Zu Schmorgerichten: Spätburgunder

Kein anderer Wein ist so subtil und geschliffen! Mit seiner femininen Art gleicht er verblüffend einer Ballerina.

Wie der Name schon sagt: Der Spätburgunder stammt aus dem Burgund. Er wurde schon im 4. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen und verbreitete sich von dort in die ganze Welt. Zudem ist der Pinot Noir, wie er in Frankreich heißt, der Vorfahre von mindestens 16 modernen Rebsorten, darunter Grauund Weißburgunder, Chardonnay und Auxerrois. Also eine Rebe, die sehr mutationsfreudig ist - sie verändert sich! In den Rebschulen werden gegenwärtig 46 Pinot-Noir-Klone unterschieden.

Wussten Sie eigentlich, dass alle großen Burgunder-Weine, egal ob sie nun Nuits St. Georges, Chambertin, Vosne-Romanée oder Musigny heißen, immer reinsortige Spätburgunder sind? Für die großen Rotweine der Region ist nur der Pinot Noir zugelassen!

Im Weinberg erweist er sich immer als sehr anspruchsvoll: Die Rebsorte benötigt die besten Lagen. Sie liebt ein eher kühleres Klima, die Beeren sind sehr hitzeempfindlich. In feuchten Jahren ist sie für Fäule sehr anfällig - also eine Rebsorte, die die Winzer wirklich herausfordert. Für nördlich gelegene Regionen, wie Deutschland, ist er eindeutig die bedeutendste rote Rebsorte.

In jungen Jahren betört der Spätburgunder mit seinen unglaublich fruchtigen Aromen, an Kirschen und Brombeeren erinnernd, mit mehr Reife erscheint er herbstlicher. Ich stelle mir vor: Ich mache einen Waldspaziergang, und die Sonne scheint auf den mit Blättern belegten Boden - ähnlich riecht ein gut gereifter Spätburgunder.

So wie ein Spätburgunder oft eine eher hellere Farbe hat, so zeigt er sich schon in jungen Jahren immer verführerisch weich und rund, lässt sich früher trinken als manch andere Rotweine. Wegen seiner dünneren Beerenschalen besitzt er nicht so harte Tannine oder Gerbstoffe. Seine kräftigere Gerbsäure hingegen garantiert seine Langlebigkeit.

Oft wird ja unter Weinfans darüber diskutiert, ob der Pinot Noir die besten Weine der Welt ergibt - und andere können so gar nichts mit Spätburgundern anfangen. Gerade wenn Sie Überseeweine gewohnt sind, fällt es Ihnen vielleicht schwer, sich mit einem Spätburgunder anzufreunden: Die Farbe ist meist nicht so intensiv und dunkel, und er wirkt insgesamt sehr subtil, etwas zurückhaltender und geschliffener. Eleganz und Finesse sind seine großen Stärken. Oft muss man ihn sich regelrecht erarbeiten. Aber wenn man sich erst einmal mit dem Pinot Noir angefreundet hat, kann er schnell zum Lieblingsrotwein aufsteigen.

Wo wird er angebaut?

In Burgund natürlich die Rebsorte! In der Champagne gehört er zu den wichtigsten - wie in Deutschland. In Österreich (Burgenland) und in Südtirol heißt er Blauburgunder. Lange wurde geunkt, dass es in Übersee viel zu warm für ihn sei. Heute haben wir aber großartige Pinots z. B. aus Oregon und Neuseeland.

Wozu passt er sonst?

Zu Schmorgerichten (Kalbsbrust, Osso bucco, Ochsenschwanz etc.) gibt's nichts Besseres! Ich finde, die Schmoraromen und der mitgekochte Wein unterstützen den Spätburgunder noch. In Burgund gehören das Boeuf Bourguignon und der berühmte Coq au vin zu den besten Spezialitäten. Ein eleganter roter Burgunder passt perfekt zum Täubchen, zur Ente oder zum Wildgeflügel. In Deutschland wird der Spätburgunder auch oft in der leichten und fruchtigen Variante angeboten (QbA, Kabinett). Die gehen gut zur Brotzeit und zu kräftigeren Fischgerichten. Nicht zu vergessen: Toll harmoniert er auch mit Weißschimmelkäse wie Camembert, Brie de Meaux, Chaource etc.

Zu Schmorgerichten: Was passt sonst noch?

Es sollte immer ein Barrique-Wein sein! Zur Lammkeule bevorzuge ich Bordeaux oder einen Cabernet Sauvignon aus Italien. Spanische Rotweine mit ihrer Kraft und Wärme passen toll zu einem Hirsch- oder Rehragout. Bei uns oft unterschätzt sind Weine von der Rhône. Ein guter Côtes du Rhône, ein Châteauneuf du Pape oder ein Gigondas schmeckt oft unvergesslich gut, z. B. zur Lammkeule.

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Text: Natalie Lumpp
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