Zu Terrinen: Gewürztraminer

Mein Appell an Sie: Trinken Sie bitte mehr Gewürztraminer! Weil er sehr anspruchsvolle Lagen im Weinberg benötigt, wird er vielfach gegen moderne Rebsorten ausgetauscht.

Der Gewürztraminer ist ja die Bukettsorte par excellence. Sein reicher, würziger und exotischer Duft macht einen solchen Wein unvergesslich. Ganz typisch ist sein Aroma von Litschis, Rosen, Orangenblüten und weihnachtlichen Gewürzen und seine geringe Säure, die den Wein sehr weich macht. Einige Gewürztraminer zeigen sich unglaublich parfümiert und mit ihrer Restsüße fast schwülstig, aber auch leidenschaftlich und verführerisch.

Nun streiten sich die Gemüter: Soll er trocken und etwas schlanker ausgebaut werden oder wie früher mit Restsüße und eher ausladend? Je nach Gelegenheit schmeckt die eine oder die andere Variante besser. Ich finde ja: wenn schon, denn schon! Wenn ich mich also für einen Gewürztraminer entscheide, dann kann er ruhig üppig sein. Und ein Gewürztraminer zum richtigen Zeitpunkt ist ein fantastischer Genuss! Er ist zum Beispiel meine Geheimwaffe für Regensonntage: Nachmittags eine Flasche geöffnet und ein Glas getrunken - und man weiß, alles wird gut. Die Gewürztraminer schmecken wunderbar solo oder auch nach Elsässer Art mit einem Gugelhupf. Aber in der Verbindung zu Terrinen - wie Wildterrine oder Gänse- oder Entenleberterrine - hmm, für mich ein unschlagbares Geschmackserlebnis! Im Elsass wird der Gewürztraminer übrigens auch oft als Aperitif gereicht oder zum Munsterkäse (Rotschmierkäse).

Die genaue Abstammung des Gewürztraminers ist nicht wirklich geklärt, angenommen wird Südosteuropa, möglicherweise auch Ägypten. Der Name aber stammt unzweifelhaft vom Südtiroler Ort Tramin - vielleicht kommt er doch daher...? Man geht auch davon aus, dass der Traminer, der nicht ganz so stark im Duft ist, zuerst da war. Durch eine Mutation (eigene Spielart) soll der Gewürztraminer entstanden sein. Die Fachwelt ist sich auch noch nicht ganz einig, ob der Savagnin rosé nun die gleiche Rebsorte ist oder nicht.

Wann trinken? Die süßeren Gewürztraminer bestechen oft durch ihre Langlebigkeit!

Beste Trinktemperatur: 10-12°C.

Der Wein hat Kork? Reklamieren Sie! In Frankreich heißt das "bouchonné" oder "goût de bouchon". In Italien "sugheroso" oder "gusto di sughero" und in Spanien "suberoso".

Wo wird er angebaut?

Natürlich in Tramin und ganz Südtirol, dort meist ganz trocken ausgebaut. Einen ähnlichen Stil finden Sie teilweise in Deutschland, aber auch kraftvolle Spätlesen mit Restsüße und geniale edelsüße Varianten! In Österreich hat er eine vergleichbare Verbreitung wie in Deutschland. Im Elsass fällt "Gewürz" meist alkoholstärker, kraftvoll und mit dienender Süße aus. In größeren Mengen treffen Sie ihn noch in Osteuropa: Moldau, Ungarn, Slowenien, Rumänien, Bulgarien. Ideale Bedingungen trifft er in Neuseeland an. Die Winzer in Chile, Kalifornien und Australien pflanzen ihn in kühle Lagen.

Wozu passt er noch?

Im Elsass spricht nichts dagegen, schon am Nachmittag solch guten Tropfen mit einem Gugelhupf oder Munsterkäse zu genießen. Aber auch zu rustikalen, würzigeren Speisen wie "Fleischschnacka" oder Flammkuchen ist er klasse. Ich finde ihn oft zu asiatischen Gerichten sehr spannend. Und: zu einem Wildhasenrücken in der Spekulatiuskruste!

Zu Terrinen: Was passt sonst noch?

Klar, zu Fischterrinen schmecken leichte, blumige Weine, wie guter Müller-Thurgau, Auxerrois, Weißburgunder. Ochsenschwanzterrine geht gut mit Grauburgunder. Terrinen mit leichtem Gelee und Kräutern verlangen frischere Weißweine. Zur Pâté passen kraftvolle Grauburgunder, Chardonnays oder ein Rosé. Zur Gänse- oder Entenleberterrine können Sie gut einen Muskateller oder den Klassiker Sauternes nehmen.

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Text: Natalie Lumpp
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