn in den Klöstern, um bei der Meditation wach zu bleiben, später wurde er in Teehäusern serviert, in denen sich die Samurai zu luxuriösen Tee-Zusammenkünften trafen.

Die Teezeremonie (japanisch: chanoyu oder sado) ist ein aus dem Zen-Buddhismus entstandenes Ritual, es soll der Besinnung auf Reinheit und Harmonie dienen. Der grüne Tee wird dabei nach genau festgelegten Regeln von einem Teemeister oder einer Teelehrerin zubereitet. Dazu werden spezielles Zubehör und ein grüner Pulvertee (Matcha), verwendet, der mit einem Teebesen in der Trinkschale dickflüssig geschlagen wird. Jeder Handgriff der Teezeremonie ist genau vorgegeben - das Ritual ist eine feierliche Angelegenheit und der ganze Vorgang dreht sich nicht um das Schlürfen von Tee, sondern um Ästhetik.

Infos und Veranstaltungen: Schule für japanische Teezeremonie in Hannover, Jana und Dr. Dietrich Roloff, 30177 Hannover, Dahnstr. 13. Im Teehaus Shoseian im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg wird in der Regel an jedem dritten Wochenende im Monat der Ablauf einer japanischen Teezeremonie vorgeführt.

Uta Bangert; Fotos: Deutscher Teeverband
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